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Als Stricker kümmert sich Dirk Rohde in Deutsch Evern um den Betrieb der hochmodernen Strickmaschinen. Am Ende landen die dort produzierten Mützen, Schals und Loops im gehobenen Einzelhandel in ganz Europa, ein kleiner Teil wird auch ab Lager verkauft. Foto: t&w
Als Stricker kümmert sich Dirk Rohde in Deutsch Evern um den Betrieb der hochmodernen Strickmaschinen. Am Ende landen die dort produzierten Mützen, Schals und Loops im gehobenen Einzelhandel in ganz Europa, ein kleiner Teil wird auch ab Lager verkauft. Foto: t&w

Deutsch Everner Strick

off Deutsch Evern. Die Kommissarin im letzten Tatort hat einen getragen und Topmodel Lena Gercke, er ziert den Titel des Heine-Katalogs und die erste Seite des Peek Cloppenburg-Prospekts: ein Wollschal, entworfen, gestrickt und verarbeitet in der Deutsch Everner Strickfabrik Grote. Gegründet haben Paul und Monika Grote das Unternehmen vor 40 Jahren in einer Lüneburger Hinterhof-Garage, heute behauptet sich Sohn Michael Grote mit seinen Strickaccessoires europaweit im hart umkämpften Modemarkt. Die LZ hat die letzte Strickfabrik im Landkreis Lüneburg besucht – von der Ideenschmiede bis zur letzten Naht.

Deutsch Evern, ein schlichter Flachdachbau am Ortsrand, seit 1976 Produktionshalle, Verwaltung und Designbüro der Grote GmbH. Ein schmaler Flur führt direkt ins Herzstück des Unternehmens, Standort der 20 Strickmaschinen. Fast alle laufen, ziehen Zentimeter um Zentimeter von den Wollrollen, die überall auf den Geräten stehen. Was am Ende dabei herauskommt, hat Michael Grote mit seinem Techniker- und Designerteam zuvor in Gedanken entworfen, am Computer programmiert und direkt an die Maschine geschickt. Dort verwandelt modernste Technik die Vorlagen in Meterware. Unter Aufsicht von Strickern wie Klaus Michaelis.

Gelernt hat der 56-Jährige sein Handwerk genau wie Chef Michael Grote und zahlreiche Kollegen beim Strickwarenhersteller Lucia in Lüneburg, zu Hochzeiten einer der größten Arbeitgeber der Region. 23 Jahre arbeitete Michaelis dort, dann drohte ihm mit der Schließung des Unternehmens 2008 die Arbeitslosigkeit. Doch der Deutsch Everner hatte Glück, genau wie rund ein Dutzend anderer Kollegen – und fand Arbeit in der Strickfabrik der Familie Grote. Mit insgesamt rund 60 Mitarbeitern nicht so groß wie Lucia, dafür bis heute erfolgreich. „Dank einer guten Kollektion und tollen Mitarbeitern“, glaubt Michael Grote.

Von Anfang an hat sich das Unternehmen auf Strickaccessoires spezialisiert, entwirft und produziert vor allem Mützen, Schals und Loops. Dafür braucht Michael Grote ausgebildete Stricker, aber auch fähige Näherinnen, insgesamt 16 beschäftigt der Deutsch Everner. Sie sind dafür verantwortlich die Strickstücke, wie sie aus der Maschine kommen, zusammenzunähen, Fleecebänder einzunähen oder Bündchen zusammenzunähen. Handarbeit, auf die Grote trotz modernster Technik nicht verzichten kann. Und nicht verzichten will. „Wir können uns als Strickproduzent behaupten, weil die Qualität stimmt“, sagt er, „und weil Made in Germany vielen Menschen wieder etwas wert ist“.

Wo seine Produkte am Ende landen, entscheidet Grotes Verkaufsgeschick – und sein Gespür für die Trends der nächsten Saison. Aktuell produziert er die Muster-Kollektion für den Winter 2014, stellt sie bei Messen und persönlichen Terminen potenziellen Kunden vor. Bestellt einer von denen, wird passgenau produziert, die Ware gegebenenfalls mit dem Label der Kunden versehen. So landen Grotes Schals am Hals von Tatortkommissarinnen oder Topmodel Lena Gercke. Und auch wenn weder die Prominenten noch die Lüneburger wissen, dass ihre Accessoires in Deutsch Evern gestrickt wurden. Michael Grote und sein Team erkennen jedes ihrer Stücke sofort. Sei es auf der Straße, in Zeitschriften oder im Fernsehen. „Das sind Momente, in denen man besonders stolz ist“, sagt Grote. Und die Vater und Sohn immer wieder darin bestätigen: Sie haben es richtig gemacht – mit ihren Strickwaren made in Deutsch Evern.