Aktuell
Home | Lokales | Ilmenau | Und ewig rollen die Laster
Die Lkw-Karawane zieht durch Melbeck. Wie das Verkehrsproblem zu lösen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Foto: t&w
Die Lkw-Karawane zieht durch Melbeck. Wie das Verkehrsproblem zu lösen ist, darüber gehen die Meinungen auseinander. Foto: t&w

Und ewig rollen die Laster

kre Melbeck. Der Verkehr ist für die Anwohner in Melbeck unerträglich. Mehr als 26000 Fahrzeuge quälen sich durch den Ort. Rund um die Uhr, Tag für Tag. Wie man diese Blechflut umleiten kann, darüber gehen die Meinungen auseinander. Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner (CDU) setzt auf den Bau der A 39, während der Dachverband ,,Keine A 39″ genau das verhindern möchte, stattdessen auf den Ausbau der B 4 und den Bau von Ortsumgehungen setzt. Dagegen aber sprechen sich die Mitglieder der Bürgerinitiative ,,Pro Ilmenauniederung“ aus, die die Zerstörung der umliegenden Naturschutz- und Naherholungsgebiete fürchten. Die Ausgangslage also ist kompliziert und wird noch durch eine Resolution befeuert, die der Rat der Gemeinde Melbeck am Montagabend während seiner Ratssitzung (Beginn 19 Uhr in der Mensa des Gymnasiums Lüneburger Heide) auf den Weg bringen will.

Seit vielen Jahren schon kämpfen die Melbecker gegen die Verkehrslawine an. Etliche Verkehrsminister haben sich mehr oder weniger erfolglos an der Lösung des Problems versucht. Gut in Erinnerung geblieben etwa ist das Durchfahrtsverbot für Lkw über zwölf Tonnen, das der damalige Verkehrsminister Walter Hirche (FDP) verordnet hatte. Entsprechende Hinweisschilder für den Fernverkehr wurden an den Autobahnen aufgestellt den durchschlagenden Erfolg vermissen die Anwohner aber bis heute. Im Gegenteil: ,,Der Verkehr ist so dicht geworden, dass die Autofahrer aus den Seitenstraßen kaum eine Chance haben, auf die Bundesstraße abzubiegen“, gibt Klaus Hübner zu bedenken.

Dass der grüne Koalitionspartner in Hannover die A39 ablehnt, ist kein Geheimnis. Als Alternative zum Autobahnbau hat die niedersächsische rot-grüne Landesregierung deshalb den Ausbau der bestehenden Bundesstraße 4 zum Bundesverkehrswegeplan 2015 angemeldet. Der Melbecker Rat stand bis gestern nachmittag dieser Idee noch unentschlossen gegenüber. Auf der einen Seite gibt es Ratsherren und -frauen, die diese Idee im Grundsatz für gar nicht so schlecht finden, andere wiederum lehnen diese Alternative und damit auch den möglichen Bau einer Ortsumgehung rundweg ab. Bis Montagabend allerdings wollen sich die Fraktionen im Melbecker Rat auf eine gemeinsame Resolution verständigt haben. Bürgermeister Hübner wird am Wochenende also noch einige Abstimmungsgespräche führen müssen.

Für Angelika Königsfeld und Cornelia Kant, die beiden Vorsitzenden der Bürgerinitiative ,,Pro Ilmenauniederung“ , dagegen ist eine Ortsumgehung keine Option. ,,Eine Entlastung in Form einer Ortsumgehung, deren Verlauf zwei Naturschutzgebiete einerseits und den örtlichen Friedhof andererseits zerstören würde, ist unter keinen Umständen für die Melbecker Bürger hinnehmbar“, betonen die beiden. Als ,,unsinnig“ brandmarken sie die sogenannte „Meldelinie“ den möglichen Trassenverlauf für den Bundesverkehrswegeplan 2015.

„Eine Ortsumfahrung für Melbeck zu realisieren, wird nicht einfach“, gestehen auch Annette Niemann und Wolfgang Schneider als Sprecher des Dachverbandes ,,Keine A39″ ein, dennoch sind sie überzeugt: ,,Nur die kann Melbeck auf Dauer eine verkehrliche Entlastung bringen!“

Doch selbst, wenn sich die Politik für diese Variante entscheidet. Auf die Realisierung müssten die Anwohner wohl noch viele, viele Jahre warten. Angelika Königsfeld und Carmen Kant schlagen deshalb eine Lösung vor, die die B4 in der Ortsdurchfahrt vergleichsweise schnell etwas erträglicher für die Anwohner machen würde: ,,Eine Temporeduzierung innerorts, die Überwachung durch feste Blitzer, Austausch des vorhandenen Fahrbahnbelags gegen Flüster-Asphalt“ Vorschläge, die übrigens auch schon im Lärmaktionsplan der Gemeinde Melbeck gemacht wurden. Somit liegt noch eine Alternative auf dem Tisch, über die die Politiker am Montag beraten können beobachtet von einem ZDF-Kamerateam, das über die Verkehrsprobleme in Melbeck berichten wird.