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Kutsche mit Motor: Solche Modelle rollen durch Münster, und die wären nach Meinung von Lesern auch etwas für Lüneburg. Foto: nh/orthey
Kutsche mit Motor: Solche Modelle rollen durch Münster, und die wären nach Meinung von Lesern auch etwas für Lüneburg. Foto: nh/orthey

Zarte Annäherung

ca Lüneburg. Im Streit um die sogenannte Bimmelbahn deutet sich eine Annäherung an, auch wenn die Vorstellungen noch um einiges auseinanderliegen. Das zeichnete sich gestern bei der gemeinsamen Sitzung von Verkehrs-, Bau und Kulturausschuss in der Feuerwache ab, zu der – und das zeigt die Brisanz des Themas – auch mehr als 50 Zuhörer gekommen waren.

Oberbürgermeister Ulrich Mädge könnte sich vorstellen, dass die Stadt Andreas Gensch unterstützt, wenn der statt wie geplant auf die Solarbahn weiter auf Kutschen setzen würde. So seien in der Heide gerade Modelle vorgestellt worden, in die auch Menschen mit Gehbehinderungen einsteigen könnten. Gensch hingegen sagte, denkbar sei, dass er nicht mit einer 18 Meter langen, sondern kürzeren Bahn fahren könne, parallel könnten weiter Kutschen und Pferdehufe übers Pflaster klappern.

Wie berichtet, hatte die Verwaltung eine umfangreiche Stellungnahme erarbeitet, die verschiedene Aspekte beleuchtete. Eine eher geringe Rolle spielt dabei die Optik, also die Meinung, nach der die Bahn nicht zu den alten Giebeln passt.

Der Oberbürgermeister und sein Dezernent Markus Moßmann nahmen vor allem die Sicherheit in den Fokus. In den Straßenzug Rosenstraße/An den Brodbänken könne die Bahn aufgrund ihrer Länge nur schwer einfahren. Zudem herrsche dort an Sonnabenden, verkaufsoffenen Sonntagen und zur Marktzeit Gedränge, sodass der Busverkehr in dem Bereich eingestellt werde. Als problematisch gilt auch die Heiligengeiststraße. Dabei griffen die Verwaltungsvertreter im Wesentlichen auf die Argumentation der Feuerwehr zurück. Die moniert, dass die Bahn vom Lambertiplatz entgegen der Einbahnstraßenregelung in Richtung Sand fährt, das könne zu schwierigen Situationen führen, weil die beiden Wagen und die Zugmaschine kaum überholt werden könnten. Auch wirke die Bahn im Bereich Krone und Mälzer wie ein Pfropf, wenn Feuerwehr und Rettungsdienst im Ernstfall vom Platz Am Sande in die Heiligengeiststraße preschen.

Gerade die Sicherheitsbedenken griffen mehrere Politiker wie Friedrich von Mansberg und Hubert Meißner für die SPD auf. Ähnlich äußerten sich Katharina Gruhl von den Grünen, Birte Schellmann (FDP) und MichÉl Pauly für die Linke.

Eckhard Pols von der CDU plädierte für einen Kompromiss. Selbstverständlich müsse man die Einwände ernst nehmen, aber zu bedenken sei auch, dass mehr Menschen nach Lüneburg kommen, die nicht mehr so gut zu Fuß seien: Vielleicht könne Gensch statt zwei nur einen Anhänger hinter die Bahn hängen. Eine angenommene Brandgefahr relativierte Pols: „Dann dürfen wir auch keine Laster mehr in die Stadt lassen, auch die könnten Feuer fangen.“

Die Stellungnahme der Stadt geht mit Zustimmung der meisten Ausschussmitglieder nun an die Landesnahverkehrsgesellschaft, die darüber befinden muss, ob sie den Linienbetrieb zulässt. Sollten die Sicherheitsbedenken dort keine Berücksichtigung finden, schloss Mädge einen Gang vors Gericht nicht aus. Klar ist jedenfalls: So wie beantragt, wird die Solarbahn nicht rollen.

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