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Einbrechertour durch Rathauskeller

ca Lüneburg. Der Nieselregen war nicht schön, aber auch nicht so wichtig, Schirm, die passende Jacke und derbe Schuhe – auf geht’s in die Museumsnacht. Start soll die wuchtige Baustelle an der Willy-Brandt-Straße sein, am Museums-Rohbau drängen sich da schon mehr als 400 Neugierige, die den Neubau entdecken wollen. Nach dieser Premiere steuern am Sonnabend, 14. September, Aberhunderte die anderen Häuser an, die sich mit Witz präsentieren.

Im Ostpreußischen Landesmuseum lassen Herr Könnig und Matthias Moldenhauer alte Schlager erklingen, gleich nebenan im Brauerei-Museum hören nicht nur Biertrinker gerne zu, wie hier seit 1485 Lüneburger Kronen-Bier gebraut wurde. Weiter zum Salzmuseum. Da lockt nach dem Bier die nächste Stärkung: geräucherte Wurst. Doch viel mehr interessiert natürlich, wie Ekhard Ninnemann in weißer Kutte Sole in einer großen Pfanne siedet – das Weiße Gold des Mittelalters, dem Lüneburg seinen Reichtum verdankte. Der pensionierte Lehrer erklärt die Geschichte auch gern auf Plattdütsch.

Kurz zum Wasserturm, der wieder einmal schön illuminiert leuchtet und einen Blick auf die nächtliche Hansestadt werfen. Regenverschleiert liegt sie da.

Nächste Station, das Rathaus. Das dürfen vor allem Kinder entdecken. Und die gehen auf Schatzsuche. Herzog Magnus, dessen Herrschaft die Lüneburger 1371 abgeschüttelt haben, musste den Lüneburgern, so lautet die Geschichte heute Abend, 20 000 Taler überlassen. Die will Axel Berning, der sonst als Stadtführer, nun aber als Einbrecher arbeitet, mit den Mädchen und Jungen finden. Im Schein von Taschenlampen geht es durch tiefe Keller, finstere Gänge, vorbei – pscht! – an den Wachen und über knarzende Treppen in den Fürstensaal. Findet der Gauner-Nachwuchs den Schatz? Das lassen wir offen. Denn Judith Peters von der Marketinggesellschaft, die 750 verkaufte „Gauner-Tickets“ zählte und einige abweisen musste, will bald neue Unterwelt-Ausflüge anbieten.

Weiter, vielleicht mit dem Shuttle-Service. Denn die Feuerwehr zeigt im Lünepark mit ihrem Magirus-Koloss, Baujahr 1957, wie sie einst löschte.

Alles sehr aufregend. Nun tut Stille gut. Im Kloster Lüne und in der Kirche flackern Kerzen. Im Kreuzgang und der Eingangshalle hallt nur das Plätschern des Brunnens. Mancher bleibt stehen und hält inne. Der Lärm um die Dinge ist weit weg, es wirkt ein bisschen, als befände man sich in einer anderen Zeit. Ein guter Schlusspunkt.