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Reiter und Pferd hängen am Haken, das aufpolierte Denkmal wird wieder auf seinen angestammten Platz befördert. Die Debatte ist damit aber noch nicht beendet. Foto: sp
Reiter und Pferd hängen am Haken, das aufpolierte Denkmal wird wieder auf seinen angestammten Platz befördert. Die Debatte ist damit aber noch nicht beendet. Foto: sp

Glänzend, aber nicht makellos

ahe Lüneburg. Die Altersflecken sind verschwunden, die Falten geliftet, Helm und Uniform glänzen, das Fell ist quasi frisch gestriegelt: Pferd und Reiter im Clamartpark wirken stark verjüngt. Am Dienstagmorgen kehrte das Gespann sichtlich erholt von seiner Berlin-Reise zurück nach Lüneburg. Doch auch nach der rund 40 000 Euro teuren Schönheitskur hat das Denkmal in den Augen einiger Beobachter längst nicht seinen Makel verloren.

Auf den Tag genau fünf Monate, nachdem Ross und Reiter auf einem Tieflader zur Restaurierung in die Bundeshauptstadt kutschiert wurden, erreichten sie nun wieder ihre alte Heimat. Die Spezialfirma Haber Brandner Metallrestaurierung hat das Denkmal – wie schon zuvor das Ehrenmal für die Toten des Kavallerie-Regiments 13, das über Jahre am Schifferwall stand und nun im Lüne-Park beheimatet ist – ordentlich aufgehübscht.

40 000 Euro hat die Instandsetzung gekostet, 25 000 Euro zahlte die Stadt, 15 000 Euro steuerte der Verein „Freunde und Förderer des Denkmals Dragoner 16“ bei. Die 1,5 Tonnen schwere Bronze-Skulptur wurde penibel gereinigt, Risse wurden ausgebessert, die Befestigungspunkte unter zwei Hufen ausgewechselt, um einen festeren Stand auf dem neu verfugten Sockel zu gewährleisten. Frisches Wachs soll das Denkmal vor Wasserschäden schützen. „Diese Schicht hält etwa fünf bis zehn Jahre, dann muss das Wachs erneuert werden“, erklärt Stadtpressesprecher Daniel Steinmeier.

Die Heimkehr des Soldaten erntete nicht nur Applaus. Mit Siegfried Berneis und Peter Asmussen verfolgten zwei Vertreter der Initiative „dragoner-denk-mal-nach“ mit skeptischen Blicken, wie das 1939 von Emil Cauer entworfene, an die Toten des 2. Hannoverschen Dragoner-Regiments Nr. 16 im Ersten Weltkrieg erinnernde Reiterstandbild per Kran einschwebte. „Wir sind nicht generell dagegen, dass das Denkmal wieder aufgestellt wird“, stellt Berneis klar. Ihm und seinen Mitstreitern gehe es um die Form der Präsentation. „Alles wie vorher – das kann es nicht sein. Wir wollen eine öffentliche Debatte darüber in Gang bringen, wie das Denkmal künftig aussehen soll“, sagt Berneis. Ein Vorschlag: „Man könnte den Dragoner durch Opfer zu seinen Füßen ergänzen.“

Seit langem versucht die Initiative, eine Debatte anzustoßen – mit mäßigem Erfolg. „Im Kulturausschuss durften wir lediglich drei Fragen stellen und wurden dann auf die nächste Sitzung vertröstet. Und auch die Friedenspfad-Initiative ist nicht auf unser Diskussionsangebot eingegangen.“ Die Manzke-Friedensstiftung will 24 Gedenkorte in Lüneburg zu einem Friedenspfad verbinden (LZ berichtete). Für Berneis ist das bloß „Touristenbespaßung“.

Asmussen beklagt zudem das aus Sicht der Initiative aus dem Lot geratene Rollenverständnis: „Es ist schwer zu verstehen, dass seit Jahren offenbar kein Geld für eine angemessene Gedenkstätte an der ehemaligen jüdischen Synagoge, also für die Opfer, zur Verfügung steht und es nicht vorangeht, aber für die Täter Geld vorhanden ist.“

Parallel zum Dragoner ist auch die Pietáim Clamartpark saniert worden, das 1875 geschaffene Denkmal zeigt sich nun wieder unverhüllt. „Die Kosten dafür hat die Manzke-Friedensstiftung übernommen“, sagt Steinmeier. Die Statue erinnert an die Gefallenen des deutsch-französischen Krieges 1870/1871. Damals kamen 19 Lüneburger ums Leben.

One comment

  1. „Asmussen beklagt zudem das aus Sicht der Initiative aus dem Lot geratene Rollenverständnis: “Es ist schwer zu verstehen, dass seit Jahren offenbar kein Geld für eine angemessene Gedenkstätte an der ehemaligen jüdischen Synagoge, also für die Opfer, zur Verfügung steht und es nicht vorangeht, aber für die Täter Geld vorhanden ist.”“
    Die Toten, für die das Denkmal steht sind keine Täter, sondern vielmehr auch Opfer der Kriege 70/71, Süd-West und WK 1 und waren daher auch nicht an Judenverfolgung beteiligt. Herr Asmussen verdreht Geschichte so, wie es ihm gefällt.
    Wenn Herrn Asmussen ernsthaft etwas zum Wohle des Gedenkens an der ehemaligen Synagoge gelegen ist, so soll er einen Förderverein zur Errichtung einer angemessenen Gedenkstätte gründen. Ich wäre sicher einer der ersten in dieser Stadt, der dafür Geld geben würde. Mit einer Grundhaltung die „Anti“ ist, bekommt man sowas aber nur schwerlich auf die Beine gestellt. Etwas Positives zu schaffen ist denn auch bedeutend schwieriger als sich in die bequeme Dauernörglerposition zu begeben.
    Herr Asmussen – packen sie es an!

    Dass die Landeszeitung die Diskussion, an der wohl nur noch verbohrte Alt-68er Interesse haben,immer wieder versucht aufzuflammen, verwundert an dieser Stelle ebenfalls. Geht es nur um Verkaufszahlen, oder gibt es in Lüneburg etwa keine spannendere Themen?