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Wie soll der Bau des Leuphana-Zentralgebäudes finanziert werden? Diese Frage möchte die Landesregierung von der Uni-Leitung detailliert beantwortet haben. Foto: t&w
Wie soll der Bau des Leuphana-Zentralgebäudes finanziert werden? Diese Frage möchte die Landesregierung von der Uni-Leitung detailliert beantwortet haben. Foto: t&w

Ministerium erhöht den Druck

mm/lni Lüneburg. Wie viel kostet es nun wirklich? Die Staatssekretärin des Wissenschaftsministeriums in Hannover, Andrea Hoops, forderte die Spitze der Leuphana Universität im Wissenschaftsausschuss des Landtages auf, zeitnah einen detaillierten Finanzierungsplan zum Bau des Zentralgebäudes vorzulegen – bis Ende des Monats. Hoops: „Die Kostensteigerung ist in Höhe und Zeitpunkt sehr ernst zu nehmen.“ Das Zentralgebäude der Leuphana soll nach neuester Angabe 77,1 Millionen Euro kosten, brutto wohlgemerkt. Diese Zahl sei seit Juni bekannt, heißt es von Seiten der Universität. Ursprünglich waren für das von Daniel Libeskind entworfene Gebäude 57,7 Millionen Euro von der Hochschule veranschlagt worden.

In einer dem Wissenschaftsministerium seit Ende September vorliegenden Finanzübersicht kalkuliert die Leuphana mit Baukosten von rund 76 Millionen Euro. Zu diesen kämen Kosten „im Zusammenhang mit der allgemeinen Konsolidierung der Universitätseinrichtungen auf dem Campus Scharnhorststraße“, heißt es in einer Mitteilung der Leuphana, beispielsweise für den Umzug einer Maschinenhalle vom Standort Volgershall in den Keller des neuen Zentralgebäudes. Diese Kosten seien auf Wunsch des Ministeriums nicht in die Ende September aktualisierten Planungsunterlagen überführt worden. Bei den veranschlagten 77,1 Millionen Euro an Bruttokosten für den Bau sei überdies zu berücksichtigen, dass die Umsatzsteuer von 12,3 Millionen Euro noch abgezogen werden müsse. Diese könne sich die Leuphana als Vorsteuer erstatten lassen. Allerdings muss die Hochschule einen Großteil davon bei Fertigstellung des Baus an das Finanzamt zurückführen. Für diese Rückführung sollten Erlöse aus der Vermietung einzelner Flächen des Zentralgebäudes außerhalb der universitären Nutzungszeiten herangezogen werden.

Die Universität spricht von aktuell 64,8 Millionen Euro an Nettofinanzierungsbedarf. Das hatte auch die LZ Anfang Juli so berichtet. Die Uni kalkuliert demnach mit einem Mehrbedarf von 7,5 Millionen Euro. Dafür wolle die Hochschule selbst aufkommen, berichtet das Wissenschaftsministerium. Dieser Mehrbedarf solle durch Immobilienbewirtschaftung gedeckt werden, erklärt die Leuphana. Dabei geht es um den Verkauf oder langfristige Vermietung älterer Gebäude der Universität. Bisher gebe es hierzu jedoch noch keinen Finanzierungsplan, bemängelt das Ministerium. Der Haushaltsausschuss werde sich deshalb vermutlich nicht mehr in diesem Jahr mit der Kostensteigerung befassen können.

Das Bauvorhaben wird von Oberfinanzdirektion und Landesrechnungshof geprüft. Der Rechnungshof will in einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung unter anderem prüfen, ob ein Baustopp oder eine Neuplanung des Projekts in Betracht zu ziehen ist. „Wir hatten bisher bei der Finanzierung schon erhebliche Zweifel“, kritisierte Rechnungshofpräsident Richard Höptner vor dem Ausschuss. Die vorliegende Finanzierungsübersicht sei noch nicht so detailliert, dass sie belastbar sei, erklärte Staatssekretärin Hoops. Die Lüneburger SPD-Landtagsabgeordnete Andrea Schröder-Ehlers nannte den Bau ein „großes, anspruchsvolles Projekt“, von dem man allerdings sehen müsse, dass es in einem vertretbaren Kostenrahmen bleibt.

Der stellvertretende CDU-Fraktionschef Jörg Hillmer kritisierte Wissenschaftsministerin Heinen-Kljajic (Grüne) für ihren „destruktiven Umgang“ mit der Leuphana Universität. Heinen-Kljajic müsse endlich zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der Uni-Leitung kommen, anstatt der Öffentlichkeit regelmäßig ihr Unbehagen über die Kostensteigerung mitzuteilen, sagte der Oppositionspolitiker. Mit Blick auf die Kosten des Libeskind-Baus sagte Hillmer: „Bereits seit Juni wissen der zuständige Ausschuss und die Landesregierung, dass die Bruttobaukosten in Lüneburg 77 Millionen Euro betragen und sich der Finanzierungsbedarf um 7,5 Millionen erhöht.“ Daran habe sich bis heute nichts geändert.

4 Kommentare

  1. Viktor Klostermann

    Kritik am Leuphana-Bau ist destruktiv?

    In einer Pressemitteilung der CDU-Fraktion-Niedersachsen heißt es:

    «Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Hillmer hat Wissenschaftsministerin Heinen-Kljajic für ihren „destruktiven Umgang“ mit der Lüneburger Leuphana-Universität kritisiert. Nach der Unterrichtung des Wissenschaftsausschusses durch Staatssekretärin Hoops sagte Hillmer: „Wer nicht weiß, dass Frau Heinen-Kljajic amtierende Wissenschaftsministerin ist, muss nach ihren jüngsten Äußerungen zur Leuphana-Universität denken, sie sei immer noch Oppositionspolitikerin. Heinen-Kljajic muss endlich zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der Uni-Leitung kommen, anstatt der Öffentlichkeit regelmäßig ihr Unbehagen über die Kostensteigerung mitzuteilen.“ Mit Blick auf die Kosten des Libeskind-Baus sagte Hillmer: „Bereits seit Juni wissen der zuständige Ausschuss und die Landesregierung, dass die Brutto-Baukosten in Lüneburg 77 Millionen Euro betragen und sich der Finanzierungsbedarf um 7,5 Millionen erhöht. Daran hat sich bis heute nichts geändert.“

    Mit ihrer irreführenden Pressemitteilung habe Heinen-Kljajic selbst dafür gesorgt, die Reputation der Universität zu schädigen und Studenten sowie Dozenten unnötig zu verunsichern. „Anstatt die Universität in der Debatte konstruktiv zu begleiten und der Leuphana Universität insgesamt zum Erfolg zu verhelfen, trägt die Wissenschaftsministerin dazu bei, die Skepsis gegenüber dem Leuphana-Projekt noch zu erhöhen. Dass darunter ein ganzer Uni-Standort leidet, ist Heinen-Kljajic offenbar gleichgültig.“

    Hillmer erwartet von Heinen-Kljajic eine konstruktive und produktive Zusammenarbeit mit der Leuphana. „Es geht auch um den Wissenschaftsstandort Niedersachsen. Wenn die Baufristen in Lüneburg nicht verlängert werden, droht Niedersachsen die Kürzung von EU-Geldern. Daran kann die Wissenschaftsministerin kein Interesse haben. Der Bau muss unter Berücksichtigung einer soliden Finanzierung planmäßig fortgeführt werden.“»

    Übersetzt man sich diese politexpressionistische Schwurbeleruption ins Deutsche, sagt Herr Diplom Kaufmann Jörg Hillmer aus Suderburg bei der Wassermühle an der Hardau in 52° 54′ N, 10° 28′ O, einem Ort mit 4585 Einwohnern im Landkreis Ülzen, ungefähr folgendes:

    1. Wer aus der Opposition ins Regierungslager wechselt, habe seine Überzeugungen auszutauschen. „Anstatt der Öffentlichkeit regelmäßig ihr Unbehagen über die Kostensteigerung“ beim Lüneburger Libeskind-Bau mitzuteilen, müsse Wissenschaftsministerin Heinen-Kljajic „endlich zu einer konstruktiven Zusammenarbeit mit der Uni-Leitung kommen“.

    2. „Konstruktiv“ ist ein anderes Wort für „willfährig“, also „ohne sich Gedanken zu machen, [würdelos] den Absichten anderer dienend“ (Duden).

    3. Was zählt, sind nicht Vertragstreue, Verantwortungsbewusstsein und Anstand, sondern allein die normative Kraft des Faktischen.

    4. War das Finanzierungsdesaster schon gestern bekannt, soll man heute darüber schweigen, denn Mißstände erledigen sich nach Hillmer offenbar einfach dadurch, dass sie eingetreten sind und damit zu Tatsachen wurden. „Bereits seit Juni wissen der zuständige Ausschuss und die Landesregierung, dass die Brutto-Baukosten in Lüneburg 77 Millionen Euro betragen und sich der Finanzierungsbedarf um 7,5 Millionen erhöht. Daran hat sich bis heute nichts geändert.“

    5. Wer seiner Kontroll- und Aufsichtspflicht als Ministerin nachkommt, weiteren durchaus denkbaren Schaden abwenden will und darum Aufklärung über zurückligende Versäumnisse und Einsicht in kaufmännisch professionell kalkulierte Pläne über künftige Vorhaben verlangt, betätige sich als Nestbeschmutzer und versündige sich am lokalpatriotischen Korpsgeist. Heinen-Kljajic, so Hillmer, „habe (…) dafür gesorgt [sic!], „die Reputation der Universität zu schädigen und Studenten sowie Dozenten unnötig zu verunsichern“. (Die Frage, ob das Leuphana-Präsidium durch sein windiges Verhalten nicht viel erheblicher zum Reputationsschaden seines Instituts beigetragen hat, so „dass darunter ein ganzer Uni-Standort leidet“, stellt sich ihm ebensowenig wie die, ob „Studenten sowie Dozenten“ als erwachsene Zeitungsleser tatsächlich des anmaßend paternalistischen Schutzes vor „Verunsicherung“ durch einen aufgeregten, nach Meinungsführerschaft vor die Mikrophone zappelnden Oppositionspolitikers bedürfen, oder ob sie als kritisch geschulte Geister nicht vielmehr in der Lage sind, sich ohne dessen sprachregelnde Assistenz ein Bild zu machen.)

    6. „Wenn die Baufristen in Lüneburg nicht verlängert werden, droht Niedersachsen die Kürzung von EU-Geldern“ für den Zentralgebäudebau, sagt Hillmer. Die nicht unwahrscheinliche Inkompetenz der von staatsanwaltschaftlichen Ermittlungen wegen Untreue begleiteten „Projektleitung Campusentwicklung Leuphana“ kommt als Ursache dieser unerfreulichen Möglichkeit bei ihm aber nicht in Betracht.

    7. Stattdessen gefällt er sich darin, eine politische Gegnerin zu diffamieren, indem er ihr unlauter, weil ohne nachvollziehbare Gründe, unterstellt, dass „ein ganzer Uni-Standort leidet, ist Heinen-Kljajic offenbar gleichgültig.“

    8. „Der Bau muss unter Berücksichtigung einer soliden Finanzierung planmäßig fortgeführt werden“, verkündet Hillmer zuletzt eine mehr als rätselhafte Beschwörungsformel. Nur „unter Berücksichtigung“? Will er sagen, der Bau müsse – koste es, was es wolle (natürlich nicht sein Geld!) – „fortgeführt werden“, indem man gelegentlich einmal von „einer soliden Finanzierung“ träumt? Und was heißt „planmäßig“, wenn doch bis heute (eineinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung) noch immer keine belastbare Finanzierungsplanung von den Leuphana-Verantwortlichen vorgelegt wurde? Weiß Hillmer eigentlich, wovon er redet?

    9. „Für den Bau des Zentralgebäudes werden während der Bauphase Finanzmittel in Höhe von 64,8 Mio. Euro netto benötigt“, ist inzwischen auf der Website der Leuphana zu lesen. „Während der Bauphase“? Wie steht es „nach der Bauphase“? Wer zahlt für Folgekosten und den Erhalt des Bauwerks? Sind Bewirtschaftung und Auslastung realistisch durchgerechnet? Oder holt „der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Jörg Hillmer“ bereits Luft, um Gabriele Heinen-Kljajic zum Schweigen über die sich hier ankündigenden Finanzierungslücken zu verdonnern? Ein dauerhafter „Kosteninkubator Leuphana-Audimax“, der „den Wissenschaftsstandort Niedersachsen“ schröpft, als Pressethema? „Daran kann die Wissenschaftsministerin kein Interesse haben.“

    10. Hillmers Parole für alle Steuerbürger: „Augen zu und durch!“

  2. Gerhild Tietjens

    Ich habe laut gelacht über die beiden herrlichen Kommentare zu diesem LZ-Artikel, obwohl angesichts des Zusammentreffens von Unvermögen, Größenwahn und Gedankenlosigkeit, die zu dem beschriebenen Desaster geführt haben, das Weinen viel angebrachter wäre.

    Ein Bravo! an die Herren Rácskai und Klostermann für ihre guten Beiträge, welche die präpotente Geltungssucht der in den Blick genommenen Schwadroneure sehr schön sichtbar macht.

  3. Katharina von Beyme

    Der literarische Bericht „Wir sind Uni“ von Robert L. Groh bringt Licht ins Dunkel der Aktivitäten des Präsidiums der Leuphana Universität Lüneburg. Was denken die Akteure Sascha Spoun und Holm Keller, was treibt sie an? Von der „Neuausrichtung“, über das Studienmodell, bis zum Libeskind-Bau und seinen Kosten, alles spielt zusammen. Dem Leser fällt es wie Schuppen von den Augen! Sehr zu empfehlen!
    http://www.tredition.de/ID37914/Wir-sind-Uni

  4. Die Leuphana-Groteske / Sehr geehrte Frau von Beyme,

    da Ihr „link“ leider nirgendwohin führt, setze ich die notwendigen Angaben zur Beschaffung der hochamüsanten Satire von Robert Lucius Groh unter den Klappentext seines Buches, der gewiss Appetit auf mehr macht. Ob seine literarische Verdichtung allerdings das schier unglaubwürige Ausmaß an bizarren Verrücktheiten zu spiegeln vermag, das die traurig-grelle Realität den Lüneburgern zumutet, mag jeder entsetzte Leser nach der gewiss lohnenden Lektüre selber entscheiden.

    „In diesem literarischen Bericht nehmen der Ich-Erzähler und mit ihm der Leser die Rollen von ironisch-sarkastischen Zeitzeugen ein, die in ein aberwitziges, in seinem Irrsinn geradezu unwirkliches Schauspiel hineingezogen werden, welches gerade an einer kleinen Universität aufgeführt wird.

    Einige Jungdynamiker aus der McKinsey-Schwaller- und-Poseurenschule eignen sich nach und nach und von allen Kontrollinstanzen fast unbemerkt die Macht auf dem Campus einer Provinzstadt an und entfachen ein widersinniges Reform- und Projektfeuerwerk wie es die Stadt, die Region und die Bundesrepublik noch nicht erlebt hat. Flankiert durch Marketingmaßnahmen beispiellosen Ausmaßes demonstrieren sie der staunenden Mitwelt, wie eine „Universität neuen Typs“ erschaffen wird, ein Ort, an dem der heillose Gott der Effizienz in einem anhaltend „nachhaltigen“ Dauerausbruch narkotisierenden Optimierungsgequassels seine Heimstatt findet.

    Die angebliche Alternativlosigkeit ihres Handelns kommt einer Selbstermächtigung von egomanen Glücksrittern gleich, die den undurchsichtigen Umgang mit EU-Fördermitteln, Bauprojekten und Finanzierungsmodellen zu einem äußerst fragwürdigen Projektmanagement-Debakel anschwellen lässt.

    „Wir sind Uni“ musste geschrieben werden, gerade auch deshalb, weil die Bildungspolitik seit Jahrzehnten zu einem Spielball von Landes- und Bundespolitikern geworden ist, die solche Exzesse, wie die hier beschriebenen, erst möglich machen: zum großen Leidwesen der Mitarbeiter, Lernenden, Lehrenden und Forschenden!

    Denn bei allen Bachelor- und sonstigen sich weiterhin an- schließenden Reformen werden fundamentale Fragen erst gar nicht gestellt: Was bedeutet Bildung heute? Was für ein Menschenbild soll eigentlich gefördert werden? Wie ist es mit der Einheit von Lehre und Forschung bestellt? Und: Was soll aus unseren Universitäten werden?“

    Der Autor studierte Philosophie und Geschichte. Er lebt und arbeitet in Berlin

    Robert Lucius Groh, „Wir sind Uni. Eine bildungspolitische Provinzposse“. Verlag: tredition, Hamburg. 200 Seiten, kartoniert. Erschienen am 16. Oktober 2013. Bestellnummer: ISBN-13: 9783849569488. Preis: 15,99 €