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Helen Lange leitet das Büro von Infoline. Sie steht vor einem Plakat, auf dem die Sängerin Sarah Connor für eine Aufklärungskampagne der Aidshilfe wirbt. Die Infoline ist zu erreichen unter Tel.: 9 97 53 58. Foto: ca
Helen Lange leitet das Büro von Infoline. Sie steht vor einem Plakat, auf dem die Sängerin Sarah Connor für eine Aufklärungskampagne der Aidshilfe wirbt. Die Infoline ist zu erreichen unter Tel.: 9 97 53 58. Foto: ca

Ein fast normales Leben

ca Lüneburg. Rund 78 000 Menschen in Deutschland tragen Schätzungen zufolge das HI-Virus in sich, sie können am lebensbedrohlichen Immunschwächeleiden Aids erkranken. Weltweit machen Initiativen und Organisationen am 1. Dezember auf das Thema aufmerksam, auch in Lüneburg, hier allerdings schon etwas früher. „Wir wollen Solidarität zeigen mit Erkrankten und Verstorbenen“, sagt Helen Lange. Sie leitet das Büro der „Infoline“, einer Tochter der Landes-Aidshilfe. Mehrere Initiativen beteiligen sich an dem Veranstaltungsprogramm, das morgen, Freitag, beginnt.

„Es gibt immer noch viele Ängste und Vorbehalte“, sagt Helen Lange. Mancher glaube, schon ein kurzer Kontakt mit einem Infizierten könne auch ihn krank machen. Doch dem sei nicht so: In den vergangenen Jahrzehnten hätten sich Behandlungsmöglichkeiten verbessert. „Medikamente reduzieren die Virenlast, das heißt, das Risiko, sich anzustecken, ist gesunken.“ Aber auch die Lebensqualität der Betroffenen habe sich durch bessere Arzneien verbessert. War die Diagnose Aids in den 80er-Jahren, als die Krankheit aus den USA auch nach Europa kam, quasi ein Todesurteil, können Infizierte und Erkrankte heute mit Medikamenten überleben, auch sind Nebenwirkungen der Mittel nicht mehr so massiv wie über lange Jahre.

Das bedeute nicht, sämtliche Vorsicht fahren zu lassen, sagt die Expertin. Aber nicht nur HIV sei gefährlich, sondern auch schwere Erkrankungen wie Syphilis und Hepatitis könnten übertragen werden. Sie rät deshalb beispielsweise dazu, beim Geschlechtsverkehr Kondome zu benutzen. Mancher handle heute nach der Devise: „Mein Partner sieht gesund aus, er lebt solide, da kann mir nichts passieren.“ Doch das sei ein Irrglaube. Sie nennt das Beispiel der Braunschweigerin Doreen, die ihr Schicksal als mahnendes Beispiel für eine Aufklärungskampagne erzählt: Sie habe sich bei ihrer „großen Liebe“ angesteckt, der Mann habe nichts von seiner Erkrankung gewusst.

Auch andere Bilder stimmten nicht. Aids sei eben nicht, wie häufig behauptet, eine „Schwulenseuche“, auch Frauen und Kinder seien betroffen. Ein Weg der Ansteckung waren beispielsweise verunreinigte Blutkonserven.

Die Veranstaltungen im Überblick: Mit einem „Candle Light Walk“ geht es los am Freitag, 17.45 Uhr von der Heiligengeiststraße, Treffpunkt ist das Haus des Diakonieverbandes, zur Nicolaikirche. Dort beginnt um 19 Uhr eine Andacht „zum alten und neuen Gesicht von Aids und HIV-Infektion“. Neben der Infoline sind daran die Hamburger Aids-Seelsorge und der Verein „positHIV“ beteiligt.

Am Sonnabend bietet positHIV ein Frühstück an in den Vereinsräumen Am Berge 8. Das Treffen findet dort zum letzten Mal statt, die Gruppe zieht um in die Räume von Infoline an der Heiligengeiststraße. Um 20.30 Uhr zeigt die Initiative „Sven“ (Schwule Vielfalt erregt Niedersachsen) im Scala einen Film im Rahmen der Reihe Gay Movie Time. Um 22 Uhr beginnt dann eine Party im Café Anna und Arthur an der Katzenstraße. Veranstalter ist „SchLAu“, ein Schulaufklärungsprojekt zu verschiedenen sexuellen Lebensweisen.

Sonntag, 1. Dezember, bietet Andreas Katins eine Yoga-Stunde in seinen Räumen in der Barckhausenstraße 36 an. Der Erlös soll Infoline zufließen.