Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Startschuss für Projektlabor
3613128.JPG

Startschuss für Projektlabor

ahe Lüneburg. Hinter Jens Mysliwietz liegen einige Nachtschichten. Seit etwas mehr als einer Woche geht er nur noch zum Schlafen nach Hause. Die übrige Zeit verbringt der Student im Scharffschen Haus an der Heiligengeiststraße, bohrt, sägt, streicht und erledigt all das, was sonst noch alles anfällt im neuen Übergangsdomizil. Er ist nicht der einzige fleißige Handwerker, mit seinen Kollegen des Vereins „Zum Kollektiv“ bringt er einen neuen Treffpunkt für Kunst- und Kulturschaffende in Lüneburg auf Vordermann. Heute werden die Räume mit einer Ausstellung eröffnet.

Vor einem Jahr ist der Verein aus einer studentischen Initiative entstanden. Die Idee: Ein Forum bieten für Künstler, die sich mal einem Publikum präsentieren wollen und einen Marktplatz schaffen, auf dem sich Lüneburger regelmäßig austauschen können. In einem Mitmach-Ladencafé an der Lünertorstraße wurde die Idee im Dezember Realität – allerdings nur für wenige Monate. Im Sommer – ohne festes Domizil – war der aktuell etwa 20 Mitglieder zählende Verein jedoch nicht untätig, veranstaltete unter anderem ein Stadtteilfest am Behördenzentrum an der Bleckeder Landstraße.

Für die kalte Jahreszeit suchten die Kollektiv-Leute wieder einen möglichst kostengünstigen Raum für ihre Veranstaltungen – und wurden beim Ostpreußischen Landesmuseum fündig. Das plant einen Umbau, der Haupteingang soll an die Heiligengeiststraße verlegt werden – zum dortigen Scharffschen Haus. Die 150 Quadratmeter im Erdgeschoss wurden zuletzt für Ausstellungen genutzt und stehen nun dem Verein für drei Monate zur Verfügung. Den Umbau erledigen die Mitglieder selbst, sie müssen nur für Strom, Heizkosten und Versicherungen aufkommen. Sie haben eine Bühne und eine Theke gebaut, für frische Farbe und Sitzgelegenheiten gesorgt. Heute um 19 Uhr können sich Besucher ein Bild von ihrer Arbeit machen. Die Ausstellung „City of Broken Furniture“ von Kerstin von Gabain, eine Kooperation mit der Uni im Rahmen der Startwoche, eröffnet die neuen Räume. Zu sehen gibt es eine Woche lang ehemalige Möbelstücke, die zu Kunstobjekten umgearbeitet wurden.

„Wir wollen aber nicht nur die Studenten erreichen, sondern sind offen für alle Gruppen in Lüneburg“, sagt Paul Seegers. „Jeder, der Lust hat, kann bei uns mitmachen.“ In den neuen Räumen sind neben Ausstellungen Konzerte, Podiumsdiskussionen, Theateraufführungen und Tatort-Abende geplant. Die Öffnungszeiten sollen sich den jeweiligen Formaten anpassen. Der Verkauf von Getränken liefert neben Spenden und einigem für das Projekt schon eingeheimsten Preisgeld die finanzielle Basis für die Veranstaltungen, die Vereinsmitglieder sind allesamt ehrenamtlich aktiv. „Wir wollen kein Geld verdienen“, sagt Seegers. Vielmehr gehe es ihnen um die Idee des Mitmachens bei dem Gemeinschaftsprojekt. „Wir verstehen uns als Projektlabor“, erklärt Mysliwietz. Gleichzeitig sammeln er und seine Mitstreiter wichtige Praxiserfahrungen, schließlich sind die meisten von ihnen Studenten und wollen später mal im Bereich Veranstaltungsmanagement arbeiten.

Drei Monate lang wird das Kollektiv im Scharffschen Haus Platz finden, im neuen Jahr geht die Suche nach einem Domizil dann wieder vorn vorne los. Wer mitmachen, sich in den Vereinsräumen präsentieren oder mehr erfahren möchte, schreibt eine E-Mail an die Adresse sh@zumkollektiv.de.