Donnerstag , 29. September 2016
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Stadtarchiv macht Filmfans froh

sp Lüneburg. „Jahrelang lag der Super-8-Film bei uns im Schrank, und wir konnten ihn nicht abspielen. Jetzt hab‘ ich eine DVD, die ich jederzeit ansehen kann.“ Hedda Wegner freut sich über den Film von der Trauung ihrer Tochter in der Nicolai-Kirche Mitte der 80er-Jahre – und das Lüneburger Archiv freut sich mit, denn es darf den Film zum eigenen Fundus hinzufügen und künftig für Dokumentations- und Recherchezwecke verwenden. In modernen Unternehmen nennt man so etwas Win-Win. Fakt ist: Das junge Team des altehrwürdigen Archivs der Hansestadt hat mit seinem neuen Angebot der Digitalisierung von Filmmaterial einige Dutzend Lüneburger glücklich gemacht. „Einige kamen wirklich mit Einkaufstüten voller Kassetten und Filmrollen hier an“, sagt Danny Kolbe, stellvertretender Archiv-Leiter, „und gingen ganz bewegt mit ihren DVDs nach Hause, um sie am Abend anzusehen.“ Die Digitalisierungstage hatten jetzt Premiere, eine erste Wiederholung ist für Anfang November vorgesehen.

Hedda Wegner (71) aus Adendorf hatte sich auf einen LZ-Artikel hin sofort im Archiv angemeldet. „Ich konnte den Film von der Hochzeit meiner Tochter mit ihrem Mann, einem US-Amerikaner, nie richtig ansehen. Mein Schwager hatte ihn damals aufgenommen, aber wir hatten kein passendes Abspielgerät.“ Neben der Trauzeremonie zeigt der zwölfminütige Film auch die Feier im Garten mit inzwischen verstorbenen Verwandten, „und die Blumenkinder von damals sind längst erwachsen“, so Hedda Wegner über die für sie wertvollen Erinnerungen. Dass ihre privaten Aufnahmen aber auch für das städtische Archiv von Interesse sein könnten, hätte sie nie gedacht. „Wie, dafür interessieren Sie sich?“ Danny Kolbe bestätigt: „Das war tatsächlich die am häufigsten gehörte Frage während der Aktionstage.“ Er erklärt: „Die bewegten Bilder sind eine wichtige Ergänzung zu den übrigen Dokumenten wie Texten und Fotos. Es ist unsere hoheitliche Aufgabe, das zu dokumentieren und festzuhalten.“

„Manche Filme bilden ein Stück Alltagsleben ab, Kinder, die auf Höfen spielen, ein Familienausflug in den Vogelpark. Andere Filme zeigen den Abriss des Alten Eisenwerks oder schlicht, wie viele Menschen und körperliche Arbeit früher nötig waren, um eine Straße zu bauen“, sagt Susanne Altenburger, die im Archiv maßgeblich für dieses Projekt mit zuständig ist. Die Hochzeit der Tochter Hedda Wegners stelle für die Fachleute ein Stück alte Stadtansicht, aber auch ein Stück Kulturgut aus vergangener Zeit dar, so wie etwa der Film einer Einschulungsfeier in Lüne. Ungefähr 30 Stunden Filmmaterial hat das Archiv durch die Aktion hinzugewonnen, Filme aus den Jahren 1953 bis 2006.

Die Filme zu sichern, ist für das Archiv-Team nur der erste Schritt. Der nächste ist die detaillierte Auswertung. Dafür organisieren Kolbe und Co. noch eigene „Identifizierungsnachmittage“, um möglichst genaue Antworten auf Fragen festzuhalten wie: Wer ist zu sehen? Was war der Anlass? Was ist noch wissenswert? Eine, die dabei sicherlich mit gutem Erinnerungsvermögen und Spaß an der Sache zur Seite stünde, wäre Hedda Wegner. Sie hat dabei bereits eine schöne Überraschung erlebt. „Im Archiv lief an den Aktionstagen ein Film von der 100-Jahr-Feier meiner alten Mittelschule am Graalwall. Das muss 1956 gewesen sein. Wir Kinder haben dort einen holländischen Holzschuh-Tanz aufgeführt.“