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Disponent Thomas Schmidt beantwortet in der Feuerwehr-Einsatz- und Rettungsleitstelle des Kreises Anrufe von Hilfesuchenden. Für den Beruf brauchen er und sein Kollege Claus Kollrich (im Hintergrund) vor allem Geduld und das Menschliche. Foto: t & w
Disponent Thomas Schmidt beantwortet in der Feuerwehr-Einsatz- und Rettungsleitstelle des Kreises Anrufe von Hilfesuchenden. Für den Beruf brauchen er und sein Kollege Claus Kollrich (im Hintergrund) vor allem Geduld und das Menschliche. Foto: t & w

Schnelle Hilfe per Mausklick

emi Lüneburg. Es ist Montagmorgen, 3.44 Uhr, als das Telefon in der Feuerwehr-Einsatz- und Rettungsleitstelle (FEL) des Landkreises Lüneburg klingelt. „Feuer nach Explosion am Stintmarkt 2“, lautet der Notruf. Ein FEL-Mitarbeiter stellt dem Anrufer mit ruhiger Stimme Fragen: „Was ist passiert, wie stark brennt es, gibt es Verletzte?“ Dann alarmiert er per Mausklick am Computer Feuerwehr und Rettungsdienst. Über deren kleine, graue Funkmeldegeräte flimmern Sekundenbruchteile später Informationen zu Einsatzort und -art: das Zeichen zum Ausrücken. „Für uns in der Zentrale ist so ein Großbrand Routine“, sagt Mirko Dannenfeld, Leiter der Einsatzleitstelle. „Vor Ort sieht es natürlich ganz anders aus.“

Dass dieser Montag aber auch in der Leitstelle, einem weißen Flachdachbau am Springintgut, kein ganz gewöhnlicher Tag ist, wird daran deutlich, dass angesichts des Großeinsatzes vier Mitarbeiter vor Ort sind. Normalerweise koordinieren je zwei Disponenten rund um die Uhr die Rettungseinsätze. „Das reicht in der Regel auch aus“, berichtet Dannenfeld. „Gerade nachts ist es eher still bei uns.“

FEL, Donnerstagnacht, 22 Uhr. Drei große, altmodisch anmutende Büroinseln mit je vier Monitoren, Faxgerät und Telefonanlagen. Am mittleren, holzverkleideten Schreibtisch hat Disponent Thomas Schmidt Platz genommen, an seinen Füßen stecken bequeme, schwarze Schuhe – eine lange Nacht steht bevor. Schmidts Dienst hat nämlich gerade erst angefangen, seit drei Stunden ist der 53-Jährige in der Leitstelle, schiebt zusammen mit seinem Kollegen Claus Kollrich eine Zwölf-Stunden-Schicht.

Die Zentrale ist in grelles Licht getaucht, die Computer surren leise. Nur vereinzelt durchbricht das Klingeln des Telefons die nächtliche Stille. Ein rotes Licht leuchtet auf, wenn Mitarbeiter Kollrich am Nebentisch per Headset mit einem Anrufer spricht. Die Ruhe vor dem Sturm? „Es kann jeden Moment losgehen“, weiß Thomas Schmidt aus langjähriger Erfahrung. Seit 29 Jahren nimmt er Anrufe von Hilfesuchenden entgegen: „Mal geht es um die Katze auf dem Baum, mal um die Oma, die gestürzt ist oder eben einen Brand.“ Er leitet Hilfsmaßnahmen ein.

Die FEL kann im Bedarfsfall auf rund 90 Feuerwehren aus dem gesamten Landkreis zurückgreifen. Auch die ehrenamtlichen Einheiten vom Arbeiter-Samariter-Bund, dem Deutschen Roten Kreuz, dem Technischen Hilfswerk und der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft stehen jederzeit zur Verfügung. Dazu kommen die DRK-Rettungshundestaffel und die BRH-Rettungshundestaffel Hamburg und Harburg.

„Wir koordinieren von hier aus pro Jahr rund 1500 Feuerwehr- und zirka 30 000 Rettungsdiensteinsätze“, sagt Thomas Schmidt. „Pro Tag macht das im Schnitt zwei bis drei Feuerwehr- und rund 100 Rettungseinsätze.“ In Blickrichtung vor ihm zeigt an der Wand eine riesige Übersichtstafel mit blinkenden Lichtern den Status der Feuerwehren im Landkreis an: „Rot bedeutet Fahrzeug im Einsatz, Gelb heißt Person außer Dienst, Grün steht für Fahrzeug auf Funk“, erklärt der erfahrene Feuerwehrmann. Um die Praxisnähe nicht zu verlieren, fährt er auch ein- bis zweimal pro Jahr im Rettungswagen mit.

Im Vergleich zu früher habe sich im FEL-Alltag einiges verändert: „Damals gab es Spitzenzeiten, morgens zwischen 7 und 8 Uhr, und nachmittags zwischen 17 und 20 Uhr.“ Das sei heute nicht mehr so: „Die Rush Hour kann jeden Moment losgehen.“ Doch egal, wie viel Trubel herrscht: Schmidt behält die Ruhe gegenüber meist aufgeregten Anrufern. Für ihn ist das ganz selbstverständlich – und Routine.

 

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