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Die Kinder kommen aus vielen Ländern, doch im Unterricht wird nur Deutsch gesprochen, im Zweifel behelfen sich Lehrerin Kathrin Gehrke und die Schüler mit Händen und Füßen, um sich verständlich zu machen. Das ist nicht einfach, mancher Schüler braucht besondere Förderung. F: t & w
Die Kinder kommen aus vielen Ländern, doch im Unterricht wird nur Deutsch gesprochen, im Zweifel behelfen sich Lehrerin Kathrin Gehrke und die Schüler mit Händen und Füßen, um sich verständlich zu machen. Das ist nicht einfach, mancher Schüler braucht besondere Förderung. F: t & w

Hilfe für Kinder mit Lernpaten

ca Lüneburg. Die Jugendlichen sprechen georgisch, arabisch, spanisch, russisch, vielleicht einen Dialekt aus Afghanistan, Deutsch können sie nicht. Trotzdem sitzen alle in einer Klasse und lernen gemeinsam. „Wir verständigen uns auch mit Händen und Füßen“, erzählt Lehrerin Kathrin Gehrke. Sie unterrichtet in einer der drei DaZ-Klassen der Hauptschule Stadtmitte. Das Kürzel steht für Deutsch als Zweitsprache. Bis zu 16 Mädchen und Jungen sitzen in jeder Klasse.

Die Plätze sind begehrt, ähnliche Angebote gibt es erst wieder in Celle und Hamburg. Schulleiter Uwe Wegener und seine Kollegen rechnen damit, dass die Nachfrage anzieht: „Die Flüchtlingszahlen steigen.“ Das ist jeden Abend in den Nachrichten zu sehen: Es kommen die, die der Armut in Afrika, aber auch in Südeuropa entgehen wollen, dazu die, die vor Mord und Totschlag wie in Syrien flüchten.

Kathrin Gehrke und Rektor Wegener hoffen nun auf Hilfe. Deshalb möchten sie mit Jürgen Enke von der Arbeiterwohlfahrt zusammenarbeiten. Der koordiniert das Projekt der Bildungspaten: Ehrenamtliche unterstützen bislang nur an Grundschulen Schüler, die im Klassenver-band nicht mitkommen, quasi im Einzelunterricht. Enke sagt: „Viele ehemalige Pädagogen engagieren sich, aber beispielsweise auch Ingenieure. Zehn Prozent in unserem Team sind jünger als 25, darunter sind auch Studenten und Schüler.“ Manche der „Zweit-Lehrer“ nehmen sich zwei Stunden Zeit pro Woche, andere acht. Viele der Kinder würden durch die Hilfe „am Ende das Klassenziel erreichen“.

Auf 47 Mitstreiter kann Jürgen Enke zurückgreifen: „Brauchen könnte ich 100.“ Eher mehr, denn allein Schulleiter Wegener würde für seine drei DaZ-Klassen gerne 20 Paten gewinnen: „Ich weiß, das ist ehrgeizig. Aber den Versuch ist es wert.“ Einig ist er sich mit Lehrerin Gehrke, dass die Mädchen und Jungen dankbar sind, in die Schule gehen zu dürfen. Denn für viele war dies in ihrer Heimat nicht selbstverständlich. Einige hätten noch nie vor einer Tafel gesessen, seien Analphabeten, andere wiederum auf dem Leistungsstand von Gymnasiasten.

Neben Sprachproblemen kämen andere Herausforderungen auf die Schule zu, berichten die Pädagogen: „Es gibt unterschiedliche Mentalitäten und Kulturbegriffe. Auch die Vorstellungen von Ehre und die Familienstrukturen sind anders.“ Doch die 12- bis 17-Jährigen eine der Wunsch, etwas lernen zu wollen.

Die Lehrer und Awo-Mitarbeiter Enke betonen, dass auch die Bildungspaten unterstützt werden. Es gebe regelmäßige Treffen, um sich auszutauschen und fortzubilden. Das motiviere manchen, sich weiterhin für die jungen Leute einzusetzen. Wer sich als Bildungspate engagieren will, wendet sich an Jürgen Enke: Tel.: 75 96 14.