Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Den genetischen Zwilling finden

lkö Lüneburg. Daniela Krüger überreicht ihren drei Kolleginnen einen Anstecker. Er ist rot und hat die Form eines Puzzleteils. „Jeder von uns ist ein Puzzleteil. Zusammen ergeben wir ein Ganzes“, sagt sie lächelnd. Gerade haben Franziska Welz, Birgit Heinze und Julia Buchmann an der Typisierungsaktion teilgenommen, die gestern im Huldigungssaal des Lüneburger Rathauses stattfand. Mit einem Wattestäbchen haben sie sich Wangenschleimhaut entnommen. Der Abstrich wird zusammen mit ihren Daten an die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) verschickt. Diese Typisierung kann Leben retten.

Das weiß Daniela Krüger aus erster Hand. Die Personalratsvorsitzende der Stadt Lüneburg ist 2009 selbst an Leukämie erkrankt. Nach zwei Hochdosis-Chemotherapien erhielt sie eine Stammzellenspende ihrer Schwester. „Ein Drittel der Erkrankten haben Glück und finden einen Spender in der Familie“, erzählt sie. Der Rest ist auf andere Spender angewiesen. Dabei sei die Wahrscheinlichkeit oft sehr gering, einen geeigneten Stammzellenspender zu finden. „Über 8500 Merkmale müssen übereinstimmen. Das ist fast wie ein Lottogewinn“, weiß Krüger. Es sei deshalb wichtig, dass sich so viele Menschen wie möglich typisieren lassen. Das haben gestern 50 Mitarbeiter der Stadtverwaltung getan. Ermöglicht hat das die Restcent-Aktion der Stadt Lüneburg. Das monatliche Nettogehalt der Mitarbeiter wird jeweils auf den nächsten glatten Betrag abgerundet, so kommen einige Cents zusammen, die dann gespendet werden. „Ein Teil des Betrags ging diesmal an die DKMS. Aber wir wollten das mit einer Typisierungsaktion verbinden“, so Krüger.

Für Julia Buchmann war klar, dass sie sich typisieren lässt: „Ich habe die Erkrankung von Frau Krüger miterlebt. Hat man selbst einen Fall in der Familie, will man schließlich auch einen Spender finden.“ Auch für Franziska Welz war es selbstverständlich, an der Aktion teilzunehmen: „Wenn man mit einem Wattestäbchen Menschenleben retten kann, sollte man das auf jeden Fall tun.“

Bei Welz und Buchmann wird bald eine Registrierungsbestätigung ins Haus flattern. „Kommen Sie für eine Spende infrage, werden Sie benachrichtigt. Es gibt einen weiteren Abstrich und eine ärztliche Untersuchung“, sagt Krüger. Dann muss sich der Spender schriftlich verpflichten zu spenden. Jetzt zählt jede Minute, weiß Krüger: „Der Patient wird vorbereitet und ist ohne die Stammzellenspende nicht mehr lebensfähig.“ Die Spende sei anonym. Nach zwei Jahren ist es aber möglich, seinen genetischen Zwilling zu treffen, wenn beide einverstanden sind.