Donnerstag , 8. Dezember 2016
Aktuell
Home | Lokales | Lüneburg | Wenig Chancen für Solarbahn
Aus dem Kutschengeschäft will Andreas Gensch nach 13 Jahren aussteigen, stattdessen Touristen mit einer Solarbahn durch die Lüneburger Innenstadt fahren. Das geht aber nicht in allen Straßen, argumentiert die Verwaltung. Ein Rechtsstreit droht. Foto: A/jj
Aus dem Kutschengeschäft will Andreas Gensch nach 13 Jahren aussteigen, stattdessen Touristen mit einer Solarbahn durch die Lüneburger Innenstadt fahren. Das geht aber nicht in allen Straßen, argumentiert die Verwaltung. Ein Rechtsstreit droht. Foto: A/jj

Wenig Chancen für Solarbahn

ca Lüneburg. Der Gang vors Verwaltungsgericht scheint programmiert, vermutlich werden Richter darüber entscheiden, ob die sogenannte Bimmelbahn durch Lüneburg fahren darf. Heute tagen Verkehrs-, Bau- und Kulturausschuss gemeinsam, um das Thema zu diskutieren. In der Vorlage für die Politiker erteilt die Verwaltung der Solarbahn eine Absage. Aus den Reihen von SPD und Grünen ist zu hören, dass man dieser Linie folgen will. Stimmen Genossen und Grüne geschlossen ab, haben sie die Mehrheit. Andreas Gensch, der nach 13 Jahren das Kutschengeschäft beenden und künftig eine „Wegebahn“, wie sie im Amtsdeutsch heißt, lenken möchte, schließt bei einem Nein von Politik und Rathaus „gerichtliche Schritte nicht aus“.

Die Geschichte ist bekannt: Seit zwei Jahren plant Gensch, das arbeitsintensive Kutschengeschäft an den Nagel zu hängen, um dann auf die 300 000 Euro teure Solarbahn zu setzen. Sie ist 18 Meter lang, besteht aus Zugmaschine und zwei Wagen, in die rund 60 Fahrgäste passen. Die Waggons sind barrierefrei, sodass auch Menschen mit Gehbehinderungen ohne große Mühe Platz nehmen können. Als Gensch seine Pläne im August erstmals öffentlich vor rund 100 Besuchern im Glockenhaus vorstellte, erntete er überwiegend Kritik: Stadtführer fürchten Konkurrenz. Und immer wieder: Die Bahn passe nicht nach Lüneburg, Stichwort Denkmalschutz. Dem hielt Gensch entgegen, dass auch mit Werbung gestaltete Busse und Taxen durch die Stadt rollen.

Doch die „Optik“ ist ein Argument, das aus Sicht von Juristen und Politikern vor Gericht wohl schnell zu kippen wäre. Die Stadt hat sich zudem Stellungnahmen von sogenannten Trägern öffentlicher Belange eingeholt (siehe nebenstehenden Text), und da stützt sie sich vor allem auf Sicherheitsaspekte, auf die auch die Feuerwehr in einem Statement aufmerksam gemacht hat.

In Kurzform: Die Verwaltung treiben Bedenken wegen des „abwehrenden Brandschutzes“ um, die Bahn sei lang, könne kaum überholt werden. In der Heiligengeiststraße etwa wirke sie wie ein Pfropf, da solle sie nicht fahren. Auch die „Leichtigkeit des Verkehrs“, ein Argument, das die Verwaltung gerne nutzt, um Demos aus der Stadt zu halten, führt das Rathaus entsprechend an. Zudem könnten Gensch andere Solarbahner oder Kutschenbetreiber folgen, das sei zu viel, vor allem, weil es gelte, den Charakter der Fußgängerbereiche zu erhalten. Gefahr dräut auf Rosenstraße/Brodbänken, wo schon heute etwa an Sonnabenden und zu Zeiten des Weihnachtsmarktes wegen des Fußgängergewusels keine Busse rollen. Auch da dürfe die Bahn nicht fahren.

Gensch will sich heute Nachmittag von 15 Uhr an die Argumente im Saal der Feuerwehr anhören. Doch er sagt auch klar, er halte an seinem Vorhaben fest und er benötige die gewohnte Route, sonst fahre niemand mit. Als Kompromiss hat er inzwischen vorgeschlagen, im Winter mit seiner Bahn zu fahren und im kommenden Sommer noch einmal mit seinen Kutschen durch die Stadt zu rollen. Doch von Herbst nächsten Jahres an solle dann endgültig die Bahn Besucher durch die Stadt befördern. Bei einer möglichen Auseinandersetzung vor Gericht, die er im Zweifel gegen die Genehmigungsbehörden führen würde, sieht Gensch sich in einer guten Position. Sein Anwalt habe ihm gesagt, er müsse letztlich keinen neuen Antrag für den Betrieb stellen, da er schon Rundfahrten anbiete. Daraus könne man einen Bestandsschutz ableiten – ob das so ist, ist eine Frage für Juristen.

 

Für den Betrieb müssen Stadt und Landesnahverkehrsgesellschaft Genehmigungen erteilen: Die LNVG ist an Bord, weil sie wie bei Bussen und Bahnen über den Linienbetrieb entscheidet. Der ist bei der Touristenbahn gegeben, da sie feste Haltepunkte und Routen hat. Für das Verfahren benötigt die LNVG eine Stellungnahme der Stadt. Die Stadt wiederum hebt oder senkt den Daumen für „Gelegenheitsverkehre“, also beispielsweise Ausfahrten für eine Schulkasse. Und auch das Rathaus benötigt dafür Stellungnahmen sogenannter Vertreter öffentlicher Belange. Unter den knapp 20 Antworten sprechen sich mehrere wie die für Tourismus zuständige Marketinggesellschaft und das Kloster Lüne für das Vorhaben aus, doch nicht nur Stadtführer und Arbeitskreis Lüneburger Altstadt mögen das Projekt erwartungsgemäß nicht, sondern auch der Verein der Kaufleute und der Handelsverband LCM lehnen es ab. Zudem äußert die Feuerwehr Sicherheitsbedenken. ca