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Geheime Pfade unter der Stadt

ca Lüneburg. In Lüneburg wird seit Generationen von einer unterirdischen Verbindung gemunkelt: Ein Gang soll Männer aus dem Kloster unter der Burg am Kalkberg über einen Pfad d’amour zum Kloster Lüne geebnet haben. Die Mär, seit Generationen immer wieder gerne erzählt, ist eine Sage. So schön abenteuerlich es auch klingt, Kenner der Stadtgeschichte geben keinen Pfifferling dafür. „Der Gang hätte kilometerlang sein müssen“, sagt Stadtarchäologe Dr. Edgar Ring: „Auch hätte man sich metertief unter der Ilmenau hindurch graben müssen.“

Geschichten von menschlichen Maulwürfen finden sich in vielen mittelalterlichen Städten, Lüneburg bildet da keine Ausnahme. Mancher weiß von Gängen an der Altenbrückertorstraße, andere wissen von geheimen Verbindungen rund um den Markt. Fantasie, da plätschert es nur in der Kanalisation aus dem 19. Jahrhundert. Doch es gab im Zweiten Weltkrieg, als Menschen vor den Luftangriffen nach unten flüchteten, Verbindungen zwischen Kellern der Häuser. Alte Lüneburger erzählen von Zugängen zum Bunker unter dem Platz Am Sande. Dieser Bunker ist vor Jahren mit dem Umbau des Ovals verschwunden.

Wenn sich auch kein verborgenes Netz findet, so bestanden und bestehen durchaus Wege in der Tiefe. Der Architekt und Historiker Franz Krüger hat Anfang des 20. Jahrhunderts davon berichtet. So stürzte im August 1900 an der „Rothenstraße, da, wo die Ritterstraße einmündet, ein Stück Straßenpflaster nach unten. Beim Aufgraben fand sich ein unterirdischer Gang, der zweifellos dem Verkehr von Menschen gedient hat“. 1,80 Meter hoch und 1,50 Meter breit soll das Gewölbe gewesen sein.

Zwei Jahre später fand sich vermutlich das Gegenstück dazu, und zwar am Lambertiplatz in Höhe Wallstraße. Auch diese Röhre war aus Backstein gemauert und mit Findlingen verstärkt worden. Der Gang schlug einen Haken in Richtung Sülztorstraße, er neigte sich: Schlängelte er sich an einer Stelle zwei Meter unter dem Boden entlang, so waren es ein Stück weiter drei Meter. Die Verbindung, die Arbeiter verschlossen, erlebte 1957 und in den 80er- Jahren eine Wiederentdeckung bei Kanalarbeiten. Doch ob die Röhre ein Mausloch für Gäste, die man unerkannt empfangen wollte, oder Teil einer Entwässerung war, da gehen die Meinungen auseinander.

Ohne Tore, Mauern und Wälle zu passieren, gelangten Boten an anderer Stelle in die Stadt und zwar Hinter der Bardowicker Mauer. Als dort ein mittelalterlicher Bau, der Marstall, abgerissen und die Staatsanwaltschaft in den 70er- Jahren an der Burmeisterstraße neu gebaut wurde, fanden Handwerker ungewollt eine Poterne, also eine Nebenpforte und Einlass.

Curt Pomp, Vorsitzender des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt, berichtet davon in einem ALA-Heft. Damals brach ein Bagger in einen „wasserlosen Brunnen“ ein. Doch später stellte sich heraus: In 2,50 Meter Tiefe zog sich ein Gang zur Bardowicker Mauer, Pomp schätzt dessen Länge auf 70 Meter. Dieses Stück gemauerter Vergangenheit ist längster verschwunden, damals plädierte wie so oft in der Lüneburger Abriss-Geschichte kein Stadtbaurat für einen Erhalt des historischen Schatzes.

Dass die Lüneburger sich darauf verstanden, Gänge anzulegen, ist klar. Denn für die Soleförderung bohrten sie an der Saline Schächte in den Boden, um den Solestrom abzuschöpfen. Mit der Salzgewinnung hat auch die Graalfahrt zu tun. Auch ihr Eingang findet sich Hinter der Bardowicker Mauer. Zwischen zwei Häusern zieht sich über mehr als zwanzig Meter eine Röhre unter dem Wall des Liebesgrunds. Dort lag einst eine Solequelle, die Fahrt diente den Knechten als Arbeitsweg.

So bleiben die Tunnel der Liebe eine schöne Episode. Eine, die immer wieder zum Träumen einlädt.