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Roman Jeglinski (r.) und Klaus Leitis mit einem Gipsabdruck vom Wappen der "Lüneburg", das Leitis schon vor Jahren gefertigt hat. Das brachte er natürlich mit zum Treffen der ehemaligen Besatzungsmitglieder. 18 Männer aus ganz Deutschland waren angereist. Foto: t&w
Roman Jeglinski (r.) und Klaus Leitis mit einem Gipsabdruck vom Wappen der "Lüneburg", das Leitis schon vor Jahren gefertigt hat. Das brachte er natürlich mit zum Treffen der ehemaligen Besatzungsmitglieder. 18 Männer aus ganz Deutschland waren angereist. Foto: t&w

„Das Kaufhaus auf hoher See“

as Lüneburg. Gerade mal 18 Jahre alt war Ullrich Sühlfleisch, als er April 1966 als Smutje an Bord des Trossschiffes Lüneburg ging. Der Koch hatte sich als Freiwilliger bei der Marine verpflichtet. „Ich wollte raus, um die Welt kennenzulernen“. Zwar sei er mit der Lüneburg nur bis zu den Azoren gekommen, „doch ich habe auf dem Schiff eine Zeit erlebt, die ich nicht missen möchte“, sagt Sühlfleisch. Der Coburger war eines von 18 ehemaligen Besatzungsmitgliedern verschiedener Jahrgänge, die am Wochenende zum ersten Kameradentreffen in Lüneburg zusammenkamen und in Erinnerungen schwelgten.

Das Trossschiff Lüneburg mit der Kurzbezeichnung „A 1411“ wurde auf der Vulkanwerft in Bremen-Vegesack gebaut. Stapellauf war 1966. Taufpatin war Leni Trebchen, Ehefrau des damaligen Lüneburger Oberbürgermeisters. 28 Jahre war der Versorger hauptsächlich auf der Nord- und Ostsee unterwegs, um deutsche Minensucher, Schnellboote, Zerstörer aber auch Nato-Partner mit Verpflegung, Kraftstoffen und Munition zu versorgen. 1994 wurde er außer Dienst gestellt.

Norbert Schröder, der 1971 als Funker für ein halbes Jahr auf der Lüneburg diente, ist es zu verdanken, dass Ehemalige inzwischen wieder Kontakt zueinander aufnehmen. Seit Anfang Januar findet die von ihm initiierte und betreute Homepage www.a1411treffen.jimdo. com viel Beachtung. Schnell war die Idee für ein Ehemaligentreffen geboren. „Wir haben uns für Lüneburg entschieden, weil das die Patenstadt des Trossschiffes ist“, sagt der Lüneburger Klaus Leitis, der von 1968 bis 1969 als Seemann an Bord war und nun vor Ort die Organisation fürs Treffen mit auf den Weg brachte. Beim geselligen Beisammensein im Hause der Marinekameradschaft, beim Stadtrundgang und beim Abendessen im „Mälzer“ ging’s um die Zeit an Bord.

Zur Besatzung gehörten immer 70 bis 75 Männer. „Wir hatten an Bord alles: von der Mausefalle bis zur Munition, waren sozusagen das Kaufhaus auf hoher See“, sagt Leitis. Während der Fahrt wurden die Paletten mit Artikeln vom Versorger auf Schiffe der Flottenverbände verladen. Knochenharte Arbeit rund um die Uhr sei das gewesen, von Seemannsromatik keine Rede, meint Leitis. Dennoch: „Es war eine tolle Zeit“. Da ist er sich mit Schröder und Sühlfleisch einig.

Was die Männer verband, war die Liebe zum Meer. „Dazu kam eine unglaubliche Kameradschaft und ein großer Respekt vor dem anderen, unabhängig davon, welchen Dienstgrad er hatte“, sagt Schröder. Eine große Familie seien sie gewesen, wenn sie manchmal sechs Wochen auf See auf engstem Raum arbeiteten und lebten. „Der Smutje“, sagt Schröder und lächelt Sühlfleisch an, „war der wichtigste Mann an Bord. Denn wenn das Essen nicht stimmt, ist die Stimmung schlecht an Bord“.

In Erinnerung haben sie noch gut fröhliche Bordfeste oder die Sache mit „Trossi“. Das war die Bordhündin, der Liebling aller Besatzungsmitglieder, „der Smutje war Trossis bester Kumpel“, grinst Schröder. Ihre Verbundenheit zur Patenstadt Lüneburg bezeugten die Besatzungsmitglieder alljährlich in der Vorweihnachtszeit. Eine Abordnung verkaufte dann in der Bäckerstraße Punsch, der Erlös ging ans Anna-Vogeley-Heim. Auch die Marinekameradschaft pflegte engen Kontakt zum Patenschiff.

Nachdem es außer Dienst gestellt war, ging es 1997 an die kolumbianische Marine. Der Versorger ist unter dem Namen „Arc Cartegena de indias 161“ auf See. Doch die „Lüneburg“ lebt in den Erinnerungen ihrer Besatzungsmitglieder weiter.

3 Kommentare

  1. Ich war selbst von 1967 bis 1971 bei der Marine und kannte das Trossschiff Lüneburg sehr gut. Schön, dass sich nach so langer Zeit noch alte Besatzungsmitglieder zusammenfinden.

  2. Moin „Lüneburger“,
    es freut mich, dass es außer uns „Glücksburgern“ weitere Versorgerfahrer gibt, die ein Besatzungstreffen auf die Beine stellen.
    Gruß
    Bernd

  3. Das erste Treffen der „Lüneburgfahrer“ hat allen Teilnehmern Spass gemacht. Es besteht die Gefahr, dass wir das wiederholen.
    Vielen Dank der Redakteurin – gute Arbeit!!!!
    Gruß aus Nordhessen Norbert