Mittwoch , 28. September 2016
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Heizung aus vollem Rohr

ca Lüneburg. Schon der römische Kaiser Vespasian wusste, dass man mit Latrinen Geld verdienen konnte, auf ihn geht der Ausspruch „Geld stinkt nicht“ zurück. Auf andere Art und technisch anspruchsvoll nutzen nun das neue Museum und die Abwassergesellschaft (AGL) die Kanalisation – zum Heizen. Fachleute setzen jetzt Wärmetauscher in die Rohre ein. Einfach gesagt, hilft die Technik, das Museum im Winter zu erwärmen und im Sommer zu kühlen.

Inklusive Sanierungsarbeiten an den alten Rohren lägen die Kosten der Arbeiten bei rund 190 000 Euro, sagt Klaus Niemann, der bei der AGL für den Kanalbau verantwortlich ist. Gemeinsam mit Tobias Bergmann von bluesenergy, von dessen Firma die Technik stammt, geht er davon aus, dass sich rund 50 Prozent der Energie einsparen lassen und sich die Ausgabe nach sieben bis acht Jahren amortisiert hat – je nachdem, wie sich die Strompreise entwickeln.

Solche Energiequellen können nicht überall genutzt werden. Am Museum spielen mehrere Voraussetzungen zusammen: Die Rohre liegen nur zweieinhalb Meter vom Gebäude entfernt, sie haben einen Durchmesser von 80 Zentimetern, sodass die Module, die insgesamt 45 Meter lang sind, genug Platz haben, am Boden des Rohres zu liegen und überspült zu werden. Denn hier läuft reichlich Abwasser zusammen, nämlich aus Kaltenmoor und vom Bockelsberg.

Die Temperatur des Abwassers schwankt übers Jahr zwischen 12 und 20 Grad, in Lüneburg wird von einem durchschnittlichen Wärmegrad von 18 Grad ausgegangen. Der Wärmetauscher ist mit einer Medium-Flüssigkeit gefüllt. Im Anschluss daran wird ein Verdichter montiert, der zieht sich in kühleren Jahreszeiten ein oder zwei Grade raus und der Verdichter bringt es auf die gewünschte Betriebstemperatur für das Museum. Und im Sommer läuft’s umgekehrt. Aus dem Gebäude können ein bis zwei Grad herausgezogen und ins Wassernetz eingespeist werden – das kühlt dann das Museum.