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Zusammen mit einem Kamerateam des ZDF schauten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative ,,Pro Ilmenauniederung am Campingplatz den möglichen Trassenverlauf für die Ortsumgehung an (v.l.): Christian Quade, Angelika Königsfeld, Carmen Kant, Jana Kant, ZDF-Redakteurin Christiane Hoffmann sowie Tonmann Michael Gaßner und Kameramann Germar Biester. Foto: t&w
Zusammen mit einem Kamerateam des ZDF schauten sich die Mitglieder der Bürgerinitiative ,,Pro Ilmenauniederung am Campingplatz den möglichen Trassenverlauf für die Ortsumgehung an (v.l.): Christian Quade, Angelika Königsfeld, Carmen Kant, Jana Kant, ZDF-Redakteurin Christiane Hoffmann sowie Tonmann Michael Gaßner und Kameramann Germar Biester. Foto: t&w

Ortsumgehung Melbeck: Diese Trasse hat keine Chance

kre Melbeck. Vor wenigen Tagen, als er noch als Samtgemeindebürgermeister in Amt und Würden war, hätte Jürgen Stebani so wohl nicht reden können. Doch der ehemalige Rathauschef ist jetzt im Ruhestand und ,,nur“ noch Bürger. Das kann durchaus befreiend wirken: ,,Wenn jemand eine schwachsinnige Planung vorlegt, dann sollte man die als solche auch klar ablehnen“, urteilte Stebani und sprach damit wohl der überwiegenden Mehrheit der Zuhörer aus dem Herzen. Mehr als 100 Bürger waren zur Ratssitzung der Gemeinde Melbeck gekommen. ,,So viele wie noch nie“, freute sich Melbecks Bürgermeister Klaus Hübner (CDU), der in Erwartung des großen Andrangs die Sitzung extra in der Mensa des Gymnasiums Lüneburger Heide angesetzt hatte. Das große Interesse hatte freilich einen Grund. Denn auf der Tagesordnung stand ein Melbecker Reizthema Planung einer Ortsumgehung.

Dabei wünschen sich die Melbecker nichts sehnlicher, als eine verkehrliche Entlastung. Schließlich quälen sich täglich mehr als 26000 Fahrzeuge durch den Ort. Rund um die Uhr, Tag für Tag. Doch das, was jetzt an ersten Planungsentwürfen aus dem niedersächsischen Verkehrsministerium auf dem Tisch liegt, ist für die Melbecker keine Lösung, ganz im Gegenteil. Und das machten sie am Montagabend mehr als deutlich.

Wie berichtet, plant das Ministerium eine Umgehung östlich von Melbeck. Bislang gibt es nur eine erste grobe Planung, die sogenannte ,,Meldelinie“. Die sei nicht verbindlich für spätere Planungen, ,,erhebliche Änderungen durch Erkenntnisgewinn“ durchaus möglich. Die Melbecker sind trotzdem in höchstem Maße alarmiert: ,,Zuerst haben wir diese Planungen für einen Scherz gehalten, aber sie sind alles andere als ein Scherz“, mahnte nicht nur Angelika Königsfeld, Vorsitzende der Bürgeriniative „Pro Ilmenauniederung.“

Es sind eine Reihe von Kritikpunkten, die der Melbecker Rat in seiner Resolution am Montag einstimmig bei vier Enthaltungen formulierte: ,,Die vorgelegte Planung wird eindeutig und unmissverständlich abgelehnt, weil die vorgesehene Linienführung der B4 zum Teil nur mit 70 Metern Abstand zur vorhandenen Wohnbebauung geführt werden soll“, heißt es in der Resolution, und weiter: Die geplante Linienführung zerschneide beziehungsweise zerstöre überaus wertvolle Gebiete für Natur und Erholung (FFH-Gebiet Ilmenau-Niederung), Überschwemmungs- und Waldgebiete sowie weitere unter Natur- und Landschaftschutz stehende Gebiete.

Die Planung sei zudem pietätlos, denn: ,,Sie tangiert in extremem Maße den Melbecker Friedhof“, monieren Rat und Bürger, außerdem werde das naturnah angelegte Camping- und Wochenendhausgebiet durch die Trassenführung zerschnitten. Alles Gründe,warum der Melbecker Rat schon frühzeitig das Ministerium auffordert, diese Trassenführung nicht weiter zu verfolgen, stattdessen alternative Planungen für die Entlastung des Ortes zu suchen.

Wie eine Alternative aussehen und wo vor allem eine allseits akzeptierte Trasse verlaufen könnte, diese Frage wollte Bürgermeister Klaus Hübner bewusst nicht beantworten: ,,Das ist nicht die Aufgabe der Gemeinde. Das ist Aufgabe der Planer in den Behörden und Ministerien.“

Gleichwohl machte Hübner deutlich, dass der Gemeinderat mitnichten gegen eine Ortsumgehung sei. ,,Im Gegenteil! Was wir ablehnen, ist die zur Diskussion stehende Trasse.“

Für Ratsherr Jürgen Dietze (SPD) dagegen kommt die ablehnende Haltung des Rates zu früh: Der Verwaltungsrichter i.R. sieht noch „erheblichen Beratungsbedarf“, schließlich handle es sich bislang nur um eine ,,Freihandplanung“, also nichts Konkretes. Seine Sorge: ,,Wenn wir jetzt die Türen zuschlagen und die Ortsumgehung ablehnen, haben wir am Ende gar nichts.“

,,Wir lehnen die Ortsumgehung gar nicht ab, wir wehren uns gegen den zur Diskussion stehenden Trassenverlauf“, belehrten ihn Ratsmitglieder und Bürger gleichermaßen. Applaus erhielt dafür Karsten Fuhrhop (Bürgerliste Ilmenau), als er appellierte: ,,Wir können nicht warten. Wir müssen jetzt schon deutlich machen, dass wir mit dieser Grobplanung grundsätzlich nicht einverstanden sind.“ Seine Maxime: ,,Wehret den Anfängen!“

Und Vorschläge, die schon relativ schnell etwas Entlastung bringen könnten, hatten Bürger in der anschließenden Diskussion auch parat: ,,Tempo-Reduzierung, mehr Blitzer und konsequente Kontrollen der Lkw.“ ,,Warum“, so ein Anwohner der B4, „unternehmen die Behörden diesbezüglich nichts?“