Mittwoch , 28. September 2016
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Ein Neubau in der Altstadt

ca Lüneburg. Bauen in der Altstadt, da denkt man in Lüneburg vor allem an das Restaurieren uralter Häuser. Doch es geht auch anders: Dr. Martin Schulz hat an der Ohlingerstraße ein wenig ansehnliches Gebäude gekauft, es im Juni mit Segen der Stadt abreißen lassen und baut nun auf einer schmalen, 123 Quadratmeter großen Fläche neu. 60 Quadratmeter Wohnfläche hatte das verschwundene Häuschen, knapp doppelt so viel, nämlich 110, soll der Neubau haben. Wenn alles gut läuft, soll das Haus Ende Oktober fertig sein.

Der Gießener Molekularbiologie hat familiäre Wurzeln in Lüneburg. In dem Vorgängergebäude lebte einst seine Patentante. „Ich wollte das Haus zuerst sanieren“, sagt der 44-Jährige. „Aber das wäre eine dauerhafte und teure Angelegen-heit geworden.“ Der Kriechkeller und die Wände seien feucht gewesen, der Platz gering. Die Investition hätte sich nicht gerechnet. Er habe sich für den Neuanfang und energetisches Bauen entschieden, also mit guter Isolierung und Fußbodenheizung. Weil der Keller verschwinden musste und kein Platz für eine eigene Heizungsanlage ist, wird an die Gasversorgung angeschlossen.

Im Rathaus sagt Suzanne Moenck: „Das Haus stand nicht unter Denkmalschutz und war nach Einschätzung der Fachleute nicht sanierungsfähig. Daher gab es keine Bedenken gegen Abbruch und Neubau.“ Der orientiere sich in seinen Ausmaßen, Bauart und Nutzung an umliegenden Häusern, die Grundfläche bleibt in etwa gleich. Doch es gibt Auflagen: „Da der Bauherr neben Baudenkmalen baut, hat unsere Bauverwaltung ihm aufgegeben, die Gestaltung von Fenstern, Gaube und Farbanstrich mit der Denkmalpflege vorab abzustimmen, auch dürfen nur bestimmte rote Dachziegel verwendet werden.“

Das Projekt hat Schulz und seinen Architekten vor einige Herausforderungen gestellt: Beim Abbruch habe das Nachbargebäude aus statischen Gründen abgefangen werden müssen. Auch hätte Schulz gerne einen halben Meter des Durchgangs zum Spielplatz und rückwärtigen Grundstücken dazugekauft, um sein Haus etwas anders anlegen zu können. Doch die Stadt habe dazu Nein gesagt. Auch darf er im Treppenhaus, das Haus zieht sich über drei Ebenen bis unters Dach, aus gestalterischen Gründen kein Fenster einbauen.

Manches erträgt Schulz mit einem Murren, weil „nicht jede Träumerei und Planung“ möglich sei. Doch er sagt auch: „Unterm Strich haben wir eine gute Lösung hinbekommen.“ Und: „Die Altstadt ist wunderschön, eine Möglichkeit zu haben, hier ein Haus und damit eine Lebensumgebung zu gestalten, ist von unschätzbarem Wert. Es wäre schön, wenn das neue Haus einen gefälligen Beitrag zur Bebauung der Oberen Ohlingerstraße leistet.“ Dankbar ist er seinen Nachbarn, die die Belastungen durch die Bauzeit hinnehmen und ihm sehr freundlich begegnen. Genau das mache einen großen Teil des Charmes der Altstadt aus: „Ich freue mich schon darauf, hier zu leben.“