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Flucht im Schlafanzug

dth Lüneburg. Die letzten Hoffnungen, noch etwas Hab und Gut aus den Trümmern bergen zu können, werden jetzt auf der Deponie bei Bardowick begraben. Einsatzkräfte haben Teile des Hauses, das gestern bei einem Brand am Stint zerstört wurde, bereits abgetragen. Mehr als ein Dutzend Menschen haben bei dem Feuer im Lüneburger Wasserviertel nur das retten können, was sie bei der Evakuierung in den frühen Morgenstunden am Leibe trugen – bei manchen war es nur der Schlafanzug. Notfallseelsorger der Feuerwehr, Helfer des Deutschen Roten Kreuzes und Mitarbeiter der Stadt Lüneburg betreuten zunächst ingesamt 30 bis 40 auch aus den Nachbarhäusern evakuierte Anwohner im Lüneburger Glockenhaus. Zudem griff der „Gute Nachbar“, die gemeinsame Hilfsaktion von Wohlfahrtsverbänden und LZ, den Betroffenen mit einer finanziellen Soforthilfe unter die Arme.

In den beiden vom Brand zerstörten Gebäudeteilen Am Stintmarkt 2 wohnten oberhalb von „Irish Pub“ und „La Trattoria“ mehrere Parteien, darunter auch studentische Wohngemeinschaften. Vergleichsweise glimpflich davongekommen sind Nachbarn wie Hans-Werner Eggert, die wegen der Rauchentwicklung ebenfalls ihre Wohnungen verlassen mussten und zunächst nicht mehr betreten durften. Eggert: „Ich wurde gegen 4.30 Uhr von der Feuerwehr aus dem Bett geklingelt.“ Das auf der anderen Ilmenau-Seite liegende Hotel Bergström versorgte die ersten Evakuierten mit Kaffee und Frühstück. Für eine warme Mahlzeit sorgte später auch das Restaurant Glockenhof mit 40 Portionen Erbsensuppe für die Wohnungslosen und ihre Betreuer im Glockenhaus.

Rund 20 Helfer von der schnellen Einsatzgruppe des DRK-Kreisverbandes Lüneburg kümmerten sich um die direkt betroffenen Anwohner, die teilweise unter Schock standen. Die Notfallseelsorger Derik Mennrich und Henry Schwier standen als Gesprächspartner zur Verfügung. Neben dem emotionalen Beistand half Uwe Wendland, Mitarbeiter der Stadt Lüneburg, die akute Wohnungsnot zu lindern. Lüneburgs Erster Stadtrat Peter Koch sagte: „Wir versuchen den Leuten auch bei anderen praktischen Fragen zu helfen.“ Sei es bei der Neubeantragung von Personalausweisen bis hin zur Suche einer Unterkunft. Diejenigen, die im Morgengrauen nur mit leichter Kleidung fluchtartig ihre Wohnungen verlassen mussten, konnten sich zudem im Zeughaus in der Katzenstraße mit warmen Kleidungsstücken versorgen. Während die einen im Glockenhaus saßen und mit Tränen in den Augen ihr Unglück noch nicht fassen konnten, waren andere Betroffene unterwegs, um nach einer neuen Bleibe zu suchen. Koch: „Falls jemand nicht bei Freunden oder Verwandten unterkommen kann, bieten wir jenen an, die Gemeinschaftsunterkünfte in der Schlieffenkaserne zu nutzen, die wir für Asylbewerber vorbereitet haben. Die Betten sind schon bezogen.“

Die erste finanzielle Soforthilfe für die Betroffenen leistete gestern der Gute Nachbar, die Hilfsaktion von Wohlfahrtsverbänden und LZ. Stellvertretend stellte Jürgen Enke von der Arbeiterwohlfahrt (Awo) den ersten elf Ausgebrannten jeweils einen Scheck in Höhe von 250 Euro Soforthilfe aus, „um über die ersten Sorgen hinwegzuhelfen und die weiteren Hilfen organisieren zu können“, sagte Enke. Wer von den Betroffenen etwa nicht auf finanziellen Ausgleich einer Versicherung hoffen kann und so noch mehr Bedarf über die Soforthilfe hinaus habe, könne sich wieder an den Guten Nachbarn wenden, sagte Enke. „Dafür und für andere Menschen, die unverschuldet in Not geraten sind, sammeln wir gerne Spenden.“

 

Video: „Trattoria“-Wirt De Flaviis zum Brand

 

Video: OB Ulrich Mägde zum Brand

 

Video: Feuerwehrpressesprecher Daniel Römer zum Brand

 

Video: Löscharbeiten Am Stintmarkt

 

Fotogalerie: Großbrand am Stintmarkt (Teil 1)

Fotogalerie: Großbrand am Stintmarkt (Teil 2)

Fotogalerie: Großbrand am Stintmarkt (Teil 3)