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Studentenvertreter Thorben Peters (vorn) berichtete den Schülern der KGS vom Alltag an der Uni Foto: be
Studentenvertreter Thorben Peters (vorn) berichtete den Schülern der KGS vom Alltag an der Uni Foto: be

Studenten auf Probe stoßen im Uni-Alltag auf Probleme

mm Lüneburg. Was kann ich gut, was eher nicht so? Wo liegen meine Interessen? Und was will ich vielleicht mal studieren? Diese und ähnliche Fragen stellen sich Schüler, wenn es darum geht, ihre Leistungsfächer für die Oberstufe zu wählen. So geht es auch den Zehntklässlern der Kooperativen Gesamtschule in Schwarmstedt. 59 von ihnen waren für zwei Wochen an der Leuphana, testeten quasi als Studenten auf Probe das Lehrangebot.

„Wir wollen, dass die Schüler über den Tellerrand blicken und bei ihrer Fächerwahl sicherer werden“, erläutert Prof. Dr. Kurt Czerwenka, der das Projekt „Studieren probieren“ mit auf die Beine gestellt hat, das zum zweiten Mal stattfand. Es gehe auch darum, Schülern, deren Eltern keine Akademiker sind, die Universitätswelt näher zu bringen und Hemmschwellen abzubauen.

Richtige Uni-Hemmschwellen gab es bei den Schülern nach fast zwei Wochen Infoveranstaltungen rund um Studium und Berufsorientierung, Vorlesungen und Seminare nicht mehr. So war es für Studentenvertreter Thorben Peters schon fast schwierig, den Schülern in seinem Vortrag was Neues vom Uni-Alltag zu erzählen. Dass es deutlich mehr Bewerbungen gibt als Studienplätze zur Verfügung stehen und es daher schwierig ist, einen Platz zu bekommen, darüber waren sich die Schüler im Klaren. Peters verdeutlichte, dass es zwar auf Noten ankomme, es aber auch immer noch Hintertürchen bei der Studienplatzvergabe gibt, etwa durch Aufnahmetests, persönliche Auswahlgespräche oder die Anrechnung von Ausbildungszeiten. Der Sprecher des Allgemeinen Studierenden-ausschusses überzeugte die Schüler, dass die „Universität vor allem ein Ort der selbstständigen Bildung“ sei.

Davon konnten sich die Schüler ein eigenes Bild machen. Den 16-jährigen Felix Rüping interessierten besonders die technischen Vorlesungen, er möchte auch seinen Leistungsschwerpunkt in der Oberstufe auf technische Fächer legen. Da reicht ihm das Angebot an der KGS Schwarmstedt nicht aus. „Ich werde wahrscheinlich wechseln, um die Fächer belegen zu können, die ich möchte“, erklärt der Zehntklässler. Am Uni-Standort Volgershall besuchte er ein Seminar über elektrische Antriebskraft.

Mit seinen Kumpels Florian Wernicke und Jan Tegtmeier nahm Felix auch an einer betriebswirtschaftlichen Vorlesung teil. Für Isabel Schüler, ihre Freundinnen Nadja Böhnisch und Jil Sattler war die erste Woche des Uni-Praktikums lehrreich. Die Schülerinnen gestalteten ihren Uni-Stundenplan unter anderem mit Vorlesungen zu Wirtschaftspsychologie, Management, Rechtswissenschaft und Mathe. Die 16-jährige Nadja weiß schon, dass sie an die Uni möchte: „Ein Studium im Bereich Management verbunden mit Sprache gefällt mir. Daneben tendiere ich auch zu Psychologie.“ Einen Anstoß gab die Vorlesung zu Entscheidungspsychologie. Ein wenig störte es die drei Schülerinnen, dass sie einige Wunschveranstaltungen nicht besuchen konnten, weil die schon belegt waren. Ähnlich erging es Felix und seinen Freunden: „Eine Vorlesung zu Prozessmechanik hätten wir uns gerne angeschaut. Leider ist die ausgefallen“, berichten die Schüler.

In der ersten Woche waren für die Schüler Lehrveranstaltungen vorgegeben, die sie besuchen konnten. In der zweiten Woche sollten diese selbst gewählt werden. „Die Schüler sollten sich selber organisieren. An der Uni ist der Organisationsgrad geringer als in der Schule, der Freiheitsgrad dafür größer“, erklärt Czerwenka.