Dienstag , 27. September 2016
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Der Brunnen soll vor der IHK rechts an der Seite zur Grapengießerstraße hin errichtet werden. Der Gebäudeteil des Klägers befindet sich links auf der Seite zur Heiligengeiststraße hin. Montage: Toreros
Der Brunnen soll vor der IHK rechts an der Seite zur Grapengießerstraße hin errichtet werden. Der Gebäudeteil des Klägers befindet sich links auf der Seite zur Heiligengeiststraße hin. Montage: Toreros

Mindert Brunnen den Denkmalwert?

rast Lüneburg. Beim Herrenessen des Vereins Lüneburger Kaufleute am Freitagabend im Hotel Seminaris wird es wohl nur so an Fakten sprudeln, wenn Folker Hellmeyer, Chefanalyst der Bremer Landesbank, seinen Vortrag „Status Krise und Konjunktur – Der Blick nach vorn“ hält. Darüber wird dann anschließend von den Kaufleuten wohl ebenso diskutiert wie über den geplanten Grapengießerbrunnen – da sprudelt allerdings noch nichts. Denn es läuft eine Klage vor dem Lüneburger Verwaltungsgericht gegen den Brunnenbau, Prozessgegner ist die Hansestadt Lüneburg – angegriffen wird deren Baugenehmigung. Über die Klage wird, so Gerichtssprecherin Dr. Gunhild Becker auf LZ-Anfrage, voraussichtlich erst „im ersten Quartal 2014“ entschieden. Das Projekt liegt also zunächst weiter auf dem Trockenen.

Das geplante Wasserspiel ist ein Jubiläumsgeschenk des Vereins Lüneburger Kaufleute an die Stadt, die im Juni 2012 eine Baugenehmigung für das Projekt vor der Industrie- und Handelskammer Am Sande erteilt hatte. Die politischen Gremien hatten den Vorschlägen und Entwürfen der Hamburger Künstlerin Doris Waschk-Balz für den „Grapengießer“ zugestimmt.

Doch der Brunnen ist Adolf Zelle ein Dorn im Auge, der Eigentümer des Hauses Am Sande 1 – das Gebäude macht in etwa ein Drittel der IHK-Fassade aus – befürchtet durch den Bau eine erhebliche Beeinträchtigung der denkmalgeschützten Fassade. Auch wenn der Brunnen nicht vor seinem Part des Gebäudes im Bereich Heiligengeiststraße, sondern am Eingang zur Grapengießerstraße errichtet werden soll, reichte Zelle im Dezember 2012 seine Klage ein.

Gerichtssprecherin Dr. Gunhild Becker bestätigt: „Zu prüfen ist von der 2. Kammer, ob durch den Brunnen eine erhebliche Beeinträchtigung der denkmalrechtlichen Belange zu erwarten ist.“ Alle vom Kläger und von der Hansestadt eingeforderten Unterlagen liegen bereits seit längerem dem Gericht vor: „Und inzwischen gibt es auch die Stellungnahme des Landesamtes für Denkmalpflege.“ Das Amt sollte sich dazu äußern, ob durch den Brunnen die Sicht auf das Gebäude-Ensemble gestört und damit der Denkmalwert der Häuser gemindert werde.

Hieß es von Seiten des Gerichts Mitte des Jahres, der Fall werde voraussichtlich noch 2013 verhandelt, sagt Dr. Gunhild Becker nun: „Die Terminierung läuft, zur Verhandlung wird es voraussichtlich im ersten Quartal 2014 kommen.“ Für diese zeitliche Verschiebung nennt sie einen nachvollziehbaren Grund: „Die 2. Kammer ist durch asylrechtliche Eilverfahren aktuell stark belastet.“