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Jantje Fischhold hält den Schülern das Mikro unter die Nase, jetzt gilt's: Lion (r.) spricht Henrik, Tomte den Täter, beide meistern ihre Aufgabe mit Bravour. Foto: t&w
Jantje Fischhold hält den Schülern das Mikro unter die Nase, jetzt gilt's: Lion (r.) spricht Henrik, Tomte den Täter, beide meistern ihre Aufgabe mit Bravour. Foto: t&w

Schimpfende Polizisten machen Zeugen zur Schnecke

ahe Lüneburg. Tomte war’s. Als die anderen im Schwimmbad Geburtstag feierten und am Grill hungrig auf die bruzzelnden Würstchen schauten, griff er unbemerkt zu, schnappte sich das Radio, verschwand mit seiner Beute und ruinierte so die Party. Doch Tomte muss sich für seine Tat verantworten, er wird geschnappt, Polizisten legen ihm Handschellen an. Nur gut, dass er das Radio nicht wirklich gestohlen, sondern den Gauner nur gespielt hat oder besser – gesprochen hat. Der Viertklässler nimmt mit seinen Klassenkameraden ein Hörspiel auf.

Der NDR ist an diesem Vormittag vorbeigekommen. Mit seinem Projekt „Hörspiel in der Schule“ tourt ein Team des Senders durch den Norden, will 100 Schulen in zwei Jahren besuchen, um den Kindern ganz praxisnah einen Einblick zu geben, wie ein Hörspiel entsteht. „Wir sind seit einem Monat unterwegs“, sagt Jantje Fischhold, Reporterin der Kinderradioredaktion Mikado. Die Schule Im Roten Felde ist die erste Lüneburger Station für sie und ihren Kollegen Jürgen Kopp. Die Klasse 4a von Lehrer Hendrik Garbers hat sich im Unterricht schon mit dem Thema beschäftigt und über das Hörspiel „Das Wunder von Björn“ gesprochen. Heute werden die Kinder selbst zu Akteuren, schlüpfen in einem kleinen Kriminalstück in die Rollen von Partygästen, Polizisten, Zeugen – und eben einem Langfinger. Dabei dürfen sie auch mal mächtig auf den Putz hauen, als Polizist unglaubwürdige Zeugen verbal zur Schnecke machen oder als Zeuge, der sich nicht ernst genommen fühlt, die Tür zuknallen.

Mit seiner Aktion will der NDR bei den Mädchen und Jungen für Hörspiele werben, ihnen aber auch deutlich machen, wie zeitintensiv deren Produktion ist. So hält Produzent Kopp den Kindern immer wieder das Mikro unter die Nase, damit sie ihren Text wiederholen – mal passen Betonung und Lautstärke schon beim ersten Versuch, doch das ist eher die Ausnahme. „Wir nehmen etwa eineinhalb Stunden auf, am Ende dauert das Hörspiel fünf Minuten“, erklärt Jantje Fischhold. Die Schüler bekommen ihr Werk am Ende auf CD, demnächst soll es zudem eine Plattform geben, auf der dann auch andere nachhören können, welche Rolle ein Hund beim kniffligen Kriminalfall im Roten Feld spielt.