Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Bistum setzt den Rotstift an

rast Lüneburg. Die Gemeindereferentin Wika Posniak verlässt die Lüneburger St.-Marien-Gemeinde und wechselt auf die freie Stelle in Uelzen. Ihr Posten in Lüneburg wird definitiv nicht wieder besetzt. Hauptberufliche Mitarbeiter kosten Geld, und das Bistum muss sparen. Der Rotstift wird auch bei den Kirchengebäuden angesetzt, von denen im Dekanat Lüneburg manche von der Schließung bedroht sind. Viele Katholiken befürchten, dass die Kirche sich aus dem ländlichen Raum zurückzieht. Um den besten Weg zu finden, sucht die Bistumsleitung immer wieder den Dialog mit der Basis.

Im 2012 begonnenen Dialogprozess besucht die Bistumsleitung – das sind der Generalvikar und die Bischöfe – die Dekanate. Jetzt war Generalvikar Dr. Werner Schreer, Leiter der Kirchenbehörde des Bistums Hildesheim, zu Gast in St. Stephanus, wo er mit Mitgliedern aus 13 Kirchorten diskutierte, die zu den vier Pfarreien des Dekanates Lüneburg gehören. Er brachte auch eine gute Nachricht mit: „Jedes Jahr werden zwei neue Gemeindereferentinnen eingestellt, sodass die in dieser Berufsgruppe entstehenden Lücken wieder geschlossen werden können.“ Die dritte Stelle hier in St. Marien wird zwar nicht wiederbesetzt, sollten allerdings die zurzeit als Gemeindereferntinnen tätigen Martina Forster und Jutta Segger ausscheiden, werden deren Posten nachbesetzt.

Mehr als 40 Katholiken aus dem Dekanat hatten sich in Arbeitsgruppen zusammengesetzt und anschließend ihre Wünsche und Ideen für die Zukunft der katholischen Kirche präsentiert. Zwei Themen brannten den Christen dabei unter den Nägeln: die befürchtete Schließung der zur Bleckeder Pfarrei gehörenden Kirche „Mariä Himmelfahrt“ in Neuhaus und die zunehmende Zahl von Aufgaben, die Ehrenamtliche übernehmen sollen. Eine mangelnde Begleitung des Ehrenamtes angesichts der Befürchtung, dass es in 20 Jahren keine hauptberuflichen Laienmitarbeiter mehr geben würde, sei abzusehen. Der Generalvikar sagte, dass er wirtschaftlich solide arbeiten müsse, um eine gute Seelsorge ermöglichen zu können. Die Finanzlage des Bistums sei nicht so gut, dass man zusätzliches Personal einstellen könne. Aber er teile auch die Sorge, in 20 Jahren noch junge Leute für kirchliche Berufe finden zu können.

Aktuell geht es beim Dialogprozess um die Fragen: Wofür sollte Kirche da sein? Wie antwortet Kirche auf die Bedürfnisse der Menschen? Wo sollten alle in der Kirche mutiger die Botschaft Jesu leben? Auf die erste Frage antworteten zwei Jugendliche stellvertretend für ihre Arbeitsgruppe: Kirche soll Zeit haben und ein menschliches Gegenüber sein; Kirche soll offen sein für „Randgruppen“ und auf diese zugehen; sie soll jedem die Zusage Gottes geben, „du bist wertvoll“.

Eine andere Arbeitsgruppe beklagte die Schließung kleiner Kirchen, die von den Menschen vor Ort als religiöser Zufluchtsort geschätzt würden. Es sei weltfremd, auch in Zukunft ein lebendiges Gemeindeleben zu erwarten. Dr. Werner Schreer wies auf die notwendige lokale Kirchenentwicklung hin, bei der man von Bistümern wie Linz und Poitiers lernen wolle. Und der Gemeindeberater und Moderator Peter Paul König ergänzte: „Ich habe erlebt, dass das Gemeindeleben trotz Kirchenschließung lebendiger wurde.“

Für zwei Arbeitsgruppen ergaben sich die Forderungen: Mutig vom Glauben zu reden, teilen zu lernen und die Ökumene nicht aus dem Blick zu verlieren. Der Vertreter der Bistumsleitung griff das Stichwort Mut auf und zitierte die Meinung auch vieler Medienvertreter zum neuen Papst Franziskus: „Der hat keine Angst. Der steht für das, was er für richtig hält und beantwortet auch kritische Anfragen.“