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Überstunden für die Wahl

mm Lüneburg. Für Bewohner des Kreidebergs ist es seit längerem ein Mysterium. Sie wundern sich, warum sie noch immer keine Benachrichtigungen zur Bundestagswahl am Sonntag bekommen haben. Die Post kam bislang einfach nicht an. Grund: Ein Zusteller hatte an die 1000 Benachrichtungen veruntreut. Nun springt der Lünebote ein. Jens Vasicek und seine Kuriere haben am Mittwoch den Auftrag bekommen: Es geht um die Auslieferung von 6500 Briefen.

„Wir mussten feststellen, dass im Stadtgebiet Kreideberg an die 1000 Wahlbenachrichtigungen ihre Empfänger nicht erreicht haben“, sagt Stadtpressesprecherin Suzanne Moenck. Nun wolle man die Bürger informieren, dass sie auch ohne Wahlbenachrichtigung am Sonntag ihre Stimme abgeben können. Da nicht umfassend geklärt werden konnte, welche Bezirke von fehlender Wahlpost betroffen waren, habe man zum Rundumschlag ausgeholt und 6500 Informationsschreiben verschickt.

Drei Tage herrscht beim Lüneboten deswegen Hochbetrieb. „Wir müssen Überstunden machen und unsere Logistik für das Stadtgebiet komplett umstellen“, sagt Vasicek. Am Kreideberg wären zu Normalzeiten ein oder zwei Zusteller im Einsatz – jetzt sind es fünf. Eine Herausforderung für die 38-köpfige Mannschaft. Doch es ist nicht nur die schiere Masse. „Für manche Häuser haben wir keinen Schlüssel und kommen so nicht immer an die Briefkästen.“ Hier müsse man sich mit den Boten der Deutschen Post abstimmen. Für Vasicek ist unerklärlich, wie die Wahlbenachrichtungen überhaupt verschüttgehen konnten. Ein Anruf bei der Post AG, die mit der Zustellung betraut war, bringt Klarheit. Im Bereich Kreideberg habe es einen „äußerst unzuverlässigen Zusteller mit krimineller Energie“ gegeben, so die Aussage eines Sprechers. Dieser würde nun wegen Postunterdrückung straftrechtlich verfolgt, nachdem die Post Anzeige erstattete. Die Zusammenarbeit habe man umgehend eingestellt.

Was für die einen ein Ärgernis, ist für die anderen auch ein Segen. Beim Lüneboten freut man sich trotz der Strapazen über den Auftrag. „Für uns ist das natürlich positiv“, sagt Vasicek. Warum die Stadt aber nicht früher auf ihn zugekommen sei, verstehe er nicht. Für die nächste Oberbürgermeisterwahl hofft Vasicek nun wieder auf einen solchen Großauftrag.