Donnerstag , 29. September 2016
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Auf dem Areal der ehemaligen St.-Ursula-Schule an der Wallstraße sollen für einen Neubau gesunde Bäume gefällt werden. Foto: t&w
Auf dem Areal der ehemaligen St.-Ursula-Schule an der Wallstraße sollen für einen Neubau gesunde Bäume gefällt werden. Foto: t&w

Kampf um die Kastanien

ahe Lüneburg. Wenn es der Natur an den Kragen gehen soll, ruft das mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Umweltschützer auf den Plan. Ein Baum kann sich schließlich nicht gegen seinen von Dritten befohlenen Tod wehren. Deshalb ergreift Helmut Dammann vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) in Lüneburg das Wort, um für Kastanie, Birke und Ahorn zu kämpfen. Der Anlass: Für das geplante Bauvorhaben auf dem Areal der ehemaligen St.-Ursula-Schule sollen mehrere gesunde Bäume der Säge zum Opfer fallen.

Einmal im Jahr legt die Stadt eine Liste vor, in der sie alle größeren Bäume benennt, die weg sollen. Nun ist es wieder so weit: In der Sitzung des Grünflächen- und Forstausschusses am Mittwoch, 30. Oktober, im Rathaus wird die Verwaltung jede Linde, Esche und Akazie mit einem Mindeststammdurchmesser von 30 Zentimetern, die dem Tod geweiht ist, benennen.

In vielen Fällen sind Säge oder Axt unausweichlich, weil die Bäume von Schädlingen befallen oder gar schon abgestorben sind. Anderen haben Stürme so arg zugesetzt, dass sie umzustürzen drohen, da gebietet es die Verkehrssicherungspflicht, dass die Stadt handelt. Sie verspricht auch überall dort, wo es möglich sei, Ersatzpflanzungen. Doch auf der Liste tauchen auch gesunde Bäume auf, die keine Zukunft mehr haben sollen, weil sie geplanten Neubauten im Weg stehen: Am Schulzentrum Kaltenmoor soll die eigentlich erfreuliche Sanierung der Sporthallen gleichzeitig das Aus für 16 Birken bedeuten. Der Neubau der Firma Fuller mitsamt der erforderlichen neuen Zufahrt werde zehn Linden das Leben kosten, die Fußgängerbrücke über die Ilmenau zwischen Wandrahmpark und Nordlandhalle das Aus einer Kastanie besiegeln.

Ebenfalls auf der Liste stehen fünf Bäume auf dem Gelände der früheren St.-Ursula-Schule. Eine Ulme soll gefällt werden, weil sie abgestorben ist, das kann Dammann nachvollziehen. Doch für den Erhalt der anderen Bäume, die den von der Lüwobau geplanten Seniorenwohnungen weichen sollen, macht er sich stark. „Als ich die Liste gesehen habe, bin ich gleich hochgegangen. Die Bäume dürfen auf keinen Fall weg.“ Drei von ihnen, eine Birke, ein Silberahorn und eine Kastanie, seien völlig gesund, eine weitere, mit einem Pilz befallene Kastanie sei aus seiner Sicht auch zu retten. Und diese Rettung würde sich lohnen, denn bei der Kastanie direkt neben der Parkbucht an der Wallstraße handle es sich um einen „sehr alten und ortsbildprägenden Baum“, wie Damman verdeutlicht. Er findet: „Jeder Architekt sollte in der Lage sein, ein Gebäude so zu planen, dass dieser Baum am Rand nicht gefällt werden muss.“

Auch Sebastian Heilmann, Ratsherr der Grünen, sieht noch Klärungsbedarf. Er plant für heute einen Ortstermin mit der Stadt und der Lüwobau.