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Zwei Beispiele für gelungenen Erdgeschossumbau im Zuge von Sanierungen. Foto: stadt
Zwei Beispiele für gelungenen Erdgeschossumbau im Zuge von Sanierungen. Foto: stadt

Applaus für das neue Regelwerk

as Lüneburg. Großes Lob gab es von Politik und beratenden Mitgliedern des Bauausschusses für den 3. Entwurf der Gestaltungssatzung, den Stadtbaurätin Heike Gundermann im Ausschuss vorstellte. Eberhard Manzke (CDU) meinte: „Die Satzung erreicht 95 Prozent des Optimums, ist 100 Prozent besser als die alte Satzung.“ Deshalb solle die neue möglichst schnell verabschiedet werden. Der Beschluss soll gefasst werden im nächsten Bauausschuss Anfang Dezember, inklusive einer Evaluierung über zwei Jahre. Mittels dieser soll aufgelistet werden, welche Anträge gestellt und wie sie beschieden werden mit dem Ziel, dass es in Detailpunkten eventuell Nachbesserungen geben könnte. Eine Richtlinie für die Außenmöblierung soll extra erstellt werden.

Die alte Gestaltungssatzung entstand 1978, damals auf Initiative des Arbeitskreises Lüneburger Altstadt (ALA), der dafür rund 2000 Unterschriften sammelte und inhaltlich mitwirkte. Inzwischen wird sie den Bedürfnissen des heutigen Alltags nicht mehr gerecht. Gundermann betonte, dass es eine verantwortungsvolle Aufgabe bleibe, das historische Stadtbild zu erhalten. Fünf Jahre sind nun ins Land gegangen, seitdem der Rat eine Novellierung der Gestaltungssatzung beschlossen hatte. In dieser Zeit habe man sich auch externen Sachverstands bedient, Satzungen anderer Städte herangezogen und Gesetzesänderungen mit einbezogen, um das neue Regelwerk auf den Weg zu bringen. An dem Prozess beteiligt wurden Träger öffentlicher Belange wie auch Bürger, die Einwände und Wünsche einbringen konnten, die die Verwaltung abgewogen hat. Der Geltungsbereich umfasst das Gesamtensemble Altstadt Lüneburg, Kloster Lüne sowie den Sole-Brunnen.

Stadtbaurätin Heike Gundermann gab einen umfassenden Überblick dazu, welche Regeln die Satzung vorgibt, wenn Gebäude saniert oder modernisiert werden sollen. Diese beziehen sich auf die Gestaltung von Dächern, Fassaden, Fenstern, Türen, Schaufenstern, Markisen, Solaranlagen und Werbeanlagen. Der Entwurf steckt den Rahmen dafür ab, was möglich ist und begründet dies ausführlich. Mit einer Power-Point-Präsentation zeigte Gundermann unter anderem Beispiele von gelungener Sanierung, die sich zum Beispiel bei der Fassaden- oder Schaufenstergestaltung an historischen Architekturelementen orientiert haben. Sie erläuterte auch, was in Sachen Werbeanlagen möglich und nicht möglich ist. Der Rahmen sei so gesetzt, um groß, grell und billig entgegenzuwirken, fasste die Stadtbaurätin zusammen.

Sie machte auch deutlich, dass es oft ganz gegensätzliche Dinge seien, die sich zum Beispiel der ALA und die Handelsorganisation Lüneburger City Management (LCM) wünschten. „Deshalb bedarf es klarer, transparenter Regeln.“

Christian Burgdorff, beratendes Mitglied des ALA im Ausschuss, sagte: „Wir konnten feststellen, dass viele unserer Anregungen Eingang gefunden haben, wir haben ein gutes Gefühl und bitten um die Zustimmung für den Entwurf.“ Auch was das Inhaltliche anginge, „sind wir sehr zufrieden“. Kritikern „wie der Gastronomie“ hielt er entgegen: „Sie mögen bedenken, dass sie vom Stadtbild leben. Deshalb sollten sie Interesse daran haben, dass es erhalten bleibt.“

LCM-Chef Heiko Meyer meinte: „Wir begrüßen es total, dass es vorangeht.“ Der Entwurf sei eine „tolle Sache“, wenn auch die LCM im Detail zum Beispiel bei der Sockelhöhe von Schaufenstern eine andere Vorstellung habe.

Rainer Petroll von den Linken lobte die Verwaltung für ihre gute Arbeit. „Wir begrüßen die neue Gestaltungssatzung, weil es in den 50er-, 60er-und 70er-Jahren in Lüneburg viele Bausünden gegeben hat. Das hat der ALA unter anderem in seinem Abrisskalender dokumentiert.“ Das dürfe sich nicht wiederholen. Zustimmung auch von Frank Plesse, beratendes Mitglied vom Verein Bauhütte, für das Regelwerk, in das Abwägungen eingeflossen seien. Es enthalte eine „gewisse Flexibilität“, allerdings auch Verschärfungen, was zum Bespiel die Materialwahl von Fenstern angehe, das sieht die Bauhütte skeptisch. In der Fraktion wolle man sich noch einmal besprechen, „aber wir werden der Satzung zustimmen“, kündigte Klaus-Dieter Salewski für die SPD an. Auch Andreas Meihsies (Grüne) dankte Gundermann und ihrem Team für die Arbeit. Die Evaluierung sei eine Super-Idee. Es werde eine große Mehrheit für die Satzung geben. Sein Fraktionskollege Ulrich Löb würde sich allerdings einen Gestaltungsbeirat wünschen. CDU-Mann Manzke hielt dagegen: „Der kann nur beraten, aber nicht entscheiden.“