Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Die Polizei kreischt jetzt
Auch dem Chef der Lüneburger Wache, Christof Vietgen, vergeht das Lächeln, wenn das neue Signal losjault - irre laut. Foto: be
Auch dem Chef der Lüneburger Wache, Christof Vietgen, vergeht das Lächeln, wenn das neue Signal losjault - irre laut. Foto: be

Die Polizei kreischt jetzt

ca Lüneburg. In manchem Auto donnern die Bässe so heftig, dass die Scheiben vibrieren, andere Wagen werden vielleicht von Senioren gesteuert, die sich sehr intensiv auf die Straße vor ihnen konzentrieren – Jung und Alt bekommen dann ab und an nicht mit, dass eine Streifenwagenbesatzung hinter ihnen sie zum Anhalten auffordert. „Das erleben die Kollegen immer wieder“, sagt der Lüneburger Polizeisprecher Kai Richter. Landesweit macht die Polizei nun mehr Krach, um Autofahrer im Fall der Fälle auf sich aufmerksam zu machen: Nach amerikanischem Vorbild jault jetzt ein Signal derart massiv los, dass es nach Meinung der Ordnungshüter nicht überhört werden kann. „Yelp“ heißt der neue Ton, die Beamten übersetzen es aus dem Amerikanischen mit Kreischen.

Lüneburgs Polizeichef Hans-Jürgen Felgentreu, der Leiter der Wache, Christof Vietgen, und Richter stellten die neue Technik gestern vor. Es ist quasi ein Paket, mit dem die Streifenwagen Stück für Stück ausgerüstet werden: Zwischen den Blaulichtern auf dem Dach des Streifenwagens blinkt die Schrift „Stopp Polizei“, dazu leuchten rote Lichter auf, fruchtet beides nicht, erschallt das ohrenbetäubende Yelp. Autofahrer sollen dann, wenn möglich, an die Seite steuern und anhalten, den Motor abstellen und Hände auf das Lenkrad legen, bis die Beamten da sind – den Ablauf kennt man aus US-Krimis. Die Polizei erhofft sich durch das neue Verfahren auch mehr Sicherheit für ihre Beamten.

In Niedersachsen werden 450, in der Polizeiinspektion Lüneburg ein Dutzend Streifenwagen umgerüstet, zu ihr gehören die Kreise Lüneburg, Uelzen und Lüchow-Dannenberg. In Lüneburg erhalten Wagen vor allem in der Stadt die neuen Lautsprecher. „Dort haben wir die neuesten Wagen“, sagt Richter. Denn es wäre zu teuer, auch alte Fahrzeuge umzubauen. So wird es noch dauern, bis alle Polizeiautos diesen infernalischen Lärm machen können.

Ein Video mit Eindrücken der neuen Polizeisirene gibt es auf der Facebookseite der LZ.

12 Kommentare

  1. Hat jemand dabei mal an Anwohner gedacht?
    Wir wohnen dicht an einem Kreisel nahe der Bahn- und Autobahnlinie, dort fährt besonders am Wochenende und bei Veranstaltungen regelmäßig Polizei und Rettungskräfte. Das bedeutet schon in der bisherigen Lautstärke regelmässige Gesprächsunterbrechungen und Erwachen in der Nacht….
    Solche Sirenenbenutzung sollte in Wohngegenden verboten sein.

  2. Müsst ihr jeden Mist aus der USA übernehmen. Hände auf Lenkrad legen und warten bis der Scherif kommt. Ist ja wie im wilden Westen. In den USA verstehe ich das noch bei uns halte ich da für masslos übertrieben.
    Nicht gehört werden oder gesehen werden ist zwar schon ärgerlich, aber Staatgelder könnte maan besser anlegen auch bei der Polizei denke ich. Na gut dann haben wir ein neues Spielzeug für die Polizei. So ein Scherif muss ja auch ein bisschen Spaß bei der arbeit haben genau wie in Amerikawenn ich mir ausmale wie das demnächst aussieht schleicht sich mir ein grinsen ins Gesicht, sorry ich kann nix dafür.

  3. Das Signal wird nur dazu genutzt, Fahrzeuge anzuhalten, wenn z.B. die Kelle nicht benutzt werden kann. Ich denke also nicht, dass es so unglaublich oft benutzt werden wird.
    Zudem unterliegen alle Töne der Sondersignalanlagen bei der Lautstärke den gesetzlichen Vorgaben.
    Dazu kommt: Sie müssen im Zweifelsfall gehört werden – dazu sind sie da. Wenn die soweit runtergeregelt oder weggelassen werden müssen, verlieren sie ihren Zweck. Zudem werden die Töne nur benutzt, wenn sie auch wirklich nötig sind – eben bei blockierter Fahrbahn, an Kreuzungen und eben Kreiseln. Querverkehr, der das Einsatzfahrzeug weder sieht noch hört, kann hier lebensgefährlich sein.
    Ich selbst wohne in Kiel zwischen vielbefahrenem Westring und der Holtenauer, quasi wie zwischen Dahlenburger und Bleckeder Landstraße in schlimmer, und noch nie hat mich ein Sondersignal gestört, selbst wenn ein Einsatzfahrzeug durch unsere Querstraße fuhr.
    An dieser Stelle muss man – auch zur eigenen Sicherheit – einfach mal Kompromisse machen.
    Hände auf’s Lenkrad legen ist in D schon länger im Kommen. Es dient einfach der Sicherheit der Beamten. Zu oft wurden bei Fahrzeugkontrollen Waffen oder andere gefährliche Gegenstände im Verborgenen gehalten. Aber auch, wenn man eigentlich nichts gefährliches tun möchte: Der Beamte kann sich dadurch bedroht fühlen, gerade im Dunklen, was im Ernstfall fatale Folgen haben kann. Daher trägt es zur Sicherheit auf beiden Seiten bei, sich an diese einfache Regel zu halten.

    • Empörter Bürger

      NIEMALS!

      Die Polizei hat den Bürger als Grundrechtsträger zu akzeptieren und nicht unter Generalverdacht zu stellen.

      „Der Beamte kann sich dadurch bedroht fühlen, gerade im Dunklen, was im Ernstfall fatale Folgen haben kann.“

      Das verstehe ich wohl richtig als Drohung.
      Und genau sowas geht überhaupt nicht!

      Wie wäre es, wenn Polizisten sich an die Gesetzte halten, und den Bürger nicht durch Drohungen und ohne Rechtsgrundlage
      zu Unterwürfigkeitsgesten zwingen?

      • Wenn man es negativ auslegen will, kann man es natürlich tun.
        Für mich ist es zusätzliche Sicherheit. Ich möchte nicht, dass mir bei einer Kontrolle was passiert, nur weil ich vor Aufregung einen falschen Handgriff gemacht habe (Dazu sei gesagt: Ich bin keine Polizistin.). Da bricht mir kein Zacken aus der Krone, wenn ich mein Lenkrad anfasse. Es ist keine Unterwürfigkeitsgeste, darunter verstehe ich ganz andere Dinge.
        Das ist auch kein Generalverdacht, sondern eine Lehre aus den Erfahrungen in der Vergangenheit. Die Gewalt gegen Polizisten steigt, wie auch misspingelig hier richtig anmerkt. Für mehr Infos empfehle ich den Besuch von http://www.kggp.de des Vereins „Keine Gewalt gegen Polizisten“. Wenn Sie sich dort einmal durch die „Galerie der Gewalt“ geklickt haben, wird Ihnen hoffentlich klar, dass Vorsichtsmaßnahmen heutzutage leider nötig sind.

        • Empörter Bürger

          Die Homepage und den Verein finde ich einfach nur befremdlich.
          Die Fotostrecke zu Stuttgart einfach nur peinlich.
          Der Versuch die maßlose Polizeigewalt, gegen demonstrierende Bürger, die millionen von Bürgern empört hat, zu relativieren ist geradezu empörend.
          (Übrigens gibt es hier zwischen Lüneburg und Gorleben tausende Bürger, die reichlich eigene Erfahrung mit polizeilicher Willkür und -Gewalt gemacht haben.)

          Nochmal: Ich erwarte einfach, daß die Polizei sich an die Gesetze hält, und ohne Rechtsgrundlage und willkürlich vom Bürger weder Handlungen fordert, noch irgendwelche üblichen Handlungen untersagt.

          Es kann doch nicht angehen, daß der Bürger bei einer Routinekontrolle Angst um Leib und Leben vor der Polizei haben soll oder muß.
          Die Forderung ist eine unglaubliche Anmaßung. Sie ist schlicht rechtswidrig!
          Sie dient klar als Vorwand für weitere polizeiliche Willkürhandlungen.
          Genau dadurch verliert die Polizei rapide an Ansehen bei den Bürgern.

      • Nicht empörte Bürgerin

        Ich kann das Problem daran auch nicht nachvollziehen, dass Menschen einfach heil und am Stück nach der Arbeit nach Hause kommen wollen. Was ist denn daran ein Generalverdacht?

  4. Aha, Hände also auf das Lenkrad legen. Welche Norm regelt diese Anweisung? Habe ich noch nie on gehört, hat sich das die Polizei ausgedacht? Und wenn ich die Hände nicht auf das Lenkrad lege? Werde ich dann mit vorgehaltener Waffe aus meinem Auto gezerrt und mit Handschellen gefesselt zur Wache gebracht? So ein Blödsinn!

    Man sollte lieber die lärmenden Autofahrer aus dem Verkehr ziehen. Wenn die mit ihren bassdröhnenden Blechbüchsen an meiner Wohnung vorbeifahren, klirren die Fensterscheiben. Dass dieser Lärm durch § 1 StVO verboten ist, lernt man schon in der Fahrschule.

  5. Empörter Bürger

    Die Forderung mit den Händen auf dem Lenkrad. für die es keinerlei rechtliche Grundalge gibt. steht so auch auf der Homepage der Polizei Lüneburg.
    Es zeigt, welches Bild die Polizei vom Bürger hat.
    Sie wünscht sich den hündisch ergebenen Untertanen aus vordemokrastischen Zeiten.
    Dazu paßt eine frühere Äußerung des Herrn Vietgen, nach der die Gefangenen-Zellen im Polizeirevier bewußt so umgestaltet wurden, daß der Aufenhalt dort ganz besonders Unangenehm sei.
    Damit Ignoriert er, daß das für den Bürger grundsätzlich die Unschuldsvermutung zu gelten hat.
    Dessen Ungeachtet, werden die Polizeizellen dort offensichtlich für eine rechtswidrige Bestrafung durch die Polizei mußbraucht.
    Die ebenso rechtswidrige Forderung mit den Händen auf dem Lenkrad, läuft auf etwas ähnliches heraus.
    Der Bürger soll verunsichert werden, den Polizeibeamten sollen Vorwände für willkürliche Gewalthandlungen geliefert werden.
    Dieses alles steht im Widerspruch zu einem freiheitlichen Rechtstaat.

  6. Wir waren gerade in den USA, Washington. Dort hört man alle Weile dieses Gejaule. Dazu kommt, dass auch die Feuerwehr mit dabei ist. Die Fahrzeuge haben rundum laufende blaue und rote Lichter. Man wird schlichtweg an einen Kirmeswagen erinnert. Das erste mal, als ich so einen Aufzug bemerkte, war ich sehr erschrocken und dachte, alles müsste zur Seite springen oder fahren. Was aber nicht der Fall war. Mein Sohn sagte mir, dass die Fahrzeuge nicht so ernst genommen werden wie in Deutschland, weil es zu viel, zu bunt und zu laut ist. Es käme zu einem Abstumpfungseffekt. Dies wird auf dem platten Land und der Highway wohl anders sein. In Deutschland halte ich es für übertrieben. Teure Umrüstung nach Wildwestmanier.

  7. Bitte sehen Sie sich mal die Statistiken zur Zunahme der Gewalttaten gegen Polizisten an.
    Da sollte es Ihnen als rechtschaffener Bürger nichts ausmachen, ob Sie bei einer Kontrolle die Hände aufs Lenkrad legen oder in den Schoß.

  8. Ich finde es erstaunlich, wie eine einfache Geste, die beiden Seiten zusätzliche Sicherheit verschaffen soll, hier als „unterwürfige Geste“ oder Unterdrückung angesehen wird. Das scheint im sehr negativen Bild von der Polizei, das die Vorposter hier haben, begründet zu sein. Das tut mir wirklich sehr leid. Zum Glück weiß ich, dass dieses Bild nicht der Wahrheit entspricht. Daher sind diese Empfehlungen für mich auch nichts negatives. So weiß ich: Mir kann nichts passieren. Daher bleibe ich bei meiner Meinung.