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Wenn das Herz versagt

mm Lüneburg. Herzstillstand. Menschen deren wichtigstes Organ augenblicklich aufhört zu schlagen, haben eine kleine Überlebenschance. Aber sie steigt, wenn in den ersten sieben Minuten entschieden gehandelt wird. Hierfür braucht es Laien, die sich trauen, eine Herzdruckmassage als Reanimation durchzuführen. Dafür wirbt die Notfallmedizinische Fachgesellschaft im Rahmen ihrer Aktionswoche zum Thema „Wiederbelebung“. Auch am Klinikum in Lüneburg beteiligen sich Ärzte an der Info-Kampagne.

Zuständig für lebenserhaltende Maßnahmen ist Dr. Thorsten Zeng. „Sieben Prozent der Menschen im Landkreis Lüneburg sind derzeit für die Laienreanimation geeignet“, sagt der ärztliche Leiter des Rettungsdienstes. Sie hätten eine Schulung durchlaufen und könnten ihr Wissen anwenden. Das sei ein kritischer Wert, wenn man bedenke, dass durch „Laienreanimation“ die Überlebensrate von zehn auf 18 Prozent erhöht werden könnte. Um die Quote zu verbessern, würden vom Klinikum geeignete Maßnahmen unterstützt. So müssten unter anderem Schulen in die Pflicht genommen werden, Erste-Hilfe-Kurse anzubieten.

Erfolgversprechend sei auch die sogenannte „Telefonreanimation“: Einsatzleitstellen können Ersthelfern Anweisungen per Telefon geben, bis die Rettungskräfte eintreffen. „Da sind wir dran“, sagt Zeng. Gleichzeitig sollten Angehörige von Risikogruppen gezielt in Wiederbelebung geschult werden. Prof. Christian Frenkel, Chefarzt für Anästhesiologie ergänzt: „Mit geringem gesundheitspolitischen Aufwand kann man hier viel erreichen.“ Die Narkoseärzte stellen mit 60 bis 70 Prozent den größten Anteil an Notfallmedizinern.

Wiederbelebung bedeute nicht unbedingt eine Mund-zu-Mund-Beatmung. Noch wichtiger sei die Herzdruckmassage, um den Herzschlag zu ersetzen und das Gehirn mit Sauerstoff zu versorgen. „Im Idealfall versuchen Ersthelfer beides“, erklärt Dr. Frenkel. Falsch machen, könne man bei einem klinisch toten Menschen nichts. Die Scheu müsste ein Helfer nur erst einmal verlieren.

Das Städtische Klinikum gehört bereits zu den Top 3 unter den deutschen Krankenhäusern bei der Reanimations-Rate. Als Beleg dienen Überlebenszahlen. 2005 haben fünf Wiederbelebte nach einem Jahr noch gelebt, 2011 waren es zehn. Die Anzahl der Reanimationen betrug im Jahr 2004 noch 48, acht Jahre später waren es schon 111. „Die Daten präsentieren wir Mitarbeitern am Anfang des Jahres – das motiviert“, sagt Chefarzt Frenkel. Es sei eine positive Entwicklung, die aber weitergehen müsse. Jeder könne Menschenleben retten. Wie eine Herzdruckmassage funktioniert, können sich Interessierte am Mittwoch, 18. September, von 9 bis 14 Uhr auf der Grapengießerstraße vor dem Gebäude der Industrie- und Handelskammer erklären lassen. Prof. Frenkel und Dr. Zeng werden vor Ort sein. Beim Rettungsdienst besteht zudem ein fortlaufendes Kurs-Angebot zur Reanimation, zu dem Interessierte jederzeit eingeladen sind.