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Den Tätern auf der Spur: Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (l.) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Miriam Staudte lassen sich von Amtsvorsteher Harald Schole die Arbeit von EDV-Fahndern demonstrieren. Foto: t&w
Den Tätern auf der Spur: Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (l.) und die Grünen-Landtagsabgeordnete Miriam Staudte lassen sich von Amtsvorsteher Harald Schole die Arbeit von EDV-Fahndern demonstrieren. Foto: t&w

Mehr Personal für Fahnder

us Lüneburg. Der Hoeneß-Effekt hat auch Niedersachsen und Lüneburg erreicht. Waren es bislang jeweils rund 1200 Selbstanzeigen, die bei den vier niedersächsischen Finanzämtern für Fahndung und Strafsachen im Jahresdurchschnitt eingingen, ist die Zahl der reuigen Steuersünder in diesem Jahr bereits auf 2300 geklettert, etwa ein Viertel davon stammt aus dem Finanzamtsbezirk Lüneburg. „Die Welle wird noch anhalten“, ist Niedersachsens Finanzminister Peter-Jürgen Schneider (SPD) überzeugt.

Erstmals seit seinem Amtsantritt war er gestern nach Lüneburg gekommen, um sich ein Bild über „Stimmung und Bauzustand“ im Finanzamt für Fahndung und Strafsachen an der Horst-Nickel-Straße im Behördenzentrum Ost zu machen. Ein Mitbringsel hatte er auch im Gepäck: Niedersachsen soll in den kommenden fünf Jahren 100 zusätzliche Stellen für die Steuerfahndung erhalten, 20 pro Jahr.

„Ohne Einnahmen keine Ausgaben“, brachte der Minister die frohe Kunde auf den Punkt. Doch nicht zusätzliche Steuereinnahmen stünden für ihn im Vordergrund, sondern mehr Steuergerechtigkeit sei das Ziel, für das er sich einsetze. „Wer Schulen, Straßen und Krankenhäuser nutzt, soll dafür auch Steuern zahlen“, sagte der Minister und kündigte an: „Wir wollen die Maschen enger schließen.“

Wie das konkret vor Ort geschieht, ließ er sich von Erich Bierwirt demonstrieren. Der IT-Spezialist ist einer von fünf EDV-Fahndern, die im Finanzamtsbezirk immer dann eingesetzt werden, wenn Daten gerichtsfest gesichert und ausgewertet werden müssen. „EDV-Forensik“ nennt er seine Tätigkeit, bei der es nicht nur darauf ankomme, die richtigen Informationen in den oft unüberschaubaren Datennetzen von Betrieben und Unternehmen zu finden. Mindestens genauso wichtig sei es, die angefertigten Kopien seiner Recherche so zu sichern, als sei es das Original selbst.

Den fünf EDV-Fahndern stehen in Lüneburg 48 „Papierfahnder“ zur Seite, wie die Kollegen genannt werden, die nach herkömmlicher Art in Dokumenten nach belastbarem Material suchen. „Wir sind gut besetzt“, findet Harald Schole, Vorsteher der Steuerfahnungsbehörde in Lüneburg. Doch in zwei bis drei Jahren wird auch seine Behörde den demographischen Wandel zu spüren bekommen. „Dann werden wir Altersabgänge haben, die durch Neubesetzungen aufgefangen werden müssen“, erklärte Schole.

Dass seine Behörde dann schon von den angekündigten 100 Stellenzuwächsen profitieren wird, scheint jedoch wenig wahrscheinlich. Bis geeignete Bewerber gefunden, ausgebildet und eingearbeitet sind, werden noch ein paar Jahre vergehen.