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Russen hoffen auf Badewetter

sim Lüneburg. „Ischewsk 22“ heißt die russische Schule, seit 15 Jahren ist sie Partnerschule des Johanneums Lüneburg – und zu einer echten Partnerschaft gehören natürlich regelmäßige Besuche, also Schüleraustausche. Alle zwei Jahre fahren die Lüneburger nach Ischewsk, eine Stadt 1000 Kilometer südöstlich von Moskau gelegen, zuletzt 2012. Im Gegenzug besuchen die russischen Schüler jetzt die Hansestadt.

16 Austauschschüler sind schon seit dem Wochenende in Lüneburg, haben sich mit ihren Gastfamilien bekannt und bereits den ein oder anderen Ausflug gemacht. So wie die 16-jährige Ksenia Sannikova, sie geht in die zehnte Klasse der russischen Schule und war mit ihrer Gastfamilie schon im Heidepark Soltau: „Vor allem auf Berlin freue ich mich“, dorthin ist am Mittwoch ein Tagesausflug mit den Austauschschülern und deren Gastschülern geplant. An die Ostsee geht es auch. Ksenia hofft, dann baden gehen zu können: „Aber wenn das Wetter so bleibt, wird das wohl nichts.“ Der ebenfalls 16-jährige Kirill Uglanov war 2012 schon einmal in Lüneburg. Damals allerdings nicht nur zehn Tage, wie die Austauschschüler jetzt, sondern drei Monate. Diese drei Monate wurden ihm in Form eines Stipendiums vom Förderverein des Johanneums finanziert. Denn er war der Gewinner der „Deutsch-Olympiade“, die in Ischewsk als Qualifikation für den Austausch nach Lüneburg gilt. Dieses Verfahren soll bezwecken, dass nur gute Deutschsprecher mit nach Lüneburg kommen. „Sie müssen sich hier ja auch verständingen können.“, erklärt die russische Lehrerin Ludmila Wachruschewa. Denn im Mittelpunkt der Aktion steht die deutsche Sprache. „Unsere Schüler lernen seit der ersten Klasse Deutsch. Das heißt: Sie können die Sprache gut sprechen.“

Anders war es, als die deutschen Schüler und Lehrer 2012 in Ischewsk zu Besuch waren: „Es haben sich alle irgendwie mit Händen und Füßen verständigt“, schmunzelt Lehrer Thomas Wetzel. Er selbst spricht Russisch, er hatte es lange im Schulunterricht. Zum einen freute er sich, seine Sprachkenntnisse wieder aufzufrischen. „Aber vor allem ist die Gastfreundschaft der Familien in Russland einfach wundervoll. Die Familie hat dort einen viel höheren Stellenwert als in Deutschland.“

Der Abschied der Deutschen aus Ischewsk 2012 war tränenreich: „Wir hatten uns alle so lieb gewonnen und wollten gar nicht mehr weg“, beschreibt Maren Kufs, Lehrerin am Johanneum, die Szene am Bahnhof in Ischewsk.

Gisela Müller, eine ehemalige Lehrerin des Johanneums, hat die Austausche nahezu von Beginn an mitbetreut. Entstanden ist diese enge Partnerschaft durch die Initiative des ehemaligen Johanneum-Schulleiters Wolfgang Senne. Aus einer kleinen und privaten Aktion wurden viele regelmäßige und gegenseitige Besuche der Schule Ischewsk und des Johanneums. „Wir hoffen natürlich, dass das Projekt noch lange so weiterlaufen wird. Denn die Erfahrungen, die man bei diesem Austausch macht, sind einzigartig.“, meint Thomas Wetzel.