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Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fotografierte der britische Militärarzt Richard Harrison seine Frau Joyce auf dem Marktplatz. Zaun und Schranke gehörten zu einem Parkplatz der britischen Armee. Foto: nh/harrison
Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg fotografierte der britische Militärarzt Richard Harrison seine Frau Joyce auf dem Marktplatz. Zaun und Schranke gehörten zu einem Parkplatz der britischen Armee. Foto: nh/harrison

Parkplatz mit Zaun auf dem Markt

ml Lüneburg. Anfang Oktober war Peter Harrison auf Spurensuche in Lüneburg. Im Gepäck hatte der 60-jährige Engländer ein iPad mit Hunderten Fotos – aufgenommen von seinem Vater Richard, der als Arzt der britischen Luftwaffe Royal Air Force 1946/47 auch auf dem Lüneburger Fliegerhorst eingesetzt war.

Die Landeszeitung zeigte eines der Bilder auf der Titelseite der Ausgabe vom 12./13. Oktober und schrieb: „Altbekannt und doch so fremd. Das Auge streift über das alte Foto, glaubt das Schloss, heute Landgericht, und den Marktplatz zu erkennen. Aber wo kommt der Zaun her? Und was macht die sehr britisch aussehende Dame auf dem Foto?“ Die eine Frage war schnell beantwortet: Die Frau auf dem Bild war Joyce Harrison, Peters Mutter. Doch die Erklärung für den Zaun mitten auf dem Marktplatz ließ auf sich warten.

Erst jetzt hat sich der Lüneburger Jochen Wilkens gemeldet. Der Bruder des gerade erst abgetretenen Präsidenten der Deutschen Lebensrettungs Gesellschaft (DLRG), Dr. Klaus Wilkens, ist als Zehnjähriger 1945 mit seinen Eltern auf den Fliegerhorst gezogen. „Mein Vater war gelernter Elektriker bei der Hastra und ist nach dem Krieg von den Briten als technischer Leiter auf den Fliegerhorst geholt worden“, erzählt der heute 78 Jahre alte Wilkens. Als Junge hat er zunächst die Heiligengeistschule und ab 1946 das Johanneum besucht. Auf seinem Weg zur Schule ist Wilkens oft vom Fliegerhorst aus mit britischen Militärfahrzeugen in die Stadt runtergefahren.

Geparkt wurden die Fahrzeuge auf dem Marktplatz. „Die Offiziere haben oft im Ratskeller oder bei Scheffler gefeiert“, erzählt der 78-Jährige. Und weil die Briten einen ausgesprochenen Sinn für Ordnung gehabt hätten, zudem unmittelbar nach dem Krieg die Sicherheitslage auch in Lüneburg als unsicher einschätzten, wurde der Parkplatz auf dem Markt eingezäunt. Zu erkennen ist auf dem Foto von Harrison auch noch die Schranke, die die Zufahrt versperrte. „Sie ist nicht wie ein Schlagbaum gehoben und gesenkt, sondern geschoben worden“, berichtet Wilkens. Auch hätten die britischen Soldaten den Parkplatz nur von zwei Seiten eingezäunt – zum Rathaus und zum Schloss, dem heutigen Landgericht, hin. Warum, weiß auch Wilkens nicht.

Auf dem Fliegerhorst begegneten ihm Menschen, die die Entwicklung der Stadt wesentlich prägten. „Als Dolmetscher saß der spätere Lucia-Gründer Hans Pfohe im Wachgebäude“, erinnert sich der 78-Jährige. Auch wurden Weichen für sein eigenes Leben auf dem Areal gestellt. Schon legendär war in den Nachkriegsjahren laut Jochen Wilkens der englische Captain Crane – als Schiedsrichter eine Autorität auf dem Fußballplatz. Einmal drückte er dem jungen Wilkens eine Fahne in die Hand, bestimmte ihn zum „linesman“, zum Linienrichter. Später überreichte Crane dem Jungen ein Abzeichen der „Referees Association“ in der englischen „Football Association“ (FA). Ein Abzeichen, das Jochen Wilkens immer noch in Ehren hält.

One comment

  1. Ich kann mich noch sehr gut an die englischen Jeeps erinnern, die ich als Bub auf dem Marktplatz bestaunt habe