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Kämpfen gemeinsam gegen häusliche Gewalt: Eleonore Tatge (l.) vom Präventionsteam der Polizei und Christine Ullmann, Gleichstellungsbeauftragte von Stadt und Kreis. Foto: t&w
Kämpfen gemeinsam gegen häusliche Gewalt: Eleonore Tatge (l.) vom Präventionsteam der Polizei und Christine Ullmann, Gleichstellungsbeauftragte von Stadt und Kreis. Foto: t&w

Opfern eine Adresse geben

us Lüneburg. Keinen „Showdown“, aber einen eindrucksvollen Countdown gab es gestern Mittag auf dem Marktplatz. An die 300 leuchtend-blaue Schirme öffneten sich kurz nach 12 Uhr zeitgleich auf das Kommando von Polizeipräsident Friedrich Niehörster und setzten so ein beeindruckendes Zeichen: Nein zu häuslicher Gewalt. Etwa 2000 Straftaten mit Gewalt in der Familie ereignen sich jedes Jahr allein im Bereich der Polizeidirektion Lüneburg. „Jede einzelne ist eine zuviel“, sagt Eleonore Tatge vom Runden Tisch gegen Gewalt in der Familie, der zur Schirm-Aktion aufgerufen hatte.

„Mehr als 80 Prozent der Gewalttaten in der Familie werden von Männern verübt, auch wenn das an Stammtischen gelegentlich anders gesehen wird“, sagte Niehörster. Viele Frauen ertrügen die Situation, „verhalten sich defensiv und leiden still“, so der Polizeipräsident. Die Opfer meldeten sich oft viel zu spät, meist erst dann, wenn es bereits zu Übergriffen innerhalb der Familie gekommen ist. Die Schirm-Aktion soll daher nicht nur auf die Situation aufmerksam machen, „sondern den Opfern auch eine Adresse geben, zu der sie geräuschlos Kontakt aufnehmen können“. Die Adresse zeigte sich dann beim Aufspannen der Schirme: www.gegen-gewalt-in-der-familie.de.

Für mehr Öffentlichkeit sprach sich auf dem Marktplatz auch Gerhard Berger, Chef der Lüneburger Staatsanwaltschaft, aus. „Die Zahl der Übergriffe werden wir nur dann senken können, wenn wir nachhaltig ins Bewusstsein rücken, dass wir hier ein Problem haben“, so Berger gegenüber Carlo Eggeling von der Landeszeitung, der die anwesenden Vertreter des Runden Tisches interviewte.

Auf die Not der Kinder lenkte Monika Montz vom Kinderschutzbund Lüneburg den Blick: „Kinder leiden unermesslich, wenn Eltern aufeinander losgehen oder Väter prügeln.“ Und Kerstina Peck von MaDonna ergänzte: „Häufig kommen junge Mädchen und Frauen zu uns, die in ihrer Familie bedroht sind.“

Begeistert von der Aktion zeigte sich Hanna Schütz von der Lüneburger Beratungs- und Interventionsstelle BISS. Ihre Einrichtung ist „die erste Anlaufstelle nach der Polizei“ und informiert Opfer von Männergewalt vertraulich, wie sie aus den Situationen wieder herauskommen können.

Begleitet wird die Anti-Gewalt-Aktion von einer Anzeigenkampagne, die jetzt in LZ und Lünepost gestartet ist. Auf dem Motiv sind drei Finger zu sehen, sie stellen eine Mutter und ihre zwei Kinder dar. Darüber in großen Lettern: Familie schützt! „Wir wollen damit zeigen, dass Familie auch dann ein Schutzraum ist, wenn der Vater fehlt“, sagt Eleonore Tatge.