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Kosmetik-Schülerin Sabrina Hehlert bei der Behandlung von Ursula Grewe. Fachpraxislehrerin Anne Hinrichs, Anästhesieschwester Susanne Paschek als Initiatorin sowie Elke Husen, die Herzen näht und die Aktionen vielseitig unterstützt, schauen zu. Foto: aja
Kosmetik-Schülerin Sabrina Hehlert bei der Behandlung von Ursula Grewe. Fachpraxislehrerin Anne Hinrichs, Anästhesieschwester Susanne Paschek als Initiatorin sowie Elke Husen, die Herzen näht und die Aktionen vielseitig unterstützt, schauen zu. Foto: aja

Urlaub von der Krankheit

aja Lüneburg. Kosmetikschülerinnen der Abschlussklasse an der Dr. Christian von Morgenstern Schule schenkten acht an Krebs erkrankten Frauen jetzt „einen Tag Urlaub von der Krankheit“. Initiiert wurde er von der Lüneburger Initiative „Herzen gegen Schmerzen“, die für diesen Tag in der Kosmetikschule einen „großartigen und großherzigen Partner fand“, wie Susanne Paschek von der Initiative lobt.

Maniküre, Pediküre, Gesichts- und Nackenmassage sowie Gesichtspflege gehören zum Standardrepertoire einer Kosmetikerin. Für die Frauen, die an diesem Tag in die Kosmetik-Schule eingeladen waren, bedeutete es viel mehr als nur Körperpflege und Entspannung. „Loslassen, was einen nicht loslässt“ lautete das Motto.

Vor einem Jahr erhielt Ursula Grewe die Diagnose Brustkrebs. Seither bestimmt die Krankheit jede Minute ihres Lebens. Umfangreiche medizinische Behandlungen zwischen Hoffen und Bangen begleiten sie und die anderen Frauen seit dem Tag der Diagnose. Oft tritt der Rückzug der Menschen ihrer Umgebung hinzu. „Ich habe doch nichts verbrochen“, kann eine der Betroffenen nicht verstehen, „warum mir die Menschen ausweichen.“ Viele Freunde, Bekannte, Nachbarn, Arbeitskollegen reagierten unsicher oder kapitulierten überwältigt von eigenen Angstgefühlen und Verlustängsten. Die Anästhesieschwester Susanne Paschek und ihre Mitstreiterinnen nicht. Mit der Herz-Kissen-Aktion stehen sie den Frauen zur Seite. Ihr Motto: „In jedem Herz steckt viel Liebe drin.“ Aus Stoffen zugeschnitten, zusammengenäht und befüllt verteilte die Initiative schon mehr als 1000 „Herzen gegen Schmerzen“. Das herzförmige Accessoire erfüllt auch einen medizinischen Zweck, indem es die Operationswunde unter dem Arm stützt, das innenliegende Gewebe schont und Schmerzen reduziert.

„Als ich nach meiner Operation wach wurde, hatte ich so ein hübsches Herz-Kissen unter meinem Arm“, erinnert sich Ursula Grewe. „Inzwischen habe ich zwei Kissen.“ Die Folgen der Operationen habe sie „gut weggesteckt“. Doch bei der Nachbesprechung, berichtet die Seniorin, habe sie sich hilflos und allein gefühlt, gedacht: „Nun ist alles vorbei.“ Die liebevolle Zuwendung ihrer Familie sei immer begleitet von der Angst, die Ehefrau, Mutter oder Großmutter doch zu verlieren.

Es war Ursula Grewes Enkelin, die im Internet die Einladung zum „Urlaub von der Krankheit“ entdeckte und ihre Großmutter anmeldete. Für die Schülerinnen der Dr. Christian von Morgenstern Schule ist der Tag kein „normaler Job“. Sie spüren, wie die Frauen während der Behandlung einfach mal loslassen. „Es bleibt das Gefühl, den Frauen ein Stück Last zu nehmen“, sagt Klassensprecherin Sabrina Hehlert. „Die Schülerinnen sind von der Begegnung tief beeindruckt“, bestätigt Lehrerin Anne Hinrichs. Sie freue sich, dass die Initiative, die keine Geldspenden annimmt und auf Sachspenden angewiesen ist, auf die Schule zugekommen sei. Anne Hinrichs: „Die Schülerinnen freuen sich, mit ihrem Einsatz helfen zu können.“