Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Theologische Spots zum Gänsebraten
Hirschschinken, Maronensuppe, Gänsebraten und Nuss-Nugat-Mousse - die Teilnehmer am Lutheressen wurden in diesem Jahr nach langer Zeit wieder einmal im Nordschiff von St. Johannis verwöhnt. Foto: be
Hirschschinken, Maronensuppe, Gänsebraten und Nuss-Nugat-Mousse - die Teilnehmer am Lutheressen wurden in diesem Jahr nach langer Zeit wieder einmal im Nordschiff von St. Johannis verwöhnt. Foto: be

Theologische Spots zum Gänsebraten

us Lüneburg. Die St. Johanniskirche ein Ort irdischer Genüsse? Kirchenbesucher, die am Freitagabend den Gottesraum aufsuchen wollten, um noch einen Blick auf Altar oder Orgel zu werfen oder sich auf das Wochenende einzustimmen, wären auf eine ungewohnte Szenerie gestoßen. An neun festlich gedeckten Tischen, sauber nebeneinander im Nordschiff der Kirche platziert, wurde vornehmst gespeist. Wie in jedem Jahr, hatte die Kirchengemeinde von St. Johannis zum Lutheressen eingeladen. Doch nicht nur der Ort, auch der Rahmen war anders als in den Jahren zuvor.

„Nachdem klar war, dass die Fortsetzung des Lutheressens in der bisherigen Form nicht mehr möglich war, haben wir uns im Kirchenvorstand zusammengesetzt und uns Gedanken gemacht, mit welchem Konzept wir weitermachen wollen“, sagt Pastor Ingo Reimann.

Das Anfang der 90er Jahre von dem damaligen Pastor Jürgen Laufs ins Leben gerufene Benefizessen wurde viele Jahre ehrenamtlich von Rudolf Hölscher und seiner Frau organisiert. Doch im letzten Jahr war Schluss, beide wollten sich altersbedingt die Arbeit nicht mehr antun.

Einfach einschlafen lassen aber wollte der Vorstand die Veranstaltung auch nicht, immerhin kamen jedes Jahr zwischen 300 und 400 Euro an dem Abend zusammen, die stets für Kinderprojekte in der Kirche eingesetzt wurden.

„Das neue Konzept sah vor, dem Abend einen hochwertigeren Rahmen zu geben“, erläutert Florian Rollert, für die Hansestadt im Vorstand vertreten. So wurde Kontakt aufgenommen zu Martin Herzog, Betreiber des Restaurants ‚Zum Alchimisten‘ in Amelinghausen, und zum Lüneburger Weinhaus Wabnitz. Beide zeigten sich von der Idee so angetan, dass sie bereit waren, Speisen, Zubereitung und Getränke für die 72 Gäste an diesem Abend zu übernehmen.

Anfängliche Sorge, der Abend könnte wegen des im Vergleich zu vorangegangenen Lutheressen deutlich höheren Preises von 78 Euro pro Person ein Flop werden, verflog schnell. „Innerhalb kürzester Zeit waren alle Karten weg“, so Reimann. Der Erlös komme dem sozial-diakonischen Projekt „Kirchencafé in St. Johannis“ in der Heiligengeiststraße zugute: „Damit können wir die Betriebskosten für ein ganzes Jahr abdecken.“

Pastor Reimann selbst hatte an dem Abend die Gäste nicht nur mit einer kurzen Andacht begrüßt, er hatte auch das Vergnügen, „theologische Spots“ zwischen den vier Menü-Gängen servieren zu dürfen. Seine Luther-Zitate, passend zu dem eher deftigen Gänsemenü, kamen bei den Gästen gut an, ebenso die musikalische Begleitung mit Sopranistin Hedwig Voss und Johanniskantor Joachim Vogelsänger am Klavier.

„Stimmung, Atmosphäre, Essen, Wein – alles hat gepasst. Unsere Gäste waren sehr angetan“, äußerte Florian Rollert nach dem Abend. Ob es im kommenden Jahr eine Wiederholung gibt, ließ er noch offen.

3 Kommentare

  1. Für mich ist die diese Veranstaltung und sind die Gäste dabei im wahrsten Sinne des Wortes scheinheilig. Sich für 78 Euro mit Delikatessen satt essen und zugleich „ein gutes Gefühl“ zu haben, etwas Gutes getan zu haben. Ist das mit einem christlichen Gewissen vereinbar? Aber wer hat hier eigentlich gespendet? Der Alchimist aus Amelinghausen und das Weinhaus Wabnitz, oder die Gäste. Mir ist eine derartige Veranstaltung suspekt. Sinnvoller und ehrlicher wäre es gewesen, wenn alle 72 Gäste ihre jeweils 78 Euro für die Verköstigung direkt für Bedürftige gespendet hätten. Das wäre wahrscheinlich bei der Steuererklärung auch noch absetzbar. Ob „die Kirche“ wirklich zum Kreis der Bedürftigen zu zählen ist, wage ich jedoch zu bezweifeln.

  2. 72 x 78 macht 5616. Davon gehen (hoffentlich mehr als) +/- 3-400 Euro an Kinderprojekte? Respekt! Welch großzügiges Trinkgeld. Hockt Euch doch nächstes mal vor eines unserer übervollen Asylantenheime oder in Kaltenmoor o.ä. mit Hirschschinken, Maronensuppe, Gänsebraten und Nuss-Nugat-Mousse auf Papptellern, schaut in die Gesichter Eurer begünstigten Gäste und dann entwickeln sich bestimmt interessante Gespräche. Jessus, gehts uns gut!

  3. Über die vorhergehenden Kommentare bin ich doch ziemlich erstaunt.
    Statt sich über die Spende zu freuen, die die Gäste an diesem Abend für einen guten Zweck „ertafelt“ haben, melden sich hier Menschen zu Wort, die vielleicht einer der Todsünden verfallen sind: dem Neid.
    Wahrscheinlich essen die Gäste des Luthermahls auch sonst gut und gern in dieser Stadt, ohne dafür zu spenden: darum mein Dank an Teilnehmer, die dafür einige Euros für das Kirchencafé mehr bezahlt haben.