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Irgendwo mitten in den Anden: Olaf Jansen (2. v. r.) und Sven Freund (l.) haben eine der vielen Polizeikontrollen gut überstanden- im Hintergrund ihr Mototaxi (gelb) und das eines anderen Teams. Foto: nh
Irgendwo mitten in den Anden: Olaf Jansen (2. v. r.) und Sven Freund (l.) haben eine der vielen Polizeikontrollen gut überstanden- im Hintergrund ihr Mototaxi (gelb) und das eines anderen Teams. Foto: nh

Verrückte Rallye mit Dreirad

pet Lüneburg. Mehr als 3000 Kilometer durch die peruanischen Anden. Über unbefestigte Wege und fast 5000 Meter hohe Pässe. Im Schneckentempo die Berge hinauf und mit rasanten 70 km/h wieder hinunter. Und das alles mit einem dreirädrigen „Mototaxi“, elf PS stark, ein Zylinder. Die Lüneburger Olaf Jansen (43) und Sven Freund (40) haben das geschafft und das Abenteuer ihres Lebens bestanden. Sie haben innerhalb von 14 Tagen die Strecke von Cuzco im Süden nach Piura im Norden des Landes zurückgelegt und die Bedingungen des „Mototaxi Junket“ erfüllt, einer der verrücktesten Rallyes der Welt. Nun sind die Abenteurer heil wieder in Lüneburg.

Engländer organisieren den „Mototaxi Junket“ – wobei „Junket“ übersetzt „Vergnügungsreise“ heißt. Ein Ziel: mit der Veranstaltung Geld für wohltätige Organisationen zu sammeln. Das haben auch Jansen und Freund gemacht, die als „Team rastenschleifer-luzato“ an den Start gingen. „Wir wollten 3000 Euro für die Hilfsorganisation Plan International Deutschland zusammenbekommen. Das haben wir erreicht“, erzählt Olaf Jansen. Das Geld soll helfen, „Missbrauch und Gewalt gegenüber Mädchen in Peru einzudämmen“.

30 Teams, die meisten aus den USA, Großbritannien und Australien, machten sich in Cuzco, der 3400 Meter hoch gelegenen Hauptstadt des ehemaligen Inka-Reichs auf den Weg. „Wir haben uns gleich überlegt, einen anderen Weg zu nehmen als die meisten anderen“, erzählt Olaf Jansen. „Es war leider die falsche Entscheidung.“ Enge, unbefestigte Passstraßen lagen vor Jansen und Freund, Gebiete, die von der Polizei wegen dort befindlicher Rebellen als gefährlich eingestuft wurden. Und die beiden hatten auch noch mit unzähligen Pannen zu kämpfen. „Gleich am ersten Tag hatten wir Motor- und Elektrikschäden.“ Und die Reihe der Schäden setzte sich bis zum Ende ihrer Reise fort. Defekte Lampen, abgerissene Ventile, kaputte Ölpumpe, durchgebrannte Kabel, gebrochene Speichen, kaputte Kurbelwelle – kaum ein Teil ihres „Sofabikes mit Gummibremsen“, wie das Mototaxi von Insidern genannt wird, blieb verschont.

Drei Tage verloren Jansen und Freund durch die vielen Reparaturen – entmutigen ließen sie sich nicht. „Irgendwie muss es immer weitergehen“, ist eine Lebensphilosophie von Olaf Jansen. Dennoch wurde es am Ende knapp – die beiden verließen die Route durch die Anden, drehten ab in Richtung Pazifik und legten die letzten 500 Kilometer auf der gut ausgebauten „Panamericana“ zurück. „Am Ziel. Pünktlich. Oder habt ihr daran Zweifel gehabt. Finisher“, meldeten die Lüneburger dann auf ihrem Blog. Und bekamen aus der Heimat auch diese Reaktion: „Ehrlich gesagt – jaaaa!!! Umso toller dass ihr es geschafft habt.“

Nach dem Abenteuer ist vor dem Abenteuer – das findet zumindest Olaf Jansen. Er könnte sich vorstellen, in einigen Jahren eine neue Herausforderung zu suchen – den „Ice Run“. 1800 Kilometer geht es da bei bis zu minus 50 Grad auf russischen Ural-Motorrädern mit Seitenwagen durch Sibirien.