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Ohio liegt an der Ilmenau

uk Lüneburg. Die Zeremonie war so feierlich, dass Stephanie Schönau für einen kurzen Moment die Stimme versagte. Doch rasch fasste sich die Bootspatin wieder: „Ich taufe Dich auf den Namen Ohio“, verkündete die 20-Jährige mit lauter Stimme. Und Daniela-Maria Steffens (25) verlas den Taufspruch: „Drache erwache und flieg von Sieg zu Sieg, wir wünschen Dir viel Glück dafür.“ Blumen, Girlanden und der obligatorische Sekt fehlten nicht bei der Taufe des ersten Lüneburger Drachenboots. Nach der asiatischen Zeremonie auf dem Gelände des Ruderclubs Wiking startete die „Ohio“ zur Jungfernfahrt auf der Ilmenau – und machte dort richtig Tempo: „Das ist völlig anders als rudern“, meinte Reinhard Krüger vom Ruderclub, „aber es macht auf jeden Fall richtig Spaß.“

Mit der feierlichen Bootstaufe fand ein Projekt seinen Abschluss, das im vergangenen Jahr in der Jugendwerkstatt Lüneburg seinen Anfang genommen hatte. Bootsbauer Carl Friedrich von Schack, der in der Werkstatt von job.sozial mit jungen Arbeitslosen bereits die am Stint liegenden Salz-Ewer und den Prahm gezimmert hatte, fand, dass Lüneburg auch ein Drachenboot gebrauchen könnte. Mit Thomas Pehl von der Firma Nordson war ein Sponsor zur Stelle, der sich bereit erklärte, das Projekt zu finanzieren. Über den Stadtjugendring wurde die Verbindung zum Ruderclub Wiking geknüpft, in dessen Bootshaus an der Ilmenau das Drachenboot nun seinen „Heimathafen“ hat. „Für das Projekt haben einfach die Richtigen zusammen in einem Boot gesessen“, freute sich von Schack über die erfolgreiche Zusammenarbeit.

Genauso Hand in Hand waren die Holzarbeiten an dem zwölf Meter langen Boot von den Jugendlichen erledigt worden: „Wir haben die Paddel, das Ruder, die Sitze, den Trommlerstuhl und viele Kleinteile selbst gebaut“, zählt Stephanie Schönau auf. Nur die Rumpfschale aus Kunststoff wurde in einer Spezialwerft angefertigt. „Damit ist das Boot jetzt wettkampftauglich“, erklärt von Schack. Daniela-Maria Steffens ist besonders stolz auf den leuchtend grünen Drachenkopf: „Der ist nach unseren Ideen entstanden, und deshalb hat er jetzt ein Piercing“, verrät die junge Bootsbauerin mit einem Zwinkern.

Vermarktet wird das Lüneburger Drachenboot über die Internetseite fitwerft.de. „Gruppen, Vereine oder Firmen können sich das Boot ausleihen, die Erlöse fließen wiederum an den Ruderclub für die Instandhaltung“, erklärt Geschäftsführer Niels Teichmann das Prinzip. Für Pehl ein Beispiel, das Schule machen sollte: „Das Boot ist Sinnbild dafür, dass die Jugendlichen an einer Sache drangeblieben sind“, sagt der Nordson-Geschäftsführer. Er hofft auf Nachahmer für den Bau weiterer Boote: „Das könnte der Beginn einer Drachenbootkultur in Lüneburg sein.“