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Hermann Cordes lädt ein zum Probieren. Er hat eine relativ neue Züchtung dabei, einen Remo aus Dresden. Auf seinem Hof baut der Landwirt 600 verschiedene Apfelsorten an. Foto: t & w
Hermann Cordes lädt ein zum Probieren. Er hat eine relativ neue Züchtung dabei, einen Remo aus Dresden. Auf seinem Hof baut der Landwirt 600 verschiedene Apfelsorten an. Foto: t & w

Ein leckeres Fest rund um den Apfel

ca Lüneburg. Der Apfel hat etwas Philosophisches: Er zeigt in seiner Form die Schönheit der Schöpfung. Doch er ist auch Symbol dafür, dass der Mensch – wie bei Adam und Eva – sein Paradies verlieren kann, wenn er sich an der Schöpfung versündigt. Zudem ist die Frucht ein Zeichen der Hoffnung, so wie es Martin Luther einst formulierte: „Und wüsste ich, dass morgen die Welt untergeht, so würde ich heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.“ Mit ihren Gedanken setzte Superintendentin Christine Schmid gestern in der Kolonie Schildstein einen gelungenen Rahmen für das gemeinsame Apfelfest von Kleingärtnern und dem Streuobstwiesenverein.

Hunderte waren gekommen, um zu probieren und sich zu informieren, etwa bei Hermann Cordes aus der Nähe von Pinneberg. Der lässt auf seinem Hof rund 600 Apfelsorten wachsen: „Wir haben 300 Sorten in der Vermehrung und beliefern Umweltverbände wie den Naturschutzbund und Streuobstwiesenverein.“ Der seit mehr als 100 Jahren bestehende Betrieb setze auf alte Sorten wie den Wohlschmecker aus Vierlanden, den Altländer Pfannkuchen, der sich bestens zum Kuchenbacken eigne. Doch wann ist eine Sorte alt? Der Fachmann sagt: „Wenn sie mindestens 80 Jahre alt ist.“

Von solchen Oldies finden sich einige am Schildstein, weiß Cornelia Bretz vom Streuobstwiesenverein. Auch deshalb bewirtschafte man dort vier Parzellen, auf denen die alten Sorten wachsen und gedeihen. Und die schmecken, wie man bei Jens Reck und Wilfried Marquardt feststellen kann: Die beiden lassen Äpfel durch eine Walze laufen, die Maische wird durch einen Filterbeutel gepresst, fertig ist der frische Saft.

Gut zu tun hat Jan Bade aus Kaufungen. Der ist Pommologe, also Apfelexperte. Das Wort leitet sich vom französischen Pomme her, Apfel. Rund 400 Sorten könne er bestimmen, sagt der Fachmann: „Aber den hier nicht, keine Ahnung.“ Denn es gebe Aberhunderte Spielarten. Es sei aktuell für die meisten Regionen ein „schlechtes Apfeljahr: Während der Blüte war es kalt, da flogen die Bienen nicht und haben so auch die Bäume nicht bestäubt“. Beim Fest konnten die Gäste allerdings reichlich naschen.