Donnerstag , 8. Dezember 2016
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Zurück in das Mittelalter

ca Lüneburg. Wenn jemand der Marketenderin Heike Albertsen zu nahe tritt, ihr gar Ware aus den Körben stehlen will – dann spielt der üble Kerl mit seinem Leben. Denn ihre Begleiter Bernd Karla und Sintram der Barde, der bürgerlich Gregor Seidelmeier heißt, zücken ruck, zuck Schwert und Axt. Die beiden sind im Umgang mit den Waffen sehr erprobt, es kann also ein böses Ende für so einen Gauner nehmen. Nun, Gottlob, geht’s gesittet und friedlich zwischen den Ständen vor St. Johannis zu. Mit dem Markttreiben startete Lüneburg gestern in die Sülfmeistertage, bis Sonntag begibt sich die Hansestadt auf eine Zeitreise in die Vergangenheit, das erste Kopefest Lüneburgs, Vorbild für das Spektakel, wird 1472 erstmals erwähnt.

Am Samstag, 5. Oktober, wird es nun ernst. Ein Dutzend Mannschaften tritt von 10.30 Uhr an, um bei Wettkämpfen zu ermitteln, welche Truppe in diesem Jahr den Sülfmeister, also den Salzmeister, stellen darf. Neu bei den Herausforderungen sei der Bau einer Soleleitung und das Stintewerfen, erzählt Mirco Wenzel, der die Veranstaltung für die Marketing Gesellschaft maßgeblich organisiert hat. In zwei Runden treten die Teams gegeneinander an, das Halbfinale und das Finale beginnen um 17.30 beziehungsweise 18 Uhr. Die Mannschaften messen sich dann im Fassrollen. Gegen 18.45 Uhr soll feststehen, wer als Sülfmeister die Huldigung des Volkes entgegennehmen darf. Morgen, Sonntag, wird der große Festumzug Höhepunkt des Tages werden. Von 15 Uhr an marschieren rund 60 Gruppen und Vereine mit bis zu 1500 Teilnehmern von den Sülzwiesen kommend am Lambertiplatz und Rathaus vorbei zum Sand. Auf der Bühne dort wird der neue Sülfmeister stehen und dem ihm zu Ehren abgehaltenen Umzug seine Gunst erweisen. Um 19 Uhr soll traditionsgemäß das Kopefass verbrannt werden.

Neben dem großen Programm lohnt der Markt an der Kirche einen Besuch. Dort können Besucher Schmuckmachern und Bäckern bei ihrem Handwerk zuschauen, sie können sich einfangen lassen von der eigentümlichen Musik der Gruppe Schabernack, oder sie blicken staunend dem Jongleur-Duo Pappenstyl zu. Viele von den Händlern und Künstlern treffen sich immer wieder, ans Mittelalter angelehnte Spektakel erfreuen sich großer Beliebtheit. Fast jedes Wochenende läuft irgendwo im Norden so ein Fest.

Heike Albertsen, die in Sachsen geboren wurde und nun in Nordfriesland zu Hause ist, erzählt, dass sie mit ihren Waren in einer Saison rund 15 Märkte besucht: „Andere, die allein davon leben, sind auf 30 Festen dabei und besuchen im Winter noch über Wochen einen Weihnachtsmarkt.“

Das Angebot der Händler ähnelt sich: Schmuck, Tücher und Schals, Lederwaren und vor allem viel Essen, dass mit angeblicher Historie gewürzt ist. Falafel, also frittierte Bällchen aus Bohnen- oder Kichererbsenpüree, dürften um das Jahr 1500 – wenn überhaupt – nur Kreuzfahrern bekannt gewesen sein, denn sie stammen aus Arabien. Auch Pommes frites fanden sich erst sehr viel später in Europa auf dem Speiseplan. Sie stammen aus Südamerika, Christoph Kolumbus kam bekanntlich erst 1492 in der Karibik an und erst einer seiner Nachfolger brachte die Kartoffel aus der Neuen in die Alte Welt. Aber wirklich wichtig ist das nicht – das Drumherum des Marktes macht einfach Spaß.

One comment

  1. Sülfmeistertage 2012 + Strg+C = Sülfmeistertage 2013!!!!!