Donnerstag , 29. September 2016
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Der besondere Kick

ca Lüneburg. Eigentlich sollten ein paar mehr Männer auf dem Fußballplatz auf dem Kreideberg auflaufen. Doch das hat irgendwie nicht geklappt, ein paar hatten keine Lust, einer ist auf Entzug, einer in der Psychiatrischen Klinik und einer sitzt überraschend im Knast. Trainer Peter Kopp hat es manchmal nicht leicht, eine Truppe auf die Beine zu bekommen. Doch der Sozialarbeiter, der für den Herbergsverein arbeitet, lässt sich nicht entmutigen, denn wenn die sechs bis acht Jungs auf dem Platz kicken, sind sie begeistert dabei. Kopp strahlt: „Das macht richtig Spaß.“

Vor ein paar Monaten sei er auf die Idee gekommen, die Bolzrunde zu gründen. Er und sein Kollege Torsten Valerius haben Plakate in der Herberge und im Treff Wendepunkte an der Salzstraße aufgehängt, das Interesse war geweckt. Zusammen mit Wohnungslosen aus anderen Einrichtungen des Herbergsvereins in Nachbarlandkreisen haben sie es geschafft, eine Mannschaft aufzustellen, die an einem Turnier teilgenommen hat.

Einen Tag lang haben sich Kopp und andere als Trainer schulen lassen. Da ging es zu Werder Bremen. Der Club begleitet ein Projekt unter dem Motto Straßenfußball. Sogar Bundesligaspieler Tim Borowski sei vorbeigekommen. Auf dem Platz gelten ein paar andere Regeln als sonst. So können die Mannschaften kleiner sein, und sie können ihre Spieler so oft austauschen wie sie wollen. Denn nicht jeder hat die Puste, um lange durchzuhalten.

Bereichsleiterin Daniela Faber, die beim Pressetermin zuschaut, meint, dass die Männer beim Fußball ein Stück „Normalität und Integration“ erleben: „Bei Turnieren geht es ums Spiel, nicht um die Frage: ,Wo kommst du her?'“

Nico, der heute als einziger gekommen ist, hängt die Sache tiefer: „Man sollte das nicht größer machen als es ist. Es ist einfach besser, als den ganzen Tag vor der Herberge zu sitzen und Bier zu trinken. Wir machen Sport, lachen, vergessen den Alltag. Wenn du einen schönen Pass spielst, freust du dich.“ Das sei schon eine ganze Menge, wenn man arbeitslos sei und kaum Perspektiven besitze. Der 29-Jährige, der seinen Nachnamen nicht nennen möchte, lebt seit neun Monaten in der Herberge. Fußball verbinde schnell, sagt er: „Hat jeder schon als Junge gespielt.“

Kopp und seine Kicker hoffen auf Unterstützung. Sie hätten für die kalte Jahreszeit gern eine Halle. Auch Schuhe und Trikots wünschen sie sich, selber können sich die Männer so eine Anschaffung nicht leisten. Im Moment laufen sie mit geliehenen Schuhen auf. Nico sagt: „Geht auch.“ Aber anders wäre es schöner.

Wer den Kickern vom Herbergsverein helfen möchte, erreicht Peter Kopp unter Tel.: 4 09 98 13.