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Der Preisträger Dr. Niels Petersen, eingerahmt von Dr. Rolf Johannes (Museumsverein, links) und Laudator Prof. Dr. Thomas Vogtherr. Foto: t&w
Der Preisträger Dr. Niels Petersen, eingerahmt von Dr. Rolf Johannes (Museumsverein, links) und Laudator Prof. Dr. Thomas Vogtherr. Foto: t&w

Die Stadt vor den Toren

oc Lüneburg. Heute sind Städte aus friedlichem Grund froh, wenn sie eine Stadtmauer haben. Sie ist touristisch wertvoll und stärkt das Bewusstsein für die Bedeutung der Stadt. Stadtmauern, deren älteste 7000 vor Christi in Jericho errichtet wurde, boten einst Schutz vor dem Feind und halfen, die Bevölkerung zu kontrollieren. Was innerhalb der Mauern geschah, ist Stadt um Stadt gut erforscht. Wie es um die Stadt vor den Toren bestellt war, hat Dr. Niels Petersen untersucht. Für seine Doktorarbeit über Lüneburg und sein Umland im Spätmittelalter erhielt der Göttinger Historiker jetzt den zum ersten Mal verliehenen Forschungspreis Lüneburger Geschichte.

Zwei Ziele verfolgt der mit 5000 Euro dotierte Preis, den der Museumsverein für das Fürstentum Lüneburg alle drei Jahre ausloben will. Der Preis soll das Bewusstsein für die Bedeutung schärfen, die das Forschen in Museen besitze, sagte der Vereinsvorsitzende Dr. Rolf Johannes. Zweitens soll vermittelt werden, dass Lüneburg ein attraktiver Gegenstand der Forschung sei.

Ein Bekenntnis zur Bewahrung des kulturellen Erbes legte im sehr gut besuchten Fürstensaal Oberbürgermeister Ulrich Mädge ab. Dafür stehen aktuell die Gründung der Museumsstiftung und der Neubau an der Willy-Brandt-Straße.

Verdienst des Preisträgers ist es, im Detail aufzuschlüsseln, wie bedeutsam das Umland für das Funktionieren der Stadt Lüneburg war. Es geht um komfortable, sichere Straßen und Brücken für den Salztransport und darum, wie Verkehrsströme in die Stadt und an ihre Kontrollpunkte gelenkt wurden, Stichwort: Landwehr. Auch die Kontrolle über Baumaterial aus Wäldern, Lehm- und Tongruben vor der Stadt verband das Innen und das Außen. Prof. Dr. Thomas Vogtherr wies in seiner Laudatio auf einen weiteren von Dr. Petersen behandelten Ort hin: Mit dem Hospital St. Nikolai in Bardowick entstand „ein wahrlich einzigartiges Bauensemble, zu dem es in Gesamteuropa kaum Entsprechungen gibt“.

Vogtherr kennt das Thema, er hatte Anfang der 80er-Jahre über Lüneburger Landadel im Spätmittelalter geforscht. Er lehrt heute in Göttingen und ist Vorsitzender der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. Vogtherr gehörte zur Jury, die zahlreiche preiswürdige Arbeiten zu sichten hatte, darunter solche zur NS-Zeit und zum Nikolaihof.

Der aus Lübeck stammende Preisträger erwähnte in seinen Dankesworten, bei der Themenwahl seiner Dissertation einer „irrationalen Neigung zu Lüneburg“ gefolgt zu sein. Dr. Petersen äußerte sich begeistert über das Stadtarchiv, „eines der angenehmsten in Niedersachsen“. Dessen Leiter Dr. Thomas Lux wird das gern gehört haben. Er hatte zwei Filme mitgebracht, die Lüneburg in den 60er-Jahren zeigten. Matthias Herrmann vom Theater Lüneburg las parallel Lüneburg-Reiseberichte aus der Feder von Thomas Hodgskin (1820) und Hermann Löns (1897).

Dr. Petersens Dissertation „Die Stadt vor den Toren“ wird zu einem Buch aufgearbeitet.