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Knallige Farben und verschiedene Muster: die bunten Häkelmützen haben es Max (l.) und Christian angetan. Wann immer die Jungs Zeit finden, häkeln sie. Nicht etwa Mädchenkram, finden sie, sondern "eine echt coole Beschäftigung". Foto: t & w
Knallige Farben und verschiedene Muster: die bunten Häkelmützen haben es Max (l.) und Christian angetan. Wann immer die Jungs Zeit finden, häkeln sie. Nicht etwa Mädchenkram, finden sie, sondern "eine echt coole Beschäftigung". Foto: t & w

Eine ziemlich coole Masche

off Lüneburg. Wer Christian nach seinen Hobbys fragt, bekommt als Antwort Handball, Zeichnen und Häkeln. Handball, klar. Zeichnen, nicht ungewöhnlich für einen Zwölfjährigen. Aber Häkeln? Als Junge? „Na klar“, sagt Christian. Und sein Freund Max springt ihm zur Seite. „Häkeln ist cool.“ Was die beiden Siebtklässler häkeln, ist allerdings nicht irgendetwas – Max und Christian stellen MyBoshis her, bunte Häkelmützen, die an Coolness kaum zu überbieten sind. Überall im Land sind Mädchen und Jungen, Männer und Frauen im MyBoshi-Fieber, ein Trend, den 2009 ebenfalls zwei junge Männer ins Leben gerufen haben: Thomas Jaenisch und Felix Rohland aus Oberfranken.

Entdeckt haben die MyBoshi-Gründer ihre Leidenschaft für Wolle und Nadel während einer Skifreizeit in Japan – und machten daraus in Deutschland schließlich ein Geschäft unter dem Kunstnamen My (engl. meine) und Boshi (japanisch für Mütze). Längst gehören ihre Bücher mit Häkelanleitungen zu den meistverkauften Handarbeitsbüchern in Deutschland, haben sie den Umsatz seit der Gründung ihrer Firma im März 2009 jährlich vervielfacht. Mit MyBoshi haben sich Jaenisch und Rohland an die Spitze der Handarbeitsbewegung gesetzt. Und mit ihrem Trend auch Max und Christian angesteckt.

Mittags nach der Schule, am Wochenende, abends beim Fernsehen oder nachmittags beim Hörbuchhören, die beiden Jungs aus Ochtmissen häkeln, wann immer sie Zeit finden. „Das ist eine coole Beschäftigung“, sagt Max, „und wer sagt eigentlich, dass Jungs Fußball spielen müssen und Handarbeit nur was für Mädchen ist?“

Trotzdem kennen auch Max und Christian dumme Sprüche, Kommentare wie „Jungs häkeln nicht“ und so. „Wir lassen uns aber nicht ärgern“, sagt Christian. Außerdem fänden die meisten seiner Freunde MyBoshi mittlerweile so cool, dass sie selbst so eine Mütze haben wollen – und bei ihm oder Max eine in Auftrag geben. Fünf Euro nehmen die Jungs als Häkellohn, zwischen sieben und elf Euro kommen fürs Material dazu. Ein Schnäppchen im Vergleich zu den 45 Euro, die eine MyBoshi-Kreation bei den Gründern im Internet kostet. Und mindestens genauso cool. Wenn nicht noch cooler. Denn auf Wunsch häkeln die Jungs auch ganz besondere Sonderanfertigungen wie Christians aktuelles Projekt: eine gelb-schwarze Borussia-Dortmund-Mütze.

Wie angesagt die bunten Häkelmützen auch bei anderen Lüneburgern sind, weiß Roswitha Buchhorn. Seit dem Ausbruch der My-Boshi-Manie kommen täglich junge Männer, Frauen, Jungs und Mädchen in ihr „Wollhaus Knaacke“, um die knallbunte original My-Boshi-Wolle zu kaufen. „Zeitweise war die Nachfrage sogar so groß, dass wir Probleme hatten, neue Ware zu bekommen“, sagt sie. Auch Christian kommt jeden Freitag in ihren Laden, um Wolle zu kaufen – und sich fürs Wochenende zu rüsten.

Angesteckt hat sich Christian mit dem Häkelfieber bei seiner kleinen Schwester Helene, die in der Grundschule die Häkel-AG besucht. Seit auch er MyBoshis häkelt, sitzen die Geschwister oft zusammen auf dem Sofa und frönen ihrer neuen Leidenschaft. „Wie ein altes Ehepaar“, scherzt Mutter Kirsten Lichtenstein. Oder wie die MyBoshi-Gründer bei unzähligen Auftritten für Presse, Funk und Fernsehen.

VIDEO:

Video MyBoshis