Mittwoch , 28. September 2016
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Der Schreibtisch wird geräumt: Nach 36 Jahren in der niedersächsischen Justiz geht Rüdiger Stoll, der angesehene Richter des Landgerichts Lüneburg, in den Ruhestand. Statt Gesetzesbüchern und Akten liest er künftig nur noch gute Bücher. Foto: be
Der Schreibtisch wird geräumt: Nach 36 Jahren in der niedersächsischen Justiz geht Rüdiger Stoll, der angesehene Richter des Landgerichts Lüneburg, in den Ruhestand. Statt Gesetzesbüchern und Akten liest er künftig nur noch gute Bücher. Foto: be

Die Zukunft erhält ein gutes Urteil

rast Lüneburg. Muss die Versicherung eines privat versicherten Mannes, der zeugungsunfähig ist, die künstliche Befruchtung seiner gesetzlich krankenversicherten Ehefrau oder Partnerin bezahlen? Eine der vielen juristischen Fragen, die Rüdiger Stoll in den vergangenen Jahren als Vorsitzender Richter der 5. Zivilkammer am Landgericht Lüneburg beschäftigten. Zum Monatswechsel geht der angesehene Jurist, der im September seinen 65. Geburtstag feierte, in den Ruhestand.

Als Vorsitzender der 5. Zivilkammer waren das Wohnungseigentumsrecht für den gesamten Bezirk des Oberlandesgerichts Celle und das private Versicherungsrecht für den Lüneburger Landgerichtsbezirk seine Schwerpunkte. Bei der künstlichen Befruchtung übrigens war die Versicherung des Mannes nur in der Pflicht, wenn nach einem Gutachten die Erfolgsaussicht bei mindestens 15 Prozent lag – und das auch nur bei der Ehefrau, nicht bei einer unehelichen Beziehung: „Aber das ist aktuell rechtlich im Schwange“, weiß Stoll.

Rüdiger Stoll wurde in Torgau an der Elbe geboren, wuchs in Peine auf, machte sein Abitur in Braunschweig und absolvierte sein Jura-Studium in Kiel, Freiburg und größtenteils in Göttingen, wo er im Oktober 1974 sein 1. Staatsexamen ablegte. Im November 1974 kam er erstmals nach Lüneburg, begann hier sein Referendariat am Landgericht. Nach seinem 2. Staatsexamen im Februar 1977 stieg er in die niedersächsische Justiz am Landgericht Lüneburg als Proberichter ein. Hier erhielt er nach kurzen Zwischenstationen an den Amtsgerichten Dannenberg, Soltau und Lüneburg sowie bei der Staatsanwaltschaft 1980 eine Planstelle. „Nach der Wende wurde ich eine Zeitlang ans Landgericht Dessau abgeordnet“, erzählt Stoll, der dort quasi als Aufbauhelfer agierte. Zurück in Lüneburg, beschäftigte ihn weiter das Zivilrecht. Neben seinem Beruf engagierte sich Stoll, der verheiratet ist und zwei erwachsene Kinder hat, ehrenamtlich, war etwa zwölf Jahre im Kirchenvorstand von St. Nicolai, war auch dessen Vorsitzender.

„Ich war immer gerne Richter“, bilanziert Rüdiger Stoll, der gerade noch seine letzten beiden Urteile geschrieben hat und seine Akten nun zur Seite legt: „Jetzt finde ich endlich Zeit, um gute Bücher zu lesen.“ Und wie er die durch den Ruhestand gewonnene Zeit nutzt, weiß er: „Ich schwimme täglich, fahre im Sommer Motorrad – und ich kann mich mehr um meinen eineinhalb Jahre alten Enkel kümmern.“