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Grabsteine mit arabischer Schrift liegen auf dem muslimischen Grabfeld auf dem Nordwest-Friedhof. Noch finden dort nur wenige Bestattungen statt.
Foto: t&w
Grabsteine mit arabischer Schrift liegen auf dem muslimischen Grabfeld auf dem Nordwest-Friedhof. Noch finden dort nur wenige Bestattungen statt. Foto: t&w

Zur letzten Ruhe in die alte Heimat

ca Lüneburg. Sie sind in Deutschland zu Hause, doch nicht für jeden ist es auch zur Heimat geworden. Ihre letzte Ruhe wollen die meisten Türken und Araber in den Dörfern und Städten finden, aus denen sie stammen. Und so haben nur wenige Familien ihre Toten auf dem muslimischen Friedhof bestattet, den es seit drei Jahren in Lüneburg gibt. Heute beerdigt die türkische Gemeinde einen Toten auf dem Nordwest-Friedhof, der an der Straße nach Vögelsen liegt. „Wir haben dort acht, neun muslimische Gräber“, sagt Hans-Georg Grzenia. Das seien nur wenige, sagt der Chef der städtischen Friedhöfe, denn: „Insgesamt haben wir in Lüneburg jedes Jahr 450 bis 500 Bestattungen.“

Eine landesweite Umfrage hat nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa ergeben, dass aktuell die Nachfrage nach islamischen Grabstellen steigt. Filiz Güven aus dem Vorstand der 150 Mitglieder zählenden muslimischen Gemeinde am Lüner Weg vermutet, dass es „in der dritten Generation einen Wandel geben kann, sich hier beerdigen zu lassen“. Die ersten beiden Generationen der sogenannten Gastarbeiter fühlten sich noch so stark der Türkei verbunden, dass sie „in die Heimat zurück wollen“.

Wenn es auf das Ende zugehe, überlegen die Alten, dass in ihren Dörfern schon ihre Eltern und Großeltern ruhen, dass dort noch Geschwister, Enkel und Neffen leben. Die eigene Familie komme aus Alemania zum Urlaub in die Türkei. „Da können sie auch die Gräber besuchen“, sagt Filiz Güven. Viele ihrer Landsleute schlössen eine Art Versicherung ab: Unternehmen kümmern sich nach dem Tod um die Überführung des Leichnams, um Formalitäten und auch um Flüge für die Angehörigen. Dafür zahlen die Frauen und Männer bei den Firmen einen monatlichen Beitrag ein, der im Fall der Fälle die Kosten decken soll.

So halten es auch viele christliche Lüneburger: Seitdem die Krankenkassen das Sterbegeld gekappt haben, sparen sie für die Bestattung Beiträge in einer Sterbegeld- oder im Behörden-Deutsch Klein-Lebensversicherung an.

Auf dem Friedhof am Stadtrand lägen Menschen aus unterschiedlichen Nationen, sagt Filiz Güven. Aus der Türkei, aus arabischen Staaten und Tschetschenien, auch ein deutscher Moslem sei dort beigesetzt worden. Bestattet wird nach islamischen Riten: Der Leichnam wird in Räumen auf dem Friedhofsgelände vom Iman, einem Geistlichen, und Familienangehörigen gewaschen, in Tücher geschlagen und dann beerdigt. Feuerbestattungen sind dem Islam fremd, es gelte der Grundsatz: „Du kommst von der Erde und gehst zur Erde.“ Gräber erhalten oftmals einen Stein mit einem religiösen Zitat als Inschrift. Zudem wird der Tote so gebettet, dass er in Richtung Mekka liegt, dem wichtigsten heiligen Ort des Islam.

Wie es die Familie Güven einmal halten wird, steht noch nicht fest. Die Eltern haben ebenso wie ihre Tochter eine Sterbegeldversicherung bei einem Hamburger Bestattungsunternehmen abgeschlossen. Die Mutter sagt: „Für uns ist hier die Heimat, ich bin hier aufgewachsen wie auch meine Tochter.“ Und wo die Heimat ist, da wolle man bleiben, auch über den Tod hinaus. Eigentlich.

2 Kommentare

  1. Hier geboren, hier aufgewachsen, hier gelebt und wenn der letzte Atemzug auch hier ist, möchte ich hier beerdigt werden.

    • So ist das, Canan. Ich kann dir nur zustimmen. Vielleicht verstehen sämtliche Seiten das irgendwann.