Dienstag , 27. September 2016
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Sie alle nutzen Facebook, wenn auch sehr unterschiedlich: (v.l.) Lehrer Siad Tonma, Schülerin Jennifer Tabea Block, Lehrer Ingo Schneider und Schüler Manuel Soetbeer. Foto: t&w
Sie alle nutzen Facebook, wenn auch sehr unterschiedlich: (v.l.) Lehrer Siad Tonma, Schülerin Jennifer Tabea Block, Lehrer Ingo Schneider und Schüler Manuel Soetbeer. Foto: t&w

Mein Freund, der Herr Lehrer

jae Lüneburg. Einmal pro Halbjahr heißt es für Ingo Schneider: Reinemachen. Nicht mit Lappen und Feudel, auch nicht im Vorgarten oder dem Kleiderschrank. Der Lehrer räumt seine Freundesliste bei Facebook auf, löscht alle Kontakte, die nicht mehr aktuell sind. Darunter auch Gesichter, die Schneider noch von der Schulbank kennt. Ehemalige Schüler, die auch in der virtuellen Welt mit ihrem Lehrer Kontakt halten wollten, der dann allzu oft trotzdem abbricht.

Freundschaften zwischen Lehrern und Schülern – in der Realität sind sie die absolute Ausnahme, beim Internet-Netzwerk Facebook dagegen ist eine solche Freundschaft zwischen Pädagoge und seinem Schützling schnell geknüpft. Doch viele Lehrer, wenn überhaupt selbst bei Facebook vertreten, scheuen die scheinbare Nähe – und auch viele Schüler wollen nicht, dass ausgerechnet ihr ungeliebter Mathe-Pauker allzu viel Privates über sie erfährt. In Rheinland-Pfalz hat das dortige Bildungsministerium den Lehrern solche Facebook-Freundschaften mit Schülern bereits verboten, auch in Bayern und Baden-Württemberg gilt ein dienstliches Facebook-Verbot für Lehrer. Niedersachsen dagegen setzt weiterhin auf die Eigenverantwortung der Lehrer im Umgang mit den sozialen Netzwerken.

Von grundsätzlichen Verboten hält Ingo Schneider nichts: Verbieten sei immer schlecht, Aufklärung besser. Der Lehrer war über Facebook mit Schülern befreundet und hat dabei seine eigenen Erfahrungen gemacht: „Ich habe gemerkt, dass bestimmte Bereiche von Schülern bedient werden, die ich auf gar keinen Fall wissen möchte. Zum Beispiel, dass kritische Sachen über Kollegen geschrieben werden oder dass man mich einlädt zu Farmville-Spielen.“ Er entschied sich schon bald dafür, alle aktuellen Schüler aus der Freundesliste zu löschen. Nicht bloß aus Eigennutz: „Das war für mich die Erkenntnis: Ich wollte sozusagen die Privatsphäre der Schüler nicht stören. Dass sie frei kommunizieren, wie sie wollen“, sagt Schneider. Private Freundschaftsanfragen nimmt der Erdkunde- und Musiklehrer heute nur noch von ehemaligen Schülern an: „Da ist es eindeutig, dass sie eine gewisse Reife haben.“

Wie Ingo Schneider nutzen viele Lehrer der Herderschule Facebook. Nur die wenigsten von ihnen suchen jedoch online den Kontakt zu ihren Schülern. „Das meiden sie wie die Pest“, ist sich Schneider sicher, nachdem er mit Kollegen im Lehrerzimmer darüber gesprochen hat. Zu diesen Lehrern gehört Siad Tonma. Er lehne Facebook-Freundesanfragen von Schülern prinzipiell ab: „Ich finde, dass es Arbeit und Privatleben gibt – und das ist für mich getrennt. Mit ehemaligen Schülern habe ich entweder direkt noch Kontakt oder über E-Mail, aber Facebook ist ein Bereich, der ist für mich privat.“

Der Lehrer für Spanisch und Französisch leitet die Arbeitsgemeinschaft der Schülermedientrainer an der Herderschule. Das Prinzip ist einfach: Zwei Mal im Jahr gehen die älteren Schüler in die 5. bis 8. Klassen und sprechen mit ihren jüngeren Mitschülern über Potenziale und Gefahren der sozialen Netzwerke und digitalen Medien. Jennifer Tabea Block und Manuel Soetbeer haben sich vor zwei Jahren zu Schülermedientrainern schulen lassen. „Wir Schüler wissen, wie Facebook funktioniert, haben eigene Erfahrungen. Wir versuchen, den Schülern die Gefahren im Netz klarzumachen, aber nichts zu verbieten“, nennt Jennifer die Strategie.

Private Facebook-Freundschaften zu Lehrern wollen die beiden Elftklässler nicht. Manuel: „Ich möchte auch gar keine Lehrer auf meinem Profil haben. Wenn ich mit ihnen befreundet wäre, wüssten sie ja auch alles von mir.“ Anders sieht es bei jüngeren Schülern aus, glaubt Jennifer: „Ich kann mir vorstellen, dass die es interessant finden, auf Facebook ihre Lehrer zu kontaktieren. Wir Älteren wollen diese Freundschaft gar nicht. Wir sehen unsere Lehrer fast jeden Tag in der Schule, das reicht dann auch.“