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Klaus Schippel wertet am Laptop die Daten des Lasermessgeräts aus. Er sitzt im Bergström mit Blick auf das zerstörte Gebäude. Foto: ca
Klaus Schippel wertet am Laptop die Daten des Lasermessgeräts aus. Er sitzt im Bergström mit Blick auf das zerstörte Gebäude. Foto: ca

THW-Experten spüren jede Erschütterung

Katastrophen sind sein Geschäft: Klaus Schippel und seine Kollegen vom Technischen Hilfswerk aus Remscheid rücken an, wenn irgendwo nördlich von Frankfurt ein Haus zusammengekracht ist oder ein Berghang abzurutschen droht. Die ehrenamtlichen Experten können mit ihrer Technik millimetergenau messen, ob Wände oder Erdreich nachgeben – dann warnen sie zum Beispiel Feuerwehrleute vor der Gefahr. Mit ihren Geräten waren sie auch vor gut viereinhalb Jahren im Einsatz, als das Kölner Stadtarchiv versank, Arbeiter hatten ohne ausreichende Absicherung im Untergrund eine Trasse für eine U-Bahnline gebuddelt. Ihre Kollegen aus dem Berchtesgadener Land decken den Süden Deutschlands ab, sie unterstützten Helfer, als Anfang 2006 in Bad Reichenhall die Eishalle einstürzte und Einsatzkräfte nach Verletzten suchten und Tote bergen mussten.

Am Montag ist Schippel mit drei Kollegen aus Westfalen nach Lüneburg gekommen, um nach dem Brand am Stintmarkt Abbrucharbeiten abzusichern. Die Gefahr: Benachbarte Gebäude könnten ohne die stützenden Wände des alten Lösecke-Hauses wegsacken. Der 47-Jährige erklärt das Verfahren: Ein Lasermessgerät aus dem Haus der Fototechnikexperten von Leica wirft seinen Lichtstrahl im Zehn-Sekunden-Takt auf spezielle Spiegel, die Fachleute an den betreffenden Gebäuden angebracht haben. Anhand des Aufpralls des gebündelten Lichts errechnet der schuhkartongroße Signalgeber, ob es minimale Abweichungen durch Erschütterungen gibt, die Daten werden für die Auswertung per Funkimpuls auf ein Laptop geschickt. Dann zeigt sich, ob es seitliche Bewegungen gibt oder sich die Höhe des Messpunktes verändert.

„Bei einem halben Zentimeter Abweichung ist alles in Ordnung“, sagt Schippel, „bei eineinhalb Zentimeter müssen wir eingreifen.“ Doch die THW-Männer blieben am Stint ruhig: „Keine dramatischen Veränderungen.“ Die Remscheider arbeiten eng mit ihren Lüneburger Kollegen zusammen. Michael Bahr, im zivilen Beruf Finanzfachmann, ist beim THW unter anderem Bauexperte und weiß, wo Messpunkte gesetzt werden. Er erzählt, dass das THW in Uelzen voraussichtlich im kommenden Jahr die mehrere Zehntausend Euro teure entsprechende Lasertechnik ebenfalls anschaffen will. Im Katastrophenfall seien zwei Geräte in der Bundesrepublik angesichts langer Anfahrtzeiten zu wenig. ca