Donnerstag , 29. September 2016
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Fürs Testament werden Kinder zu Kidnappern

lz Lüneburg. „Mündliche Versprechen sind nur Schall und Rauch, also völlig unverbindlich“, klärte Albert Paulisch die rund 300 Zuhörer auf. Der Direktor des Amtsgerichts Winsen referierte zum Abschluss der 8. Lüneburger Erbrechtstage in Hörsaal 1 der Leuphana Universität. Die unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Ulrich Mädge stehende und von Landeszeitung, Volkshochschule und Volksbank unterstützte Vortragsreihe wird von dem Lüneburger Notar und Fachanwalt für Erbrecht Michael Semrau für das Deutsche Forum für Erbrecht e.V. seit 1999 organisiert. Wie man Testamente richtig macht, das war Thema des Vortrags zum Erbrecht: „Das erben alles mal . . .“.

„Wie viel ein Kind erbt, ist beispielsweise bei einer Patchwork-Familie und gesetzlicher Erbfolge reiner Zufall“, weiß Albert Paulisch. Hat jeder Ehepartner ein Kind mit in die Ehe gebracht und hat jeder Ehepartner Vermögen von 200 000 Euro, erbt ein Kind bei gesetzlicher Erbfolge bei Tod beider Ehepartner 100 000 Euro, das andere Kind 300 000 Euro. Sterben die Ehepartner in anderer Reihenfolge, erbt jetzt das eine Kind 300 000 Euro, das andere 100 000 Euro. Beides ist ungerecht. „Wer das nicht will, muss ein Testament machen“, rät Paulisch. Tipp des Experten: „Wichtig ist, den Erben zu bestimmen. Wer nur Gegenstände verteilt, verursacht Ärger und Streit.“

Ein Testament kann man jederzeit widerrufen. „Aber Vorsicht“, warnt Paulisch: „Das gilt nicht bei einem gemeinschaftlichen Testament nach dem Tod eines Ehepartners. Dann scheidet ein Widerruf aus. Sind die Kinder als Erben des länger lebenden Ehepartners bestimmt, kann dieser daran gebunden sein. Eine Änderung ist dann nicht möglich.“ Gerichtsdirektor Albert Paulisch weiß: „Das kann sehr belastend sein, etwa wenn der Längerlebende wieder heiratet und dem neuen Ehepartner etwas vererben will. Das geht bei bestehender Bindung nicht.“

Wer nicht rechtzeitig bei guter Gesundheit und klarem Verstand sein Testament macht, dem droht im Alter eine besondere Gefahr, Albert Paulisch kennt solche Geschichten: „Seine Kinder und Enkel werden ihn abwechselnd kidnappen und zur Errichtung eines Testamentes zugunsten des jeweiligen Kidnappers drängen.“ Der Tipp des Experten: „Wer das vermeiden und seinen Lebensabend in Ruhe verbringen will, sollte beizeiten und mit fachlichem Rat sein Testament machen.“

Für streitsüchtige Erben hatte Paulisch einen abschließenden Tipp: „Das Erbe als Geschenk betrachten. Dann sieht man alles gelassener.“