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Den Finanzierungsplan für ihr neues Zentralgebäude reichte die Leuphana Universität in Hannover ein. Foto: A/t&w
Den Finanzierungsplan für ihr neues Zentralgebäude reichte die Leuphana Universität in Hannover ein. Foto: A/t&w

Leuphana plant mit hohen Erlösen

pm Hannover/Lüneburg. Die Uni Lüneburg lieferte – spät. Das Gutachten der Leuphana zum Finanzierungsplan für den Libeskind-Bau wurde am vergangenen Donnerstag um 23.02 Uhr nach Hannover übermittelt, hieß es am Montag, 4. November, im Wissenschaftsausschuss des Landtages. Einen Teil der zugrunde gelegten Unterlagen lieferte die Hochschule wohl erst auf Nachbohren des Ministeriums am Nachmittag nach. Und die aktualisierten Verkehrswertgutachten für die Liegenschaften seien noch gar nicht dabei gewesen, berichtete Abteilungsleiter Rüdiger Eichel vom Ministerium im Ausschuss den Abgeordneten.

Nach bisherigem Plan finanziert das Land 21 Millionen Euro, fünf Millionen steuern die Stadt, zwei Millionen der Landkreis Lüneburg bei. 14 Millionen sollen insgesamt von der EU kommen. Die Fördermittel des Bundes für den „klimafreundlichen Campus“ beziffert das 44-seitige Papier jetzt auf 3,4 Millionen Euro; bislang sollte die Summe nur zwei Millionen betragen. Höher fällt die neue Rechnung auch bei den Erlösen für die Liegenschaften aus. Bisher sei meist von rund neun Millionen Euro die Rede, hieß es mehrfach im Ausschuss, in der Expertise fällt der Betrag weit höher aus: So sind darin gut zwei Millionen Euro für Grundstück und Gebäude am Rotenbleicher Weg sowie etwa 2,5 Millionen für den Altbau in Volgershall angesetzt, erzielbar frühestens ab 2016, wenn das neue Zentralgebäude fertig und auch nutzbar ist. Gut neun Millionen Euro Verkaufswert soll der Neubau in Volgershall später erbringen. Die Mieteinnahmen dort taxiert das Gutachten bis dahin auf rund 4,5 Millionen Euro.

Das neue Zentralgebäude nach den Plänen von Daniel Libeskind selbst soll in den ersten zehn Jahren nach Fertigstellung im August 2015 drei Millionen Euro Mieteinnahmen für Veranstaltungen einspielen, eine Prognose, für die es laut Ministerium noch keine verlässlichen Belege gibt. Wegen dieser teilgewerblichen Nutzung sehen sich Uni und Gutachten zum Vorsteuerabzug berechtigt. Dies steuere weitere 4,7 Millionen Euro zur Finanzierung des Gebäudes bei. Für notwendige Zwischenfinanzierungen sei die Leuphana durch ausreichende liquide Mittel gerüstet, heißt es in der Studie. Laut Gutachten hatte die Uni Ende des vergangenen Jahres 32,8 Millionen Euro auf der hohen Kante.

9 Kommentare

  1. Herrlich diese Chutzpe der leuphanatischen Kreativrechenzaubermeister!

    Ein eigens beauftragtes und eingekauftes „Gutachten“ statt eines seit mindestens zweieinhalb Jahren überfälligen Finanzierungsplans. Wie konnten ab 2009 eigentlich ohne belastbare Kalkulationsgrundlage dermaßen weitreichende Bewilligungen vom Stadtrat und dem CDU-geführten Landesparlament ausgesprochen werden?

    Und ein „aktualisiertes Verkehrswertgutachten für die Liegenschaften“, die nach Meinung der präsidialen Alchimisten altersschwache Funktionsruinen und Erde in Gold verwandeln sollen, ist noch gar nicht dabei?

    Auch die „Fördermittel des Bundes für den “klimafreundlichen Campus” setzt man mit 3,4 Millionen generös mit 1,4 Millionen höher an, als eigentlich zugesagt?

    „Gut neun Millionen Euro Verkaufswert soll der Neubau in Volgershall später erbringen“? Wer wird bereit sein, dafür auch nur die Hälfte der erhofften Millionen hinzublättern? Boris Becker vielleicht, der eine Hochschule für Deutsch unter abgewrackten Kinderstars eröffnet?

    Und hier der Witz der Dekade: „Das neue Zentralgebäude nach den Plänen von Daniel Libeskind selbst soll in den ersten zehn Jahren nach Fertigstellung im August 2015 drei Millionen Euro Mieteinnahmen für Veranstaltungen einspielen.“

    In Lüneburg? Oder will man „das neue Zentralgebäude nach den Plänen von Daniel Libeskind“ in New York vermieten?

    Wenn es auf dem Bockelsberg in zehn Jahren EINE Million „einspielt“, wäre das doch wohl schon einem Sechser im Lotto vergleichbar.

    Ich gratuliere zum Einkauf dieser hochspekulativen Papiere, über deren Inhalt wir hier unterrichtet wurden.

    Wird in Hannover eine „Bad Bank“ eingerichtet, die toxische Gutachten dieser Gefahrenklasse luftdicht verwahrt?

  2. Viktor Klostermann

    Für das umstrittene Leuphana-Zentralgebäude dürfte eine Entscheidung des Landtags über das sogenannte „Finanzierungskonzept“ der Lüneburger Universität erst 2014 fallen. Die Universität hatte am 31. Oktober 58 Minuten vor Mitternacht und damit 58 Minuten vor Ablauf einer großzügig gewährten Nachfrist bis Ende Oktober ein Gutachten zur Finanzierung des teuren Prestige-Baus vorgelegt, welches das zuständige Wissenschaftsministerium in Hannover jetzt auswertet. Einen Teil der erforderlichen Unterlagen lieferte die Hochschule wohl sogar erst auf Nachbohren des Ministeriums am folgenden Nachmittag nach. Doch die aktualisierten Verkehrswertgutachten für die Liegenschaften seien auch dann immer noch nicht dabei gewesen, berichtete Abteilungsleiter Rüdiger Eichel vom Ministerium im Ausschuss den Abgeordneten.

    „Obwohl wir uns einen Finanzplan gewünscht hätten, sind wir mit der Vorlage des Gutschachten nun einen Schritt weiter“, sagte am Mittwoch ein Sprecher des Ministeriums. Es gebe nach einer ersten Durchsicht der Unterlagen noch offene Bewertungs-Fragen. Zudem stehe noch eine Einschätzung des Landesrechnungshofes an, so dass es eine Entscheidung noch in diesem Jahr unwahrscheinlich sei.

    Nach Ansicht der Universität allerdings ist die Finanzierung gesichert – sie gibt die Baukosten mit 76 Millionen Euro brutto an. Im Vergleich zur bisher genehmigten Summe entspreche das brutto einem Anstieg von 18,3 Millionen Euro. Ursprünglich sollte das vom US-Stararchitekt Daniel Libeskind entworfene Zentralgebäude 57,7 Millionen Euro kosten.

  3. “Das neue Zentralgebäude nach den Plänen von Daniel Libeskind selbst soll in den ersten zehn Jahren nach Fertigstellung im August 2015 drei Millionen Euro Mieteinnahmen für Veranstaltungen einspielen.”
    So sieht es der Finanzierungsplan der Uni-Leitung vor.
    Also 300.000 Euro pro Jahr an Mieteinnahmen. D.h. 25.000 im Monat!
    Das wären teure Mieten für private Veranstalter. Eine Funktion als abgespeckte Stadthalle kann das AudiMax dann nicht erfüllen.

  4. Gerhild Tietjens

    Das Leuphana-Desaster.

    Mit imaginären Zahlenspielereien und halsbrecherischen „Prognosen“ über die Entwicklung von Immobilien- und Veranstaltungsmärkten spekulative „Erlöse“ aus erst zukünftig – vielleicht – vorhandenen Besitzungen zu erdichten, deren Unterhalt- und Pflegelasten man nicht kennt, um damit in der Vergangenheit aufgelaufene und sich in der Gegenwart türmende Kosten zu bestreiten, das ist nicht bloß verrückt und verantwortungslos, das ist Raubrittertum mit Ansage zum Nachteil von Steuerbürgern und ihren Kindern in Lüneburg und Niedersachsen.

  5. Leuphana plant mit hohen Erlösen?

    „Planen“ kann man mit vielem. Aber was macht man in dem hier nicht ganz unwahrscheinlichen Fall, wenn die „Erlöse“ sich nicht einstellen?

    Greift man dann in die Geldbeutel der Lüneburger?

    Oder springt Herr Diplom Kaufmann Jörg Hillmer ein, der stellvertretende CDU-Fraktionschef im niedersächsischen Landesparlament, der meint, der Bau müsse unter allen Umständen her? Wird er, wenn Not am Mann ist, seine Einkünfte reinbuttern oder zehn bis zwanzig Millionen aus seinem Sparstrumpf ziehen, um „der Leuphana Universität insgesamt zum Erfolg zu verhelfen“?

  6. Leuphana bangt um Finanzierungsbausteine

    Unter der Überschrift „Und die Zeit sitzt im Nacken“ fand sich in der letzten Wochenendausgabe der LZ eine recht ausführliche Darstellung der fiskaltheologischen Poesie, welche den wolkigen Untergrund der haltlosen, aber bedrohlich fordernd in die Geldbörsen der Lüneburger schielenden Betonmauern des steuergeldverschlingenden Zentralgebäudemonstrums bildet. Allerdings konnte ihr Autor sich nicht so recht zwischen Sarkasmus und seiner Bereitschaft entscheiden, alle Vernunft auf dem Altar blinder Zuversicht zu opfern.

    Wenn die universitätspräsidialen Keller-Olme mit ihren „kommunikativ“ eingekleideten Windbeuteleien nicht so aufreizend platt und brachial daherrumpelten, würde mancher Betrachter dieses absurden Schauspiels sich wohl an den Ahnherren der schaumrührenden bürgerfoppenden Taschenspieler erinnern:

    Mephistopheles
    Wo guter Wille, kräftig durch Verstand,
    Und Tätigkeit, vielfältige, zur Hand?
    Was könnte da zum Unheil sich vereinen,
    Zur Finsternis, wo solche Sterne scheinen?

    Bürgergemurmel
    Das ist ein Schalk – Der’s wohl versteht –
    Er lügt sich ein – So lang‘ es geht –
    Ich weiß schon – Was dahinter steckt –
    Und was denn weiter? – Ein Projekt –

    Mephistopheles:
    Wo fehlt’s nicht irgendwo auf dieser Welt?
    Dem dies, dem das, hier aber fehlt das Geld.
    Vom Estrich zwar ist es nicht aufzuraffen;
    Doch Frechheit kann´s von Dümmeren beschaffen.

  7. Die furchtbare Schwester des Libeskind-Baus

    Die Elbphilharmonie sollte Hamburg Glanz verleihen. Tatsächlich ist sie ein Albtraum für die Steuerzahler. Ein Untersuchungsausschuss hat die Probleme nun analysiert – der Entwurf des 800 Seiten starken Abschlussberichts ist ein Zeugnis des Schreckens.

    Insgesamt werde der Prachtbau 186 Millionen Euro kosten, hieß es im Sommer 2005. Davon sollten 77 Millionen Euro aus der Stadtkasse kommen, mehr nicht. Ein Hirngespinst. Nach der jüngsten Planung wird die Elbphilharmonie mehr als 860 Millionen Euro verschlungen haben, wenn sie 2017 – und damit acht Jahre später als ursprünglich geplant – ihre Pforten öffnet. Davon kommen 800 Millionen Euro von der öffentlichen Hand. Gegenüber der luftigen Schätzung aus dem Jahr 2005 haben sich die Kosten des „Turmbaus zu Hamburg“ für den Steuerzahler also verzehnfacht.

    Wie so etwas geht, kann man hier nachlesen:

    http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/elbphilharmonie-zeugnis-des-schreckens-12666153.html

    Ein Schelm, wer Parallelen darin sieht.

    Wie sagte Oscar Wilde noch so schön böse? „Man muss schon ein Herz aus Stein haben, um über solche Katastrophen nicht zu lachen.“

  8. Große Bauten werden am Ende immer teurer, das ist doch völlig logisch. Deshalb muss man immer noch einen entsprechenden Zuschlag für Unvorhergesehenes mit einplanen oder alternativ einen Generalunternehmer mit Festpreisangebot finden. Doch das wird auch nicht günstiger, da dort ebenfalls höhere Risikozuschläge eingeplant werden. Zusätzlich besteht das Problem mit der unvorhergesehen Insolvenz. Das wird dann noch teurer.

    Daraus folgt, es ist alles im Plan, wie bei anderen Großprojekten auch. Noch nicht mitbekommen?

  9. Knuth, Sie haben Recht! „Große Bauten werden am Ende immer teurer, das ist doch völlig logisch.“ Bloß wollen viele Nörgler, Bedenkenträger und Pfennigfuchser von solcher „Logik“ eben nichts hören und stellen jede Menge blöder Fragen, bevor sie sichs auf dem Sofa bequem machen und den Tatort einschalten. Deutschland ist eben ein Jammertal, in dem abenteuerabstinente Negativisten, die in einer Neidkultur aufgezogen wurden, kriminelle Fußballmanager im Schuldturm schmoren sehen und tricksende Fachhochschulpräsidiumsschauspieler zur Vorlage solider Finanzierungspläne für überkandidelte Bauvorhaben nötigen wollen.

    Was sind das aber auch für Menschen – allein in Lüneburg! Sie sind niedergeschlagen wie die 68jährige Rentnerin, die unser zentrales Projekt nach der Ferigstellung des 180 Millionen-Leuphana-Zentralgebäudes im Jahre 2019, den Wiederaufbau der Mauer nämlich, mit den Worten kommentiert: „Nein, das ist Unsinn. Es ist halt passiert, und jetzt ist es so.“ Resignation pur! Jede Hoffnung auf ein besseres Morgen ist hier dank der von den Altparteien ständig behaupteten Alternativlosigkeit ihrer Politik zerstoben. Sie sind aber auch aggressiv wie die 55jährige Musikpädagogin, die uns anschreit: „Finde ich scheiße, superscheiße! Wenn man die Mauer wieder aufbauen würde, können sich die Leute nicht mehr besuchen. Das ist ja wohl total reaktionär!“ Vierzig Jahre Hetze haben Verheerungen auch in den Seelen der Wessis hinterlassen.

    Überhaupt, dieser jammernde Tonfall der totalen Verweigerung – immer wieder heißt es: „Scheiße“, „bin dagegen“, „Quatsch“, „nicht mit mir“ und „interessant, aber…“. Wenn mal einer der Passanten auf der Bäckerstraße in den Diskurs einsteigt, artet es gleich wieder in Schwarzmalerei aus. Wie bei dem 22jährigen Studenten, der an einem Wiederaufbau der Mauer nur die Nachteile sehen will: „Isolation“, „Einschränkung der Freiheit“, die halbe Wirtschaft werde zusammenbrechen, weil doch alles auf Investitionen in den neuen Bundesländern ausgerichtet sei. Oder bei der 25jährigen Studentin, die in kleinstkarierter Weise die „Baukosten“ als Argument gegen die Wiedererrichtung der Mauer ins Feld führt. Typisch – so werden in Deutschland begeisternde Visionen gleich wieder kaputtgeredet!