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Offen berichtet Meike Preußner, dass sie trotz zahlreicher Diäten und Ernährungsberatung immer weiter an Gewicht zulegte. Zwischenzeitlich brachte die 24-Jährige 152 Kilo auf die Waage. Auch aus Sorge über mögliche Folgeerkrankungen durch das massive Übergewicht entschloss sie sich schließlich zu einer Magen-Bypass-Operation.
Foto: t & w
Offen berichtet Meike Preußner, dass sie trotz zahlreicher Diäten und Ernährungsberatung immer weiter an Gewicht zulegte. Zwischenzeitlich brachte die 24-Jährige 152 Kilo auf die Waage. Auch aus Sorge über mögliche Folgeerkrankungen durch das massive Übergewicht entschloss sie sich schließlich zu einer Magen-Bypass-Operation. Foto: t & w

„Auf jeden Fall will ich unter 100 Kilo“

as Lüneburg. Immer mehr Menschen in Deutschland leiden unter extremem Übergewicht. Die Folge sind Begleiterkrankungen wie Herz-Kreislauf-, Gelenkerkrankungen oder Zuckerkrankheit. Wenn die Umstellung der Ernährung und des Lebensstils nicht fruchten, bieten sich chirurgische Eingriffe an. Das Klinikum Lüneburg hat jüngst den Behandlungszweig Adipositasmedizin und -chirurgie eingerichtet. Meike Preußner (24) ist die erste Patientin, die einen Magen-Bypass erhielt.

Moppelig sei sie schon als Kind gewesen, „das liegt ein bisschen in der Familie“, sagt Meike Preußner. Im Laufe der Jahre kam Pfund zu Pfund. Sie sei eine „Zuckerschnute“ gewesen, Coca-Cola war ihr Lieblingsgetränk in Kombi mit Chips. Im Kampf gegen die Pfunde habe sie unzählige Diäten ausprobiert, alles was so angepriesen wird – mit dem bekannten Jojo-Effekt. „Nach Beendigung der Diät kam das verlorene Gewicht doppelt drauf.“ Dabei ist Meike Preußner kein Bewegungsmuffel, reiten ist ihre Leidenschaft und sie schwimmt gerne. Dennoch: Irgendwann hatte sie schwer zu tragen, 152 Kilo zeigte die Waage an.

„Ich bin Tierarzthelferin in einer Pferdeklinik, mag meinen Job. Beim Vortraben ist mir immer öfter die Puste ausgegangen. Ich hatte Sorge, dass meine Gelenke durch das Übergewicht kaputt gehen und ich meinen Job nicht mehr ausüben kann“, beschreibt sie die Gründe, warum sie sich für einen chirurgischen Eingriff entschied. Außerdem hätten bereits Schwester und Schwager infolge solcher Eingriffe erheblich Gewicht verloren: „Man hat den Erfolg vor Augen und bei einem selbst funktioniert das Abnehmen trotz Ernährungsberatung und Diäten nicht.“ Als sie mit ihrer Mutter über eine mögliche Magen-Verkleinerung sprach, „war die erst nicht begeistert. Überzeugt hat sie dann, als ich sagte: ,Ich möchte mein Leben noch leben und genießen, durch das Übergewicht ist es total eingeschränkt‘.“ Und die junge Frau weiß auch: Neben Gelenkproblemen können Diabetes sowie Atemaussetzer während des Schlafens zu schwerwiegenden Belastungen führen.

Zahlreiche Studien sprechen inzwischen dafür, „dass ab einem Körpermasseindex (BMI) 35 ein chirurgischer Eingriff die effektivste Therapie ist“, sagt Oberarzt Birger Martens, der die Adipositasmedizin und -chirurgie am Klinikum leitet. Am 21. Oktober erfolgte bei Meike Preußner die Magen-Bypass-Operation. Martens erläutert: „Der Magen wird deutlich verkleinert, der Dünndarm zum Magen hochgezogen. Ziel ist es, dass durch die Verkleinerung die Nahrungsaufnahme beschränkt wird und durch die Operation werden zwei Meter des Dünndarms aus der Nahrungsaufnahme ausgeschaltet.“ Der Eingriff wurde minimal-invasiv durchgeführt, auch weil große Schnitte bei schwer übergewichtigen Menschen zu Problemen führen können. Zu den Risiken einer solchen Operation sagt der Mediziner: „Folge können Blutungen sein, Wunden können sich entzünden. Grundsätzlich sind übergewichtige Personen eher von Thrombosen betroffen, die zu einer Lungenembolie führen können.“

Dreieinhalb Wochen nach dem Eingriff fühlt sich Meike Preußner fit. 18 Kilo hat sie seither verloren. Direkt nach der OP habe sie erst nur breiige, flüssige Nahrung zu sich nehmen können, „dann testet man aus, was man verträgt“, erzählt sie. „Es lebt sich ganz normal, nur, dass man nicht mehr so viel Nahrung aufnehmen kann und das Sättigungsgefühl früher eintritt.“ Japp auf Cola, früher gerne drei Liter am Tag, habe sie nicht mehr. Stattdessen trinkt sie Tee und stilles Wasser, „da Kohlensäure zu einem unangenehmen Aufstoßen führt“. Wenn sie ein Hungergefühl hat, trinkt sie erst einmal einen Schluck Wasser, „um zu testen, ob es wirklich Hunger oder Durst ist. Das hat mir die Ernährungsberaterin empfohlen, die mich jetzt begleitet“, berichtet sie.

Da infolge der Magenverkleinerung nicht mehr alle Nährstoffe ausreichend aufgenommen werden können, muss sie Nahrungsergänzungsmittel wie Vitaminpräparate und Kalzium zu sich nehmen, außerdem Magenschutzmittel als Säureblocker. Zwei Jahre stehen regelmäßige Kontrollen im Klinikum an. Auf die Frage, welches Gewicht sie anstrebe, sagt sie: „Auf jeden Fall unter 100 Kilo, da bin ich realistisch.“

Birger Martens meint, dass die Patientin das in einem Jahr geschafft haben wird. Danach werde sie wieder leicht zunehmen. Aber auf die Dauer helfe eine Magenverkleinerung, weil sogenannte Hungerhormone dem Gehirn ein Sättigungsgefühl melden. Bei der Jahrestagung der Deutschen Adipositas-Gesellschaft hatte Präsident Martin Wabitsch jüngst gesagt: „Adipositas ist eine Krankheit des Gehirns, nicht ein Lebensstil-Phänomen.“