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Superintendentin Christine Schmid hielt die Ansprache bei der zentralen Gedenkfeier auf dem Lüneburger Zentralfriedhof. Foto: be
Superintendentin Christine Schmid hielt die Ansprache bei der zentralen Gedenkfeier auf dem Lüneburger Zentralfriedhof. Foto: be

Volkstrauertag muss ein Lerntag sein

as Lüneburg. „Durch Trauern wird das Herz gebessert. Das Herz unserer Gesellschaft braucht Volkstrauer als eine ehrliche und als empathische Trauerarbeit an den Gräbern. Sie braucht Transparenz und Didaktik, damit, wenn in der Zukunft immer weniger Betroffene unter uns leben, Wissen nicht verloren geht und Erfahrungen weitergegeben werden können.“ Das sagte Superintendentin Christine Schmid bei der Gedenkfeier des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge am Volkstrauertag auf dem Zentralfriedhof.

Tausende gedachten bei Feierstunden in Stadt und Kreis der Opfer von Kriegen, Vertreibung, Gewaltherrschaft und Terror. Auch am Ehrenmal für die ermordeten KZ-Häftlinge im Tiergarten und am Mahnmal an der Lindenstraße wurden Kränze niedergelegt.

Superintendentin Christine Schmid entfaltete ihre Ansprache an der Stelle im Predigerbuch der Bibel, wo es heißt: Durch das Trauern wird das Herz gebessert. Das Gräberfeld, „an dem wir uns versammeln“, könne helfen, den Sinn dessen zu verstehen. Denn nicht nur deutsche, auch russische, italienische, französische, ungarische und belgische Tote seien hier begraben. „Trauer, die das Herz eines Volkes bessern soll, sie darf nie exklusive Trauer sein – sie umfasst immer auch die Toten der anderen. So kann Trauer sogar verbinden – in Europa und darüber hinaus.“ Die schwierigste Facette sei vielleicht, um Opfer und Täter angemessen zu trauern. Derer zu gedenken, die Opfer von Massenmord, Vertreibung, Flucht und Verfolgung wurden, wie auch derer, die in Erfüllung des Kriegsdienstes gestorben sind, „die häufig Opfer und Täter zugleich waren“. Christine Schmid: „Trauer, die das Herz eines Volkes bessert, muss sich ehrlich angemessen mutig und demütig auch mit der Schuld auseinandersetzen, die Menschen im Krieg auf sich luden. Letzte Urteile erwarten wir von der Transzendenz Gottes.“

Für eine „besondere Irritation“ beim Gang über das mahnende Gräberfeld sorge, dass neben Wehrmachtssoldaten, Zivilisten und Zwangsarbeitern auch Angehörige der gefürchteten SS hier begraben liegen. „Wie können wir damit umgehen, dass Kriegsopfer und Kriegstäter hier gemeinsam betrauert werden?“ Die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes habe ihr tiefes Entsetzen darüber zum Ausdruck gebracht. „Ich kann das gut verstehen. Aber ich denke, wir müssen die Spannung aushalten und sie nutzen, um unsere Trauer noch einmal zu vertiefen.“ Dass sich das Böse dem Menschen bemächtigen konnte und kann, müsse stärkste Mahnung für jeden sein: „Wehrt den Anfängen. Beugt der Gewalt vor in all ihren Facetten. Arbeitet für den Frieden.“ Schmid dankte dem Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, der Aktion Sühnezeichen und Raabe-Schülern für ihre Erinnerungsarbeit an den Gräbern. „Volkstrauertag, das muss in Zukunft immer mehr ein Lerntag sein.“

Am Reiterdenkmal im Clamartpark hat sich auf dem Sockel eine „Opfergruppe“ niedergelassen. Die Initiative „dragoner-denk-mal-nach“ hat die „Patenschaft“ übernommen, „will damit aller zivilen Opfer gedenken, die durch Militäreinheiten der Garnisionsstadt Lüneburg ums Leben kamen“, heißt es. Oberbürgermeister Ulrich Mädge sagte dazu: „Man kann auf verschiedene Art und Weise an einem Denkmal den Toten gedenken.“

One comment

  1. Markus Brinkmann

    Warum müssen auch zur Gedenkveranstaltung am Volkstrauertag die Mandatsträger der SPD mit roten SPD-Regenschirmen erscheinen. Das ist ein Gedenktag nicht Parteitag!