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Eberhard Zehrfeld meint: "Das Bett ist noch gut, es hat keine Macke." Er versteht nicht, warum Sack & Pack es nicht annehmen will. Dort heißt es: "Für Polsterbetten finden wir keine Interessenten." Foto: ca
Eberhard Zehrfeld meint: "Das Bett ist noch gut, es hat keine Macke." Er versteht nicht, warum Sack & Pack es nicht annehmen will. Dort heißt es: "Für Polsterbetten finden wir keine Interessenten." Foto: ca

Das abgelehnte Geschenk

ca Lüneburg. Eberhard Zehrfeldt ist vom Fach, seit Jahrzehnten organisiert der Lüneburger Umzüge, betreibt Haushaltsauflösungen und handelt mit gebrauchten Möbeln. Nun hatte er ein Bett an Bord seines Transporters, das wollte er der dem Sozial-Unternehmen Sack Pack überlassen: „In meinem Lager ist kein Platz mehr, und das Bett ist gut, zu schade, es wegzuwerfen.“ Doch von Mitarbeitern der gemeinnützigen Firma, die ihren Sitz Vor dem Neuen Tore hat, fühlte er sich abgebügelt. „Die wollten das Bett nicht haben, das sei nichts wert.“ Die Führungsriege bei Sack Pack bestätigt die Absage, doch die habe Gründe.

Zehrfeldt ärgert sich: „Über Geschmack kann man ja streiten, aber das Bett war gepflegt, und es hat einen verstellbaren Lattenrost.“ Das hätte man noch jahrelang nutzen können. Er sei überdies nicht zum ersten Mal abgewiesen worden, obwohl er seiner Meinung nach noch gute Möbel abgeben wollte.

Sack Pack beschäftigt rund 30 geförderte Frauen und Männer, um sie wieder für das Arbeitsleben fitzumachen. Die Firma, rund 40 Jahre alt, hat kirchliche Wurzeln, heute ist sie Teil der Sozial-Organisation neue arbeit. Bärbel Könke leitet den Betrieb. Michael Raykowski ist bei der neuen arbeit für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, beide nehmen Stellung.

Es stimme, dass Mitarbeiter das Bett nicht angenommen hätten. Eventuell habe derjenige „auch nicht den richtigen Ton getroffen“. Das bedauere man. Doch so gerne man Möbel in den Verkaufsraum stelle und zu günstigen Preisen an Bedürftige abgebe, so müsse das Team darauf achten, ob sich für Schränke, Tische und Sofas Abnehmer fänden. So sei es bei dem Bett gewesen. Bärbel Könke sagt: „Bei Polsterbetten zeigt die Erfahrung, so etwas wollen die Kunden nicht haben.“

Dazu kämen weitere Faktoren: Der Platz in der Halle sei begrenzt. Und wenn der Betrieb Möbel nicht verkaufen könne, müsse er sie zur Deponie nach Bardowick fahren. Raykowski sagt: „Die Entsorgung kostet Geld.“ Als Unternehmen müsse man aber wirtschaftlich arbeiten, also unnötige Kosten vermeiden. Bärbel Könke ergänzt: Auch Fernseher nehme man beispielsweise nur noch an, wenn eine Fernbedienung dabei sei, denn nur dann gebe es eine Chance, dass sich ein Interessent finde. Die meisten Kunden würden sich heute – wie auch große Teile der Bevölkerung – lieber einen Flachbildschirm in ihr Wohnzimmer stellen.

So wie die Mitarbeiter bei Sack Pack argumentieren, tat man es in der Vergangenheit auch bei der Kleiderkammer des Diakonieverbandes. Dort hat nur Kleidung eine Chance angenommen zu werden, die dem Modegeschmack halbwegs entspricht. Die Erfahrung habe gezeigt, dass die Garderobe der verstorbenen Großeltern, auch wenn sie gut in Schuss ist, keine Abnehmer finde.